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FOR THE PEOPLE | FOR EDVCATION | FOR SCIENCE
LIBRARY
or
THE AMERICAN MUSEUM
OF
NATURAL HISTORY
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Jahrgang 1831.
Heft 1 XII
Leipzig bey Brockhaus.
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Der Preis von 12 Heften iſt 8 Thlr. ſaͤchſ. oder 14 fl. 24 Xr. rhein:ſch, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipziger Gſtermeſſe des laufenden Jahres zu leiſten. 2 i
Man wendet ſich an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beytraͤge zu ſchicken find. Unfrankierte Bucher mit der Poſt werden zuruͤckgewieſen.
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ogeltauſch. Dubletten. Soͤchſiſch. v 3 ſch o Parus lugubris 8 5 E g . 7 4 ee
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5 an + Sturnus unicolor
. Ich befise mehrere fübeuropäifche Vögel dublett, und ſuche = 2
mir dagegen hochnordiſche und oͤſtliche einzutauſchen. „ Ich füge © 8 Tanin 5 Preiſe bey und erwarte, daß die Ornithologen, die mir dagegen TR a Su einige meiner Deſiderate anbieten, das Gleiche thun, da man YARIC B
ſich fo am leichteſten verftändigen kann. Eben fo kann ich Du⸗ Sylvia philomela .
. 16 bletten größtentheils neuer dalmatiniſcher und ſpaniſcher Amphi⸗ 885. 5 = bien und Fiſche, fo wie feltene europäiſche Landconchylien abs — Fazer - u = geben, 2 — melanopogon . . . —
Nuͤrnberg Ende Auguſt's 1830. — lettii 5 Ne . ? > — provincialis ET N — Dr. Michahelles. — . „ — — orphea . . . . . . — Dubletten. Saͤchſiſch — cisticola 5 1 : =
Aquila osifraga . .. 5 . & 8 Thlr. — gr. Hirundo rupestris 2 5 2 A 2 . x Falco tinnunculoides = & Gypselus mei,. Se en o Strix pygmaea . - . . &Columba iva . . . e a — —— scops 8 . . . . . © Tetrae lagopus . > » 5 . — Pyrrhocoxax alpinus . 3 . - © Perdix saxatilis ° 5 5 — © — graculus . ° 5 . ; Numenius tenuirostris 5 4 1 — Coracias garrula . 8 2 8 . Glareola austriaca 8 8 4 N 12 „Merops apiaster 5 Fe a ee — Picus tridactylus > > + Ardea purpurea . . > Ä > A —
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BEREITS TBERBESESENSERLENEENEEN GL
Bälge. Die Arten Emb. palustris und Num, tenuirostris fin
Toſcana, Sitta Neumayer, Mot. Feldegg und melanocephala in Dalmatien erlegt worden. Ich kann von jeder Act Alters,, Ge⸗ ſchlechts⸗ und Jahreszeiten — Varietäten abgeben. 5 >
® — calandra . 0 ur, : n Accentor alpinus. 8 . g . > Motacilla melanocephala . . »
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„ Sitta Neumayer mihi Fee 2 „ — egretta . 8 — Tichodromus phoenicopterus . L nycticorax . 9 . — 4 Fringilla domestica (Ragusa) F ı uuu, > on u | N — eisalpina 8 9 8 1 0 — minuta 5 : 2 7 — 3 & — hispaniolensis . Phoenico pterus antiquorum Zen öhitr. — 2
{ — nivalis . * . 0 Sterna anglica „ . 8 . — — © — eitrinella 9 = - — — leucoptera 5 8 . . — —
ö Emberiza palustris 2 5 . . — Larus mielanocephalus - sry a g — 5 — melanocephala 8 „ — plumbiceps l l — — Y — eiclus 7 . . , . . — Anas leucophthalma . 5 P ° 4 — 2 — dia V — Pelecanus onocrotalus e — — D — hortulana . b 4 Alauda brachydactyla > Diefe Preife verftehen fih für fehlerfreye, ausgezeichnete
»
Dis dem Handel fo eigenthämliche Weſen der Circulation, fo wie jenes des Preiſes und Werthes, konnten ihrer gegen⸗ wärtig errungenen Bedeutung nach erſt dann in die Er⸗ ſcheinung treten, als die Einzelnen, von Genuß und Ge⸗ winnſucht getrieben, es unternahmen, die Producte der Urs production und induſtriellen Production zu importieren und zu exportieren, nehmlich nach unſerer Weiſe die Production zu betrachten, die durch Wertheserhoͤhung mittelſt quantita— tiver und qualitativer Veraͤnderung entſtandenen Producte noch durch locale Veraͤnderung im Werthe zu erhoͤhen. Jene Circulation erweiterte und entwickelte ſich in eben dem Maa⸗ ße, als der Handelsſtand ſich vermehrte und conſolidierte, welcher nebenher noch durch das Städte, Zunft- und Gil: deweſen einen eigenen Schwung erhielt, mehr aus der Po— litik als aus dem Gange der Induſtrie ſelbſt fließend, nehm⸗ lich aus dem Streben der fouveränen Fuͤrſten, die Macht des Adels zu beſchraäͤnken. Der Handel gelangte nach und nach zu feinem höhern Range, wie er, von Genie, Kunſt, Kühnheit und Ecfindungsvermoͤgen kraͤftigſt unterſtützt, ſich über alle Markiplaͤtze der cultivierten Welt hin zu verbrei⸗ ten vermochte, verhindert weder durch die Fluthen der ſturm⸗ dewegten See, noch durch die unwirthbaren nur in Kara⸗ vanen zu durchziehen moglichen Wuͤſten, noch durch die Laſt des allgemeinen Tauſchmittels, repraͤſentiert in Gold- und Silberbarten, fpäter in Geld, und endlich wohl gar in Geldanweiſungen.
Sonach iſt zwar das urſpruͤngliche Vehikel der dem Handel zukommenden Circulation allemal in dem Hange nach mit Menſchengenuß verbundener Conſumtion, bezogen auf Größe, Dauer und Vertheilung, zu ſuchen; nichts de⸗ ſtoweniger bleibt fuͤr Realiſierung, fuͤr ein factiſches Her⸗ vortreten des Handels in feiner hoͤhern Bedeutung, nehm⸗
Cybele 1831, Heft .
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.
Betrachtungen uͤber das Weſen von Circulation, Preis, Werth, ſo wie uͤber die Ausdruͤcke: theuer und wohlfeil.
Vom Grafen Georg von Buquoy.
lich des Welthandels ſeinem lebendigen Habitus nach, eine unerlaͤßliche Bedingniß, eine conditio sine qua non, daß hoͤhere Cultur und Genie jene Mittel darbieten, durch weh che allein die ſich einer freyen Circulation rieſenmaͤßig ent» gegenſtemmenden Hinderniſſe beſeitigt werden koͤnnen; als zu welchen Mitteln vorzüglich gerechnet werden muͤſſen! Die von uns in einer andern Schrift ſogenannten techni⸗ ſchen Handelsmittel, * ferner das Comptoir⸗ und Buch⸗ haltungsweſen, fo wie endlich das für das menſchliche Er⸗ findungsvermoͤgen ſo ehrenvolle Bank- und Wechſelweſen.
Die Theorie uͤber einen feiner Weſenheit nach prae⸗ tiſch aufzufaſſenden Gegenſtand, artet, wenn ſie nicht aus der unmittelbaren Beſchauung des Gegenſtandes ſelbſt her⸗ aus abſtrahiert wird, wenn fie vielmehr aus rein a priori- ſchen Grundſaͤtzen ausgeht, artet ſagen wir, ſehr leicht in ein bloßes Hiengeſpinnſt ohne alle practiſche Anwendbarkeit aus, und hat ſomit keinen andern Werth, als etwa den ei⸗ nes angenehmen Zeitvertreibes. Dieß nun auf das Weſen des bey einem des Geldes und überhaupt aller kuͤnſtlichen Mittel der Circulation nach unkundigen Volke ſtatt finden moͤgenden Tauſchhandels bezogen, halten wir es der Muͤhe nicht werth, demſelben näher nachzuſpuͤren, da uns bey un⸗ ferer hoͤhern Cultur der Blick in das Treiben eines gaͤnz⸗ lich culturloſen Menſchenhaufens nicht geſtattet iſt, und je⸗ nes um ſo mehr, als uns aus ſolchen Betrachtungen für die Ergruͤndung des Weſens vom Handel bey bereits höher: cultivierten Nationen, kein ſonderlicher Gewinn zu Theil werden moͤchte. Wir glauben vielmehr, auf alle bloß die Neugierde beftiedigenden die ſtaatswirthſchaftliche Praris auf
* Buguoys Theorie der Nationalwirthſchaft. £
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keine Weiſe fordernden Betrachtungen ganzlich Verzicht lei⸗ ſten zu muͤſſen, und halten es fuͤr gerathener, das Han⸗ delsweſen theoretifh und practiſch fo darzuſtellen, wie das⸗ ſelbe den bereits höher cultivierten Nationen entſpricht, und wie es allein auch von ihnen richtig aufgefaßt werden kann. Dieſe Methode erinnert an jene der analytiſchen Dynamik, wo es bey Berechnung von Maſchinen weit zweckmaͤßiger und fuͤr die Richtigkeit des Rechnungsreſultats weit guͤnſti⸗ ger iſt, die Maſchine zu betrachten, nicht vom Urſprunge ihrer Bewegung an, ſondern damals, wo ſich jene ſchon im Beharrungsſtande befindet, d. h. die Maſchine un⸗ ter dem Zuſtande der Geſammtcombination aller dabey in Rechnung kommenden Kräfte, Bewegungen und trägen Mafı ſen zu betrachten.
Ats kunſtgerechten Meiſter in die combinierte Maſchine der ſtaatswirthſchaftlichen Betriebſamkeit blickend, ſie in ih⸗ rem wahrhaft regſamen Beharrungsſtande eben ſo regſam anſchauend, ſagt Adam Smith ſehr treffend: When the division of labour had converted every man as it were into a merchant, and society itself grew to be what is properly called a commercial society, no one was inclined to part with his produce but for an equivalent. To fix this equivalent, it was necessary to know the value of what was given and what was received; and it must be confessed, that the difli- culty af hitting upon the means af daing so must have been very considerable.
Da im Handel die Ausdrucke Werth, theuer, wohlfeil fo häufig vorkommen, und in den ſtaatswirth— ſchaftlichen Schriften hieruͤber noch große Dunkelheit herrſcht, fo ſoll hier Einiges zu deren Erläuterung geſagt werden. Was namentlich den Ausdruck Werth betrifft, ſo iſt der ſogenannte Nationalwerth wohl ziemlich allgemein be⸗ ſtimmt, ſehr unbeſtimmt dagegen der Ausdruck reeller Werth, obgleich man ſeit Smith damit im Reinen zu ſeyn glaubte, jenen Ausdruck auf ein gewiſſes Arbeitsguantum
deziehend, wogegen wir uns jedoch in fruͤhern Schriften
mehrmals aͤußerten, wogegen auch Lord Lauderdale manches Treffende einwendet, und unter andern ſehr richtig folgendes bemerkt: This pretended accurate measure af value is not even capable, like other commodities, af forming a true measure of value at the same time and pla- ce; Which is evident when we recollect that, at the same time and place, the real and the moneyprice af labour vary, not only according to the different abilities af the workmen, but according to the easi- ness or hardness of the masters.
Wir finden uͤber das Weſen des reellen Werthes noch folgendes hinzuzuſetzen:
Eine Sache hat nur dann und nur dadurch einen Werth fuͤr irgend Jemanden, daß ſie ihm einen Genuß zu verſchaffen im Stande iſt. Iſt fie an und fürefid eines Genuſſes faͤhig, fo hat fie einen directen Werth, kann fie aber bloß durch Umwandlung oder durch Tauſch einen Ge— genſtand des Genuſſes herbeyſchaffen, fo hat fie bloß einen indirecten Werth. Den Werth einer Sache ihrer Quanti— tät nach zu beſtimmen, dieß iſt im Allgemeinen gar nicht moͤglich, und man kann uͤberhaupt nicht leicht eine unbe⸗
* —
4 flimmtere Frage thun, als nach dem Werthe einer Sa’ che überhaupt; denn dieſer ſchließt allemal ſchon deren relativen Werth mit in ſich, welcher ſehr groß, oder ſehr klein iſt, wie man es nehmen will. Der relative Werth eines Dinges nehmlich bezieht ſich nie bloß auf das Ding ſelbſt, ſondern immer zugleich auf die Perſon, welche nach ſeinem Werthe forſcht; hiedurch aber tritt in den Begriff jenes Werthes das ganze Individuelle der Perſon mit ein; und es hängt von ihrem Beduͤrfniſſe, von ihrem conven⸗ tionellen oder eingebildeten, oft auf Launen und bizarren Anſichten beruhenden Verlangen darnach ab, ob das Ding fuͤr jene Perſon einen Werth habe, oder nicht. ER
Die Größe des Verlangens nach einem Gegenſtande, folglich auch die Groͤße des Werthes, welchen ein Gegen⸗ ſtand für irgend Jemanden hat, laͤßt ſich auf keine Weiſ meſſen; denn was ſoll man hier als Einheit des Maaßes veſtſetzen? Nur in einer einzigen Beziehung laͤßt ſich der Werth einer Sache in Quantität ausdrucken, nehmlich dann wenn vom Tauſchwerthe die Rede iſt; denn in dieſem Falle laßt ſich ſagen: Ich fühle mich geneigt, fuͤr dieſe oder jen Sache fo oder fo viel hinzugeben, u. z. von einer Sache, deren Quantitaͤt und Qualitaͤt ein fuͤr allemal an⸗ genommen iſt. * ER:
Hiermit wären wir dem Sinne ſchon näher geruͤckt, in welchem hier der Werth der Dinge betrachtet werden fell, Allein es muß noch eine eigentliche Beſtimmung binzufome men, nehmlich, daß hier nicht von jenem Tauſchwerthe der Dinge geſprochen wird, welchen dieſe für irgend eine Perſon haben koͤnnen, ſondern von jenem Tauſchwerthe, welcher zu einer beſtimmten Zeit einer ganzen Gegend dergeſtalt entſpricht, daß für jene Dinge, von deren Wer- then die Rede iſt, allgemein von Jederman, Igleich⸗ ſam wie durch gemeinſchaftliches Einverſtaͤndniß, eine bes’ ſtimmte Quantitaͤt an Dingen von beſtimmter Art erhalten werden kann. In dieſem Sinne nehmen wir den Ausdruck; reeller Tauſchwerth, oder kuͤrzer: reeller Werth. N
Nun entſteht die Frage, von welcher Art das fuͤr die mancherley Sachen allgemein Einzutauſchende ſeyn muͤſſe,
um hierdurch den reellen Werth jener Sachen beſtimmt und bequem auszudruͤcken? 5
Dieſes Einzutauſchende, welches als Maaßſtab des re- ellen Werthes aller übrigen Dinge angenommen werden ſoll, muß von der Art ſeyn, daß es an und für ſich einen die recten Werth, u. z. für alle Individuen einer Gegend in
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gleichem Maaße habe. Dieß findet aber dann Statt, h wenn jenes als Maaßſtab angenommen die Summe aller Gegenſtaͤnde in ſich faßt, welche zur Erhaltun
des Lebens, der Geſund heit und der phyſiſchen Kräfte jedes Individuums einer betrachteten Gegend erfordert werden, welche hierzu aber auch hinreichen, wobey Alles auf eine be 5
» Diefe zum Maaßſtabe des Tauſchwerthes dienende Sache, von unveraͤnderlicher Quantität und Qualität, braucht eben nicht eine einzige Sache zu ſeyn, ſondern ſis kann gar wohl ein beſtimmtes Aggregat von be? fimmten Sachen ſeyn, und ſich daher auf einen collectiven Begriff beziehen. }
Ifimmte Dauer bezogen werden muß. Jenes Aggregat von
ngen, das dieſe Bedingungen erfüllt, hat einen Werth, der ſich auf den allgemeinen Trieb der Selbſterhaltung, und auf die Natur des Menſchen gruͤndet, der daher nicht don einzelner Laune, von ſelbſtgeſchaffenem Verlangen ab⸗ fangt, ſondern der, im Allgemeinen betrachtet, für alle Mens ſchen eines ODiſtrictes als gleich angenommen werden darf.
(Fortſetzung folgt.)
42 Handel. +
N . ’ Vom Grafen Georg von Buquoy.
Hier nur einige Winke aus der Geſchichte, um den Einfluß des Handels auf Nationalwohlfahrt nachzuweiſen.
Die griechiſchen und die joniſchen Staͤdte, Alexandria Marſeilles und Carthago, welche die Truͤmmer des Handels von Sidon und Tyrus ſammelten, waren ſehr beruͤhmt durch ihre Macht. Carthago insbeſondere ſtieg zu dem hoͤch⸗ ſten Grade des Glanzes und der Macht empor, kämpfte lange Zeit mit Glück gegen die Kuͤhnheit und den Unter» nehmungsgeiſt der Roͤmer, und ſchob auf dieſe Weiſe auf mehr als ein Jahrhundert die Unterjochung der uͤbrigen Na⸗ tionen hinaus.
1 Ats in der Folge Roms Genius, Kuͤhnheit und Waf⸗ fenglück auf den Ruinen Carthagos die Eroberung der Welt gründete, ſo waren die Quellen des Reichthums fuͤr Europa Aſien und Africa wie mit Einemmale vertrocknet; indem allenthalben die wechſelſeitige commetzielle Verbindung un terbrochen war.
{ Die unermeßlichen Schaͤtze, welche durch Auspluͤndern ber Übrigen Nationen in Rom angehäuft wurden, trugen nichts dazu bey, den Wohlſtand irgend eines Landes empor zu heben; jene Schätze lagen für die Nationalinduſtrie todt, ſie befruchteten keine Scholle, gaben keiner Art von Indu⸗ ſtrie, Leben und Gedeihen, und thaten uͤberhaupt in keiner Suche etwas, um Civiliſation und höhere Bildung in an, dern Ländern zu beleben. Jene Schaͤtze bloß der Bereiche⸗ rung einiger Weniger gewidmet, bloß als Vehikel zu kuͤnf⸗ tigen Eroberungen betrachtet, fanden keine ſegens volle Ver⸗ wendung fuͤr Nationalwohl, ſondern wurden bloß dazu ver⸗ wendet, von Friſt zu Friſt von den Einfaͤllen allverheerender Barba— ten loszukaufen. Das Roͤmervolk, dieſer ungeheure Koloß, dieſe Wundererſcheinung am geſchichtlichen Himmel, ver⸗ ſchwand gleich einem Feuermeteore, beynahe nichts hinter ſich laſſend, ſo daß Rom, deſſen Provinzen und zinßbare Völker ſich unter einander bloß durch den Grad des Elends und des erbarmungswuͤrdigſten Zuſtandes unterſchieden. Wie ſehr ſticht hier die ephemere Größe eines bloß auf Waffen⸗ gluͤck geſtuͤtzten Staates von ſolchen den kommenden Ge⸗ ſchlechtern ſegenbringenden Nationen ab, die ihre Macht und Größe auf Handel und alle mit dieſem in Verbindung ſtehende Zweige der innern Induſtrie gründen?
- Seit der Zerkörung des weſtröͤmiſchen Reiches bis kurz vor jener des griechiſchen Kalſerthums, eine Periode von
die Aufftände der Cohorten zu ſtellen, und Rom,
a u 6 beynahe tauſend Jahren, wo Unterdrückung Anarchie und Verbrechen herrſchten, wo Handel und jede Art von Indu⸗ ſtrie darniederlagen; — bildete ſich Nichts, das auf Natio- nalwohlſtand hinzudeuten vermoͤchte. Conſtantinopel war zwar der Punct des Zuſammenſtroͤmens ungeheuer mannichfacher politiſcher und commercieller Geſchaͤfte; aber die große Aus, dehnung des Reichs, das Impoſante und Furchteinfloͤßende einer erobernden von wilden u. raubſuͤchtigen Nachbarn ums lauerten Nation; ferner das Druͤckende der Abgaben, die zwangsweiſe dem kaiſerlichen Schatze zufließenden Summen laͤhmten jenen Wetteifer, jene Thätigkeit und Energie, durch welche der Handel ſich auszeichnen muß, ſoll er ja einen allgemeinen Wohlſtand verbreiten. Es dringt ſich daher dem in ſtaatswirthſchaftlicher Hinſicht die Geſchichte übers blickenden Forſcher die traurige Bemerkung auf, daß, ſeit Carthagos Zerſtoͤrung bis weit ins Mittelalter hinein, bins nen einer Periode von mehr denn dreyzehn Jahrhunderten, die Quellen des allgemeinen Wohlſtandes über das ganze roͤmiſche Reich hin vertrocknet waren, welches eben ſo viel heißt, als uͤber die geſammte damals bekannte Welt.
Erſt im zwoͤlften Jahrhunderte gieng der Natio-
nalinduſtrie eine neue Sonne auf, die befruchtend wieder
nt was feit fo vielen Jahrhunderten geſchlummert atte. 5
Venedig, Genua, Piſa und Florenz, obgleich durch die Unfruchtbarkeit und geringe Ausdehnung ihrer Gebiete zur Armuth verurtheilt, gelangten nichts deſtoweniger zu großer Macht und bedeutendem Reichthume durch ihren Handel mit den Producten des Orients und Nordens. Eben ſo herriſch als ehemals Tyrus und Sidon und Carthago, dictierten ſie dem griechiſchen Reiche das Geſetz, erregten Eiferſucht bey den groͤßten Monarchen, und lenkten das Schickſal Europas binnen mehr als drey Jahrhunderten. Ihre Größe und ihr Anſehen ſanken aber mit ihrem Wohl- ſtande, welchen fie auf eine hoͤchſt unkluge, unpolitiſche Weiſe, auswaͤrtigen Kriegen opferten, leidenſchaftlich und
in Verblendung ſtrebend nach Ausdehnung ihrer Herrſchaft.
Mit einem Male ſank endlich ihr Handel und hiemit ihre politiſche Bedeutung, als durch Entdeckung des neuen See— weges nach Oſtindien, und durch die Auffindung einer neue en weſtlichen Welt, der Seehandel eine gaͤnzlich veraͤnderte Richtung erhielt.
Die mancherley Factoreven, weſche jene Städte Ita⸗ liens im Norden Europas errichtet hatten, als Luͤbeck, Bre— men, Hamburg, Bruges, Antwerpen u. ſ. w., erfreueten ſich von nun an einer aufkeimenden und mit jugendlicher Kraft voranſchreitenden nationalen Macht und Wohlfahrt. Jene nordiſchen Staͤdte, vor Einführung eines auswaͤrti⸗ gen Handels kaum dem Namen nach gekannt, prangten nun bald als Hauptpuncte des europaͤlſchen Reichthums, Anſe⸗ hens und politiſchen Einflußes. Kluͤger und vorfichtiger ihr ren errungenen beneidenswerthen Zuſtand bewahrend, als die einem raſchern Leben hingegebenen Städte Italiens, mei⸗ deten ſie alles, das ſie in ſchwaͤchende Kriege verwickeln konn⸗ te, bildeten ſie eine veſtgeſchloſſene Confoͤderation zur Auf⸗ rechthaltung und Vertheidigung ihres Handels, und legten ſie auf dieſe Weiſe den Grund zu dem weltberuͤhmten Han⸗
7
ſeeatiſchen Bunde, jenem ſchoͤnen Monumente des mit Klugheit gepaarten Muthes, kuͤhn und kraͤftig entwachſen einem rohen Volke und barbariſcher Zeit.
Jene merkwuͤrdige Ligue, nach und nach zu einem Bunde von hundert und ſechzig Städten Flanderns und
der baltiſchen Kuͤſten angewachſen, und hiedurch als mächtiger Foͤderatioſtaat in der politiſchen und Hans delswelt hervortretend, gelangte bald zu dem hoͤchſten
Gipfel jenes Reichthums und Anſehens, welchen allein der Handel, u. z. der ausgebreitete Welthandel, zu gewaͤhren im Stande iſt. Die Weisheit des Betragens, ſowohl in politiſcher als commerzieller Hinſicht, allenthalben Muth, Feſtigkeit, Maͤßigung und Wuͤrde ausſprechend, gleich der Weisheit aller einzelnen Verfuͤgungen und Einrichtungen innerhalb des Bundes ſelbſt; jener ſchoͤne Geiſt, von kraͤf— tiger That jedesmal unterftügt, ſtellte ein maͤchtiges Boll— werk den Fortſchritten des ſich damals ausbreitenden Sy: ſtems von Feudalitaͤt und Anarchie entgegen; klaͤrte die Voͤl⸗ ker über ihr wahres Intereſſe auf, und veranlaßte den Geiſt des Handels, des Manufacturweſens fo wie des Ackerbaues über jenen Geiſt zu ſiegen, welcher durch Raubmordſucht und Unterdrückung genaͤhrt ward. Der Dienſt, den die Hanſa der mißhandeiten Menſchheit in jenen Zeiten der Barbarey und Finſterniß leiſtete, iſt unſchaͤtzbar. Indeß muß doch, was bie Befoͤrderung der Humanitaͤt, den Austauſch der Ideen, und die hieraus hervorgehende ſeinere Bildung der Menſchheit anbelangt, auch des Einflußes der Kreuzzuͤge erwaͤhnt werden, welche übrigens durch ihren echt ritterlichen und romantifhen Sinn die Menſchen auf eine Gefühle: ſtufe ſchwangen, von der fie ſelbſt der fpäterhin einreißende Materialismus, und die Sucht alles religiöfe Princip im Menſchen zu ertoͤdten, nicht herabzureißen vermochte, u. ſ. w.
Nach dieſer Digreſſion, worinn wir durch einige Hauptmomente aus der Geſchichte des Welthandels, deſſen unbezweifelten ſegensvollen Einfluß auf den Wohlſtans die Macht und das Anſehen der Völker darthun wollten; — kehren wir wieder auf unſern Gegenſtand zuruͤck, und wol⸗ len noch Einiges, den Handel ſelbſt betreffend, hier beyfuͤ⸗ gen, wobey der Leſer unſer mehrmals ausgeſprochenes ſtaats⸗ wirihſchaftliches Princip ja unverrückt vor Augen behalten ‚ möge. Denn auch der Handel, fo herrlich und wahrhaft herzerhebend er an ſich iſt, man mag ihn hiſtoriſch, oder, die Gegenwart uͤberſchauend, ihn hinſichtlich der durch ihn geſegneten gluͤcklichern Standpuncte der, cultivierten Welt
bekrachten, und ſo z. B. ſehnend nach Britanniens den Erd⸗
kreis beherrſchender Flagge hinblicken, zugleich gedemuͤthigt zurücktretend vor Gedanken nicht auch ein Britte zu ſeyn; — ſo iſt dennoch auch der Handel bloß eines jener Mittel; wir ſtehen zwar nicht an es das allerkraͤftigſte zu nennen, eines jener Mittel nur ſagen wir, wodurch der letzte Zweck, dem unſer aufgeſtelltes ſtaatswirthſchaftliches Princip nach— zuſtreben hat, erreicht werden kann.
Es iſt unbegreiflich, was fuͤr ſonderbare Anſichten, was für geſuchte Hypotheſen uber die Entſtehungsweiſe des Handels von den verſchiedenen ſtaatswirthſchaftiſchen Schrift⸗ ſtellern vorgebracht wurden, wornach z. B. der Handel aus dem Geize (nach den Phyſiocraten), oder aus der Eitel⸗ keit (Canard principes d’economie politique), u. ſ. w.
8
entſprungen ſeyn ſollte; — da doch bey einigem Nachden⸗ ken leicht einzuſehen iſt, wie bey einem nur etwas cultie viertern, daher nach mannichfaltigern Genüſſen verlangenden Volke, der Handel von ſelbſt entſtehen muͤſſe. Denn, wenn die Cultur einmal dem Einzelnen ein nomadiſches Umher⸗ ziehen unmoͤglich gemacht, ihm vielmehr ſeinen fixen Wohn⸗ ort angewieſen hat, Jener aber zugleich nach dem Genuße mannichfacher Gegenftände, die nur aus verſchiedenen Haͤn⸗ den als vollendet und aus verſchiedenen Climaten als gereift hervortreten koͤnnen, Verlangen hegt; ſo muß ja nothwen⸗ dig, wenn ſolch ein Zuſtand bey allen in einem Lande um⸗ her zerſtreuten Einzelnen, oder auch nur bey Vielen dieſer Einzelnen beſteht, ein wechſelſeitiges Hin» und Wiederbe⸗ wegen der mannichfachen Producte, deren wechſelſeitiges Ue⸗ bertreten aus einer Hand in die andere ftatt fin⸗ den; und was iſt dieß denn anderes dann, als Handel? anfangs Tauſchhandel, allmahlich Handel mittelſt allgemein beliebter, leicht transportabler nicht verderblicher Gegenſtaͤnde, Geld genannt, endlich Handel mittelſt Geld und Creditmaͤßig
geſtuͤtztee Anweiſungen auf Geld und werthvolle Dinge, u. f. w.; wie dieß dem hoͤher cuttivierten Zuſtande der Volker entſpricht, bey denen Alles, folglich auch der Handel nach und nach den Character des roh Mate- riellen ablegt, und einen Idealcharacter (in unſerm Falle entſprechend dem Creditweſen) annimmt? Dieſen Anſichten gemaͤß, iſt alſo das Urvehikel des Handels daſſelbe, als aller in ſtaatswirthſchaftlicher Hinſicht betrachteten nationa
len Betriebſamkeit überhaupt, nehmlich: Mit Menſchen⸗ genuß verbundene Conſumtion, und zwar verbunden mit deren Streben nach Größe, Dauer und Vertheis lung. Der Handel geht alfo von felbft, und als noth⸗ wendiges Factum, bey einem Volke hervor, dem einmal die Groͤße, Dauer und Vertheilung einer mit Menſchengenu
verbundenen Conſumtion, als allgemein gefuͤhltes, wenn auch bewußtlos gefuͤhltes Beduͤrfniß ſich aufdringt. Und ſo ſehen wir denn, wie das von uns aufgeſtellte ſtaatswirth⸗ ſchaftliche Princip, auch bey Beantwortung der über die Entſtehungsweiſe des Handels geſtellten, bisher fo mannicht fach und zum Theil ſo bizarr erwiederten Frage, eine unge⸗ zwungene Anwendung finde, und der Aufgabe ihre genuͤgen⸗ de Auflöfung geſtattt. s
Iſt nun Groͤße, Dauer, Vertheilung einer mit Men⸗ ſchengenuß verbundenen Conſumtion das Vehikel des Han⸗ dels; ſo wird, nach dem in der geſammten Natur beſtehen⸗ den Geſetze der Reaction, der bis auf eine gewiſſe Hoͤhe ges ſtiegene Handel bey einer Nation, auch wieder ſeiner Seits,
gehrs nehmlich nach augenblicklichem Genuß ſowohl, als nach Mitteln zu kuͤnftigem Genießen, als welches Letztere ſich vorzuͤglich als die Triebfeder des Kaufmannes ausſpricht. So facht denn die Genußluſt den Handel, und der Handel die Genußluſt an. Eben ſo kann man ſagen: Es belebe der Handel die induſtrielle Production, und umgekehrt bes’ lebe die induſtritlle Production ihrer Seits den Handel wie⸗
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zum Stimulus des Begehrs unter den Einzelnen; des Ber
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a a ee en en Ba MS BEA RR "bie Urſachen der regelmäßigen Barometer Schwankungen; — i von Ch. Keferfteim 28
770 ene 4 8
Wenn irgend ein Theil der Atmoſphaͤre weggeſchoben, und ihr dadurch gleichſam eine Wunde geſchlagen wird, in⸗ dem man einen luftleeren Raum bildet; ſo wohnt der At⸗
ein Beſtreben dey, dieſen wieder auszufüllen, wel; ches man ſonſt als horror vacui bezeichnete, und welches ich dadurch äußert, daß von der umgebenden Maſſe ein
Druck gegen den leeren Raum ausgeübt wird, in Gemaͤß⸗
beit deſſen irgend ein vorhandener Koͤrper, deſſen Natur
6 erlaubt, wie Waſſer, Queckſilber ꝛc., in dieſen Raum ſeſchoden oder gedrückt wird. Die Gewalt des Druckes
ann nur im Verhältniß ſtehen mit der Schwere des hin
einzudrückenden Körpers, und mit der Schwere der Luft
„ weßhalb Waſſer im luftleeren Raume in dem Ver⸗
A e hoͤher ſteigen wird, als es ſpecifiſch leichter iſt als
Auediilber; daher ſteigt es 32“ hoch, wenn das 14mal werere Queckſilber 18“ hoch ſtehet.
Der Druck der Atmoſphaͤre iſt, wie die Erfahrung et, nicht Überall in derſelden gleich ſtark, ſondern nimmt, Niveau des Meeres nach der Hoͤhe zu, progreſſiv ab, daß auf jede circ. 73 pariſer Fuß Höhe das Queckſil⸗ eine pariſer Linie fallt, oder niedriger ſtehet. Dieſe Verminderung des Luftdruckes haͤngt, wie die Pendelverſuche zeigen, unmittelbar zuſammen mit der Dich⸗ tigkeit und Schwere der Luft; denn in dem Verhaͤltniſſe als jener Luftdruck ſich vermindert, nehmen in gleichen Zeiten die Pendelſchwingungen zu, daher die Dichtigkeit und Schwere der Luft abnimmt. Es folgt hieraus unmit⸗ telbar, daß dieſelbe Urſache, welche die Atmoſphaͤre ſchwerer und dichter, oder leichter und minder dicht macht, auch den Druck auf das Quedfilder im Barometer bedingt. Da man die Vermehrung und Verminderung der Schwere und Dichtigkeit eines Koͤrpers gleich nehmen kann mit ſeiner Contraction und Expanſion, fo werden wir dieſen Ausdruck dem Drude der Luft ſubſtituieren und ſagen koͤnnen, daß das Steigen und Fallen des Queck ſilbers durch die Con⸗ traction und Expanſion der Atmoſphare bedingt wird.
rn Die Erfahrung lehrt ferner: daß die Contraction und g der Atmoſphaͤre (ihr Druck) nicht in einem tus
zenden, nur nach der Höhe verſchiedenen Zuſtande verharre; halb ſtehet das Barometer nie ſtill, ſondern zeigt durch
€ ; ieſe Schwankungen find theils regelmäßige oder ehpth⸗ miſch fortwährend wiederkehrende Oscillationen, theils un⸗ regelmäßige, die nicht dieſer unwandelbaren Periodicität un ⸗ terliegen. N g
In den Aequinoctlal⸗Gegenden erſcheinen die regel⸗ mäßigen Schwankungen am klarſten und am meiſten vor⸗ bereſchend, während die Schwankungen überhaupt hier am wenigsten intenſiv find und meiſt nur aeinien Differenz
52 N 638) ‚feinen hoͤchſten Stand um 9 oh
betragen. Das Barometer erreicht hier (nach v. Hum⸗
10
9%, Uhr Morgens, ſinkt bis Mittag langſam, ſchnell aber von Mittag bis 4½ Uhr (alſo 7 St.), ſteigt dann bis 11 Uhr Abends wieder (alſo 7 St.), wo es ein wenig niedriger ſtehet, ais um 9 Uhr Morgens; fällt dann langſam bis 4 Morgens (alfo 5 St.), von wo es dann bis 9 Uhr (alſe 5 St.) wieder bis zu ſeinem alten Stande ſteigt.
Das Barometer ſteigt und faͤllt alſo einmal in 14 St. (v. 9 Uhr Morgens dis 11 Uhr Adends) und einmal in 10 St. (von 11 Uhr Abends bis 9 Uhr Morgens); dieſe vollkommen rhythmiſchen, pulsartigen Ebben und Fluthen, oder Conttactionen und Erpanfionen der Atmofphäre, has ben hoͤchſt regelmaͤßig in allen Jahreszeiten ſtatt, und die Dauer des unbewegten Zuſtandes im maximo und mini- mo iſt nur hoͤchſt kurz; die atmoſphaͤriſchen Veränderuns gen haben auf dem veſten Lande der heißen Zone auf die⸗ fe im Allgemeinen keinen weſentlichen Einfluß, aber merk ⸗ wuͤrdiger Weiſe treffen die Horarvariationen der magneti⸗ ſchen Declination ziemlich mit den Horarvariationen des Barometers zuſammen.
In den übrigen Gegenden die Erde erſcheinen die Barometerſchwankungen viel intenfiver, oft mehr als a Zoß betragend, zugleich abet viel unregelmäßiger; gleichwohl ha⸗ ben jetzo alle genaueren Beobachtungen gelehrt, daß ohnge⸗ achtet der großen Unregelmaßigkeit in der Barometerſchwan⸗ kung dennoch die regelmaͤßigen oder Horatſchwankungen, die pulsartigen Contractionen und Expanſionen der Atmo⸗ ſphaͤre, wirklich und durchaus vorhanden find; überall hat man während 24 St. die 2 ſteigenden und 2 fallenden Bes wegungen wahrgenommen, die durch alle unregelmäßigen Schwankungen, von denen ſie getragen werden, deutlich durchblicken, wenn wohl hier dieſe atmoſphaͤriſchen Contrae⸗ tionen und Expanſionen nicht von ganz gleicher Dauer und denen der heißen Zone vollkommen gleich ſind. Nach von Humboldt (cl. Cor. p. 692) kann man für die gemäßigte Zone im Allgemeinen annehmen: Daß das Queckſilder von 8 ¼ Uhr Morgens fallt bis 3 ½ Uhr, dann ſteigt dis 9 ½ Uhr Abends, dann fallt bis 11 / Uhr, und dann ſteigt dis e N | | So manchfaltig und different auch die unregelmäͤßi⸗ gen Barometerbewegungen ſind, don ſo verſchiedenartigen Urſachen dieſe auch bedingt werden moͤgen, ſo erſcheinen doch die Horarvariationen als ein für die ganze Atmo⸗ ſphaͤre durchgreifendes Phaͤnomen, welches, wie es auch durch andere Umftände verdunkelt wird, doch ſich als vollkommen conſtant und an ſich unveraͤnderlich bekun ⸗ det. Stets und fortwährend hat daher — was gewiß von dem hoͤchſten Intereſſe iſt — in der Atmoſphaͤre eine puldar- tige, chythmiſche innere Bewegung von Contraction und Ex⸗ panſion ſtatt, die ihre Analogie vielmehr in der rhythmiſchen ununterbrochenen Bewegung des Pulſes organiſcher Körper ſinden wird, als in den, auf die Schwerkraft bafierten, pen⸗ bi und wellenattigen Bewegungen der Luft und anderer Koͤrper.. 5 ie ai vera Us
Durch - feine unregelmäßigen Bewegungen flehet aber das Barometer in innigſter Beziehung zu allen Veraͤnde· rungen der Atmoſphaͤre und zu den veränderlichen Witte⸗ tungsverhaltniſſen, beſonders abet zu den Winden, die wie ⸗ din einen Haupteinfluß e Witterung ſelbſt ausüben.
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11
3 Allgemeinen fallt das Barometer mit dem Suͤdwinde, 2 mit dem Nordwinde; e ee Sturme und ei⸗
ee gehet ein tiefes Fallen voraus; langſam und
u.
jmanfend fällt es gewohnlich vor anhaltenden Regen, ſchnell vor Erddeben. Dagegen ſteigt das Barometer gewöhnlich während und nach Stuͤrmen, beym Aufhören von Gewit⸗ tern und Erdbeben, des heiterer Luft ꝛc.
Aue dieſe atmoſphäriſchen Veranderungen zeigen ſich im Allgemeinen eher am Barometer, als ſie in der Natur ſtatt haben, weßhalb man eben das Barometer als Wetter⸗ glas benutzt; an der Oſtkuͤſte von Mexico werden nach d. Humboldt (cl. Ch. p. 681) bey eintretendem Nordwin⸗ de oft die Horarvariationen durch bedeutende unregelmaͤßi⸗
Schwankungen des Barometers unterbrochen, und die Anſicht deſſelben laͤßt den Seefahrer mit vieler Wahrſchein⸗ lia keit die Nähe des Sturmes, ſeine Stärke und Dauer vorherſagen.
Es folgt hieraus von ſelbſt, daß nicht dieſe atmofphä- tiſchen Veränderungen den unregelmäßigen Gang des Ba⸗ zometerd hervorbringen koͤnnen, ſondern umgekehrt wird diejenige Urſache, welche den Druck der Atmoſphaͤre ändert, und in dieſer eine größere Contraction oder Erpanjion her⸗ votbringt, auch die Winde, Stürme, Ungewitter ꝛc. bedin⸗ gen, wird auch bereits vorhanden und merkbar ſeyn, devor ſelbſt ihre Wirkungen ſichtbar werden. So kann die Ur⸗ ſache, welche die Atmoſphaͤre expandiert, z. B. die Wirkung daben, daß die Atmofphäre ſolch eine Bewegung erhält, die wir Suͤdwind ꝛc. nennen.
Ehe aber Stürme, Ungewitter ꝛc. entſtehen, zeigen ſich die Vorboten davon nicht am Barometer allein, ſon⸗ dern auch im Meere und in andern Gewaͤſſern. Das Meer geräth bey ſtiller Luft in ungeheure Bewegung, ehe der Sturm ſelbſt losbricht; und ſchon hieraus wird man ſchlie⸗
en muͤſſen, daß die Urfache dieſer Weränderungen in der
tmoſphäre und im Barometer mehr in der Tiefe als in der Höhe zu ſuchen ſey. Nicht allein das Meer, fondern auch die Quellen und Grundwaͤſſer in den Tiefen der Erde ſtehen — wie ich in meiner Quellentheorie p. 82 seg. ge⸗ zeigt hade — in innigem ähnlichen Connex mit den atmoſphaͤ⸗ tiſchen Veranderungen und dadurch mit den Barometer⸗ Schwankungen; wie das Barometer zeigen auch die Grund⸗ väſſer eher die atmoſphätiſchen Veränderungen, als fie ſelbſt ſtatt haben.
Daß daher, wenn gewiß nicht alle, doch eine Reihe wichti⸗ ger Veranderungen der Atmoſphaͤre und unregelmaͤßigen Bas rometer⸗Schwankungen, durch urſachen, die nicht von außen und oben wirken, ſondern durch Verhaͤltniſſe im Innern der Erde bedingt werden, möchte wohl kaum gelaͤugnet werden 4 wenn gleich zur Zeit noch faſt gar nicht verſucht iſt, in dieſen Regionen den Urſachen nachzuſpuͤten, wo doch am erſten Aufſchluß zu erhalten ſeyn moͤchte. ;
Wenn man auf die herkoͤmmliche Weiſe die Baro⸗ meterſchwankungen bloß durch den Druck der Atmoſphaͤre erklärt, ſo wird dadurch naturgeſchichtlich nichts gewonnen, da dieſer nur das Reſultat iſt von deten Schwere und Dich⸗ tigkeit, daher wir immer wieder fragen, was denn eden die⸗ fe fo verändert. Dir atmoſphaͤtiſchen Veranderungen ſelbſt
Er
konnen hierzu nicht benutzt werden, denn biefe will man je am Ende erflären, und gehen den Barometerſchwankungen nicht vor, ſondern folgen ihnen nag.
f ; 4 5
Häufig hat man geglaubt, daß durch den Einfluß des Mondes die regelmäßigen Barometeroscillationen bedingt wür⸗ den; allein la Place u. v. Humboldt (cl. Cl. p. 690) fühe ren aus, daß aus den bisber ‚gefammelten Beobachtungen kein ſpuͤrbarer Einfluß des Mondes auf die Schwankungen der Atmoſphaͤre ſich nachweiſen ließe. r.
v. Humboldt meynt: daß die regelmäßigen Barometer bewegungen von der Sonne als ermärmendes Geſtirn 5
4
dingt werden mochten, bemerkt aber ſeldſt (p. 700), d bierbey noch zu erklaren übrig bleibe, warum die zwey da⸗ rometriſchen minima beynahe mit dem waͤrmſten und kal teſten Zeitpuncte des Tages und der Nacht zuſammentteffer | und geſtehet (p. 617), daß die Urſache diefes Phaͤnomenes noch nicht hinlaͤnglich bekannt wäre. Manche andere Mey⸗ nungen, über die Barometerbewegungen überhaupt, hat Meinecke in der gleich zu erwähnenden Abhandlung angte fuͤhrt und widerlegt. N
Da das Barometer ſich nicht nach der Sonne richtet, indem es dey Tag und Nacht und in allen Breiten gleich⸗ mäßig oscilliert; da ferner die Barometerſchwankungen nach der Hoͤhe zu abnehmen und auf ſehr hohen Bergen, oder in hohen, durch die Luftballons erreichten Luftſchichten, viele weniger intenſiv und viel unbedeutender find, als am tiefern Puncten, dagegen die unregelmäßigen Schwankungen wirk⸗ lich mit Prozeſſen in der Erde ſelbſt zuſammenhangen, auf welche der Einfluß der Sonne nicht von unmittelbarem Ein⸗ fluß ſeyn kann: ſo dürfte man uͤberhaupt wohl der Sonne keinen unmittelbaren Einfluß auf die regelmäßigen Barome⸗ terſchwankungen wenigſtens zuſchreiben koͤnnen. N
Prof. Meinecke, in ſeiner bekannten Abhandlung über den Antheil, welchen der Erdboden an den meteotiſchen Progeſ⸗ fen nimmt (Schweiggers Journal VIII. v. J. 1823), war wohl der erſte, welcher die Urſachen der unregelmaͤßigen Baro⸗ meterſchwankungen auf wiſſenſchaftliche Weiſe, innerhalb der feſten Erdrinde, und nicht außerhalb derſelben, aufzuſu⸗ chen und nachzuweiſen unternahm. Aus der Eigenſchaft, welche ſehr viele Foſſilien te den Sauerſtoff der atmo⸗ ſphaͤeiſchen Luft, zum Theil in ſehr großen Quantitäten zu abſorbieren, zeigte er: daß viel, deſonders comprimierte Luft ſich im Innern der Erde befinde, ja, daß die Atmoſphäre innerhalb der Erdrinde viel größer als die außerhalb der⸗ ſelben ſeyn würde. „Dieſes große Reſervoir abſorbierter und tomprimierter Luft — heißt es p. 217 — kann nicht une verändert bleiben; der geringfte Wechſel der Compreſſion und Wärme ändert das Reſorbtionsvermoͤgen, und ſchon die Magnetnadel zeigt auf eine innere Thaͤtigkeit hin, von det die Maſſe nicht unberuͤhrt bleiben kann.“ e
| Dieſe Abſorbtion der Luft nannte Meinecke den Ath⸗ | mungsproceß der Erde, und leitete von dieſem bie unregelmäs ßigen Barometerſchwankungen ab, annehmend: daß dieſe beſtimmt würden von der Große det Luftabſorbtion, welche den Gebirgsarten in 0 e Intenſitaͤt zukommt.
Die ſchwachen Barometerſchwankungen in der heim
13 12 7
de beziehet Meynecke auf die ſchwach abſorbierenden Ur⸗ die dort vorwalten ſollen; wie er meynt, kann man
zus dem Umfange der Barometerſchwanzungen auf die
Tiefe des lockeren Bodens ſchließen, der Eräftiger als das
Uigebiege adſordiert.
— So ſchoͤne Bemerkungen und Combinationen Meinecke in feiner Arbeit darlegt, fo verfolgt er doch nicht den ungsproceß der Erde in feinem ganzen innern Weſen,
det allein von der ibforbtior, nicht von der Erhalation, bes
t nur febr im Allgemeinen die Barometerveränderungen
den A ſordtionsprozeß und übergehet die regelmäßigen
illationen ganzlich. Zu der nämlichen Zeit, als Meine:
e, kam ich bey der Unterſuchung uber die Entſtehung der
Qu (Theil V meiner Zeitſchrift v. J. 1827) zu einer
ähnlichen Anſicht üder den Athmungsprozeß der Erde,
ch als endliche und einzig wahre Urſache aller wirkli⸗ cher ellen erkannte, und zeigte wie ganz unhaltbar und uf den luftigſten Hppotbefen gebauet die herrſchende Ans
ſachen deygebracht wurden, die unmittelbar dahin führten, man der Erde die Function des Athmens zuſchreiben „ deſſen Wirkung nicht allein die Bildung der Grund» ſey, mit all den veſten Beſtandtheilen, die fie ent n, ſondern auch die Bildung der Gasförmigen Flüßig⸗ ten, welche theils für ſich der Erde entſteigen, theils in Verbindung mit allen Quellen zu Tage kommen und eben e Urſache ihres Emporſteigens ſeyn würden.
Das eigentliche Fundament dieſer Lehre wurde her⸗ genommen aus den Beobachtungen über die Abſorbtion und jalation der Erdrinde. Ich wieß nach:
. Daß nach den vielfachen Verſuchen der Phyſiker die Foſſilien mehr oder minder die atmoſphaͤriſche Luft, beſonders den Sauerſtoff, abſorbieren; deßhalb nur muß auch die ganze Erdrinde, die eben aus dieſen Fofs ſilien beſtehet, dieſelbe Eigenſchaft haben; und
2. daß bie Erde fortwährend irreſpirable Gasarten, vote 2 züglich kohlenſaures Gas, Waſſerſtoffgas und Stick⸗ > gas, meift in Verbindung mit Waſſer und Waſſer⸗
dampf ausſtoͤßt.
Da dieſe Prozeſſe continuierlich ſind, ſo wird man ſie nur einer Function zuſchreiben koͤnnen; wie aber dieſe zꝛuſammenhaͤngt und in innigem Connex ſtehet mit der Bildung der Waſſerquellen und der fixen und flüchtis gen Theile, welche dieſe enthalten; — dieſe Gegenftäns de wurden in jener Abhandlung weiter ausgeführt und L̃ͤnnen hier nicht wieder zur Sprache gebracht werden.
AITIndem ich hier den Athmungsproceß der Erde nur aus dem Geſichtspunct der Quellenbildung unterſuchte, ließ ich deſſen Beziehung zur Atmoſphaͤre ganz unbe⸗
+ ehdfichtiget; wenn ich aber dieſe nun gegenwärtig ver⸗
folgen will, fo wird dadurch zugleich ein größeres Licht geworfen werden auf den Fundamentalprozeß felbft und zugleich auf Veränderungen der Atmoſphaͤre, die ſtets wieder auf die Barometerſchwankungen von Einfluß
ſeyn muͤſſen.
——
14
In der Phyſik iſt es allgemein uͤblich, für Wirkun⸗ gen von noch nicht gehoͤrig erkannten Urſachen, Hypo⸗ tbefen auffuſtellen, d. h. irgend eine Annahme hervor zuheden, ſich irgend eine Vorſtellung zu machen, und nun zu verſuchen, wie weit ſich aus derſelben jene Wir kungen herleiten laſſen; findet man nun, daß durch die angenommene Urſache eine vollſtändige Erklaͤrung wirklich möglich iſt, ſo erkennt man in der Annahme ein Naturgeſetz Indem alle bisher aufgeſtellten Urſa⸗ chen über ‚die. regelmäßigen Barometerſchwankungen ſich als unvollkommne Hypotheſen gezeigt haben, fo wird es gewiß erlaubt und ſelbſt verdienſtlich ſeyn, eins neue Hypotheſe zu verſuchen, und als ſolche mag man die hier aufgeſtellte Anſicht vorläufig betrachten.
Wenn wir hier von dem Gtundſatze oder — wenn man will von der Hypotheſe — ausgehen: daß der Erde die Function des Athmungsprozeſſes inne wohnt, ſo haben dieſe Worte nun eine Realitaͤt, wenn wir nach⸗ weiſen koͤnnen, daß die Erde in dieſer Hinſicht ſich analog dem organiſchen Koͤrper verhaͤlt, daher:
x Sauerſtoff der atmofohärifhen Luft abforbiert,
2. irreſpirable Gasarten, beſonders kohlenfaures Gas und Waſſerdampf erbaliert, und f
3. dieſes zwar continuierlich, jedoch rhythmiſch, pulsartig oscillierend thut. N
Was die erſten beyden Puncte betrifft, fo find biefe hier ganz zu übergehen, da fie einestheils klar am Ta⸗ ge liegen und allgemein anerkannt werden muͤſſen, theils auch in meiner fruͤhern Abhandlung hinlaͤnglich eroͤr⸗ tert wurden. Daß die Exhalation (und daher auch wohl die Abforbtion) eine continuietliche ſey, liegt eben⸗ fals am Tage; denn wir beobachten die Gaserhalatior nen fortwährend, ja, wir wiſſen mit Gewißheit, daß gasteiche Waſſerquellen und Gasquellen an ein und derſelben Stelle ſeit taͤnger als 2000 Jahren, und ſtets mit im Allgemeinen gleicher Intenſitaͤt zu Tage gekom⸗ men ſind; ich brauche deßhalb nur zu erinnern an eis ne Reihe jetzo berühmter gasreichen Mineralquellen, die ſchon von den Roͤmern benutzt wurden, an die Quellen von Waſſerſtoffgas bey Baku, welche ſeit den älteften Zeiten die heiligen Feuer der Parſen un terhalten, an die aͤhnlichen Gasquellen in Lycien und Apollonien, an die Feuer der pietra mala in Italien und an die Vulcane, deren Hauptcharacter in Ema⸗ nationen von brennbaren Gasarten beſtehet.
Dieſe continuierlichen Gasemanationen geſchel n aber nicht ſtets mit gleicher Intenſität, ſondern ogeile lierend, und zwar unterſcheidet man: 3 en
a. ganz unregelmäßige Oscilkationen, indem zu Zeiten
die Exhalationen ungeheuer intenſiv werden.
b. Oscillationen, die nach den Jahreszeiten und den großen atmoſphaͤriſchen Veraͤnderungen oscillieren.
c. Horaroscillationen, die im Laufe des Tages vollkom⸗ men ehythmiſche Veraͤnderungen zeigen
Daß die Gas und mit ihnen die Waſſeremanatio⸗
nen zuweilen mit außerordentlichen Intenſität erſchrinen,
15
barüber liegen viele Beobachtungen vor, aber es wird hin länglich ſeyn, in dieſer Beziehung an die thätigen Vulcane zu erinnern, an die Gas⸗ oder Schlamm⸗Vulcane und ähn⸗ liche Erſcheinungen, deren nähere Aufzählung wir hier übers gehen wollen.
Ueber die jahrlichen, und deßhalb mit den allgemeinen Witterungs⸗Verhältniſſen in dem innigſten Connex ſtehenden Döcillationen der Gas- und Waſſerquellen habe ich in mei⸗ ner Quellentheorie eine Reihe von Thatſachen deygebracht, die, wenn es nöthig ſeyn ſollte, noch leicht vermehrt werden koͤnnten. In den Wendepuncten der Jahreszeiten, wo die atmoſphaͤriſche Waſſerproduction am intenſivſten wird, vers mehren ſich auch die Grundwaͤſſer in quantitativer und qua⸗ litativer Hinſicht, und damit auch die Gas⸗Emanationen, ohne aber daß dieſe abhängig wären von den atmoſphaͤri⸗ ſchen Waſſern.
Von größerem Intereſſe für uns find die Sorar⸗ Variationen der Gas- Emanationen, die bisher noch die aus einem allgemeineren Geſichtspuncte betrachtet wur⸗ den, und deren Exiſtenz durch, teiche, aber vollkommen mit einander uͤbereinſtimmende Be⸗ obachtungen conſtatiert iſt; und zwar an Emanationen von kohlenſaurem Gaſe. Die Beobachtung an dem viel leichtern Waſſerſtoff⸗ und Stickgaſe wird auch mit beſondern Schwie⸗ eigkeiten verbunden fepn.
Die Gegend um Marienbad exhaliert bekanntlich un⸗ sählige Ströme von kohlenſaurem Gaſe, welches theils mit Waſſer, theils fuͤr ſich zu Tage kommt, wo es dann ſo⸗ gleich in der Atmoſphaͤre ſich aufloͤſt, oder von ihr aſſimiliert wird. Durch die Faſſung der Ferdinandsquelle werden die Gasſtröͤme, die mit ihr erfcheinen, in ein oben offenes Ges kaͤß abgeſperrt, wodurch man ihr Verhalten, beſonders die Inutenſitaͤt an Oscillation der Zuſtroͤmung zu beobachten im Stande iſt. Von dieſem erzaͤhlt nun Heidler (in ſeiner Beſchreibung des Marienbades. Wien 1822), daß während der Nacht die Gasſchicht am hoͤchſten ſtehen wird (am in⸗ tenſipſten ſtroͤmt), dann aber abfaͤllt (ſchwächer ſtroͤmt), fo daß zwiſchen 8—g Uhr Morgens die Arbeiter ohne Gefahr des Erſtickens in die Einfaſſung hineinſteigen koͤnnen, und faͤllt fie noch weiter herab, bis fie etwa beym hoͤchſten Stan⸗ de der Sonne am niedrigſten ſtehet, dann ſteigt ſie wieder
- _ (die Emanation wird intenfiver), fo daß zwiſchen 8—6 Uhr
Abends die Arbeiter wieder die Einfaſſung verlaſſen muͤſſen. Uebeigens zeigt dieſe Gasſchicht auch dadurch ihre unregel⸗ mäßigen Bewegungen, daß ſie bey nebligem, kuͤhlem, feuchtem Wetter früher und ſtaͤrker ſteigt als ſonſt, daß ſie vor ſchwuͤ⸗ lem Wetter und einem Gewitter außerordentlich ſteigt, bey deſſen Ausbruche und einfallendem Regen ſogleich fällt oder gänzlich verſchwindet.
Gewiß hoͤchſt merkwürdig iſt es, daß der hier beobachte: te Gasſtrom, wie das Barometer im Verlauf des Tages, duech Vermehrung und Verminderung regelmaͤßig pulsartig ſteigt und fallt, und die geringſte Entwickelung ſich beym boͤchſten Stande der Sonne zeigt. Zu bedauern iſt es, daß über das ſpecielle Verhalten wahrend der Nacht keint naheren Btobachtungen find angeſtellt worden.
r —— —
zwar noch nicht ſehr zahl⸗
lation haben,
15
Aber gewiß leidet es keinen "Zweifel, daß dieſenigen rhythmiſchen Oscillationen, welche die beobachteten Sasfizöme
zeigten, ſich auch bey allen Gas⸗Exhalationen der ganzen Umgegend gleihmäßig wiederholen werden, die hier von wirk⸗ lich außerordentlicher Quantitat find; dieß ergibt ſich dar⸗ aus, daß in 100 Cubikzoll Waſſer enthalten find: 118 Cu- bikzoll kohlenſaures Gas im Kreuzbrunnen, 145 im Ferdi⸗ nandebrunnen, 103 im Garolinenbrunnen it., daß alle uͤbri⸗ gen Quellen der Gegend viele Kohlenfäure bey ſich führen, und daß außerdem noch eine ganz unendliche Menge von Gasquellen, aus dem Granite entſpringend, durch die ganze Gegend umher verbreitet find, die ſich beſonders in den gras | ßen Moorlagern zeigen. 20
Von ganz befonderem Intereſſe find die Beobachtungen, welche Brandes und Krüger (in ihrem muſterhaften Werke; Pytmonts Mineralquellen v. J. 1826) an der Gasſchiche in der Dunſthöhle bey Pyrmont angeſtellt haben, deren Hö be von 2— 8“ variiert. Sie erreicht im Winter nie die Höhe als in den übrigen Jahreszeiten, und zeigt regelmäßi⸗ ge tagliche Oſcillationen. Morgens, einige Stunden nach Sonnen Aufgang, ſteht fie am hoͤchſten (es hat die inten⸗ ſivſte Exhalation ſtatt), fälle dann allmählich (durch vere minderte Exhalation) und ſtehet bey dem höchſten Stands der Sonne am niedrigſten; ſteigt dann (vermehrt ſich) bis Abends, wo fie wieder fo hoch als des Morgens ſtehet. Ob während der Nacht wieder eine Oscillation ſtatt hat, dar⸗ uͤber wurden keine Beobachtungen angeſtellt. Uebrigens zeigte ſich dieſe Emanation von kohlenſaurem Gaſe ſtets am hoͤchſten vor einem Gewitter, und ſinkt, wenn dieſes losge⸗ drochen iſt. Wie dieſe Gasſchicht verhalten ſich auch die dortigen Waſſerquellen, die einen hoͤheren oder minderen Reichthum an Kohlenfäure führen, je nachdem die Gas⸗ ſchicht der Dunſthoͤhle ſteigt oder fällt; zugleich wiederholen ſich auch alle Verhaͤltniſſe derſelden bey den Gasſchichten, die auf allen Mineralquellen bey Pyrmont und der Umge⸗ gend liegen.
Prof. Kaſtner (ſ. deſſen Archiv I. S. 379, Reperto⸗ tium für die Pharmacie und Experimental⸗Phyſik II. 678) hat über die Gas⸗Erhalationen bey Ems und den benach⸗ barten Gegenden Beobachtungen angeſtellt, und ſowohl jährs liche als regelmäßig taͤgliche Oscillationen nachgewieſen und ermittelt: daß der hoͤchſte Stand der Dunſtſchicht Morgens um Sonnen⸗Aufgang Statt habe, die ſich dann allmahlich vermindert bis Nachmittags 2 oder 3 Uhr, dann aber ſich wieder eben fo progreſſiv vermehrt bis Abends. Ueber das Verhalten während der Nacht find auch hier keine Beob⸗ achtungen angeſtellt, aber der Connex mit Gewittern und andern atmoſphaͤriſchen Veraͤnderungen ebenfalls conſtatiert.
Alle dieſe, an weit auseinander gelegenen Orten ge⸗ machten Beobachtungen ſtimmen darinn mit einander übers ein: daß dieſe Exhalationen, außer den unregelmaͤßigen und jahrlichen Oscillationen, auch eine tägliche, rhythmiſche Oscil⸗ und zwar in der Art, daß die Emanation von Morgens, nach Sonnen Aufgang (wo fie am intenſiv⸗ ſten iſt), ſich regelmäßig bis 2—3 Uhr Nachmittags ver. mindert, und ſich von da bis zur Nacht wieder eben fo vermehtt, 1
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. man nicht auf die Horar⸗Varlationen Acht gab, we⸗ nigſtens der Connex zwiſchen den unregelmaͤßigen Emana— tions» und Barometer-Variationen nachgewieſen wurde, fo wird man wohl berechtiget ſeyn anzunehmen:
Daß alle Quellen von kohlenſaurem Gaſe, alle Emanationen deſſelben ahnlichen, rhyth—⸗ miſchen OGſcillationen oder Sorar-Schwan⸗ tungen unterliegen werden,
am en 0 0 4 Es fragt ſich aber nun: wie ſich in dieſer Hinſicht die übrigen Gas⸗Emanationen verhalten mögen? Da uns hier directe Beobachtungen nicht leiten konnen, fo muͤſſen wir die Analogieen in das Auge faſſen, die zwiſchen dieſen nd den Quellen von kohlenſaurem Gaſe vorhanden, ſeyn achten. Nun finden wir, daß Quellen von irgend einem teinen Gaſe ſehr ſelten vorhanden ſind; das emanierte koh⸗ lenſaure Gas iſt häufig mit Schwefelwaſſerſtoff oder Stick⸗ gas derbunden, noch haͤufiger aber führen die Quellen, die vorwaltend aus Waſſerſtoffgas beſtehen, auch kohlenſaures Gas; ja, dieſe Verbindungen ſind ſo häufig, daß man oft eine Graͤnzlinie zu ziehen weiß zwiſchen den Quellen von Waſſer⸗ und Eohlenftofffaurem Gaſe, und wieder führen faſt lle Schwefelwaſſerſtoffgas⸗Quellen auch Stickgas. Ueber⸗ dem zeigen auch die Emanationen, die nicht aus kohlenſau⸗ tem Gaſe beſtehen, dieſelben unregelmaͤßigen, ſelbſt mit at⸗ mofphärifchen Veränderungen in Bezug ſtehenden Oſcillatio⸗ nen, als die von kohlenſaurem Gaſe; die ſogenannten ewi⸗ gen Feuer von Pietra mala, die Schlamm »Bulcane ꝛc. vermehren und vermindern ſich mit der Witterung; die Gase ſaͤule des Vulcanes auf Strombolit dient (nach Scrope's Considerations of Vulcanos) den Einwohnern vollkommen als Barometer, indem ſie aus deren Stande die Witterung meiſt ſehr richtig vorher wiſſen. a
Uueberhaupt ſtehet nichts im Wege anzunehmen, daß ale Gas⸗Emanationen die Reſultate einer allgemeinen Function ſind und ſich ganz gleich und analog verhalten werden; daher werden wir auch wohl ſo lange, bis directe Beobachtungen das Gegentheil nachweiſen, anzunehmen haben - N A
Daß alle Gas: Emanationen, außer den un⸗
regelmäßigen Schwankungen, auch eine res gelmaͤßige, tagliche Sorar-Oſcillation Ha⸗ ben werden. :
Ueber die Dfeillationen bey der Abſorbtion der Erb» maſſe, ſind zur Zeit keine Beobachtungen angeſtellt; da aber die Exhalationen ofeillieren und rhythmiſch geſchehen, fo moch, te man wohl Grund zu glauben haben, daß die mit dieſen doch gewiß in unmittelbarem Connex ſtehende Abſorbtion der atmofphärifchen Luft auf analoge Art rhythmiſch oſeillierend vor ſich gehen mag. Das in rhothmiſchen pulsartigen Oſcil⸗ lationen aus der Erde ſteigende Gas hat ohne Zweifel eine Dewegung, die ſchon deßhalb von einem ganz beſondern Ins tereſſe ſeyn wird, weil man ſie wohl unmoͤglich auf die Schwere beziehen kann, und daher verſchieden ſeyn wird
von den am meiſten in der Natur verbreiteten pendel und wellenartigen Bewegungen, die alle von der Schwere bedingt Cydels 1831. Heft nn 8
Wenn man nun erwägt, daß an vielen anderen Gas quellen,
A
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werden. Pulsartig werden hier fortwaͤhrend, ganz den Ge: ſetzen der Schwete entgegen, Gasarten aus der Erde ema— niert, die zum Theil viel ſchwerer als die atmofphärifche Luft find. Nur in dem organiſchen Reiche treffen wir hie: zu Analogieen, nur hier verlaffen uns die Geſetze der Schwer- kraft gänzlich, "und ſchon dieſes Verhaͤltniß wird uns zwin— gen anzunehmen: daß die wirkende Urſache von dieſen puls⸗ artigen Oſcillationen eine organiſche iſt.
Niemand wohl wird und kann dieſe Gas, Erhalatios nen aus mechaniſchen, heberartigen Vorrichtungen herleiten, die in der Erdrinde etwa vorhanden ſeyn konnten. Da nun mit dieſen Gas⸗Emanationen die Waſſerquellen in dem unmittelbarſten Connex ſtehen, faſt jede Waſſerquelle auch zugleich eine Gasquelle iſt, und die Gas⸗Emanationen auch gewohnlich mit Waſſerquellen zu Tage kommen, fe wird man doch nun endlich aufhoͤren muͤſſen, die Waſſerquellen von heberartigen Vorrichtungen, von unterirdiſchen Canälen und Seen herzuleiten, von denen noch nie eine Spur in der Natur gefunden wurde. Mag man die Kraft, welche das Gas aus der Erde ſtoͤßt, nennen wie man will, ſo wird man nur aus dieſer, oder einer ganz analogen, das Emporſteigen der Quellen herleiten koͤnnen. 5
f In der mehr erwaͤhnten Quellentheorie habe ich die Abſorbtious-Function innerhalb der feſten Erdrin—⸗ de unterſucht, und es ergab ſich als Reſultat: daß die aus der Atmoſphaͤre inhalierten Theile das continuierlich zu⸗ fließende Material waͤren, aus denen (wie im organiſchen Koͤrper) die Fluͤſſigkeiten im Innern der Erde — die Grund⸗ waͤſſer und Quellen — gebildet würden, ſowohl deren Waſ— ſer, als zugleich auch die ſalzigen und anderen Stoffe, wel⸗ che die Quellen enthalten, und daß der nicht weiter ge- brauchte, ſehr modificierte Theil der inhalierten Maſſe eben durch die Gas⸗Exhalation wieder emaniert wurde.
Allgemein wohl iſt es jetzo anerkannt, und wenigſtens durch ſehr leichte Verſuche zu zeigen (wie ich auch p. 68 in meiner Quellen⸗Theorie näher angab), daß die inneren Thaͤ⸗ tigkeiten, oder die Functionen der Organismen, das durch den Athmungsprozeß aus der Atmoſphaͤre abſorbierte Gas fo zu modificieren vermögen, daß dieſes nun in ganz andeter Geſtalt und Form erſcheint und mit ſolchen Eigenſchaften, daß wir dieſe Modificationen chemiſche Elemente nennen. Daß es aber wirklich und allein atmoſphaͤriſche Luft ſeyn kann (ohne Zutritt von Waſſer oder andern Stoffen), aus der die organiſche Function eine Reihe chemiſcher Elemente darſtellt, das lehrt beſonders jene chineſiſche Luftpflanze, die (nach der Voßiſchen Berliner Zeitung v. 6. Maͤrz 1828), nun auch in unfern Gegenden zur Bluͤthe gebracht iſt; frey ausgehaͤngt nimmt ſie ihre Nahrung allein aus der Luft, waͤchſt, blühet und erzeugt durch ihre Lebensthaͤtigkeit eine Menge chemiſcher Elemente.
Wenn nun wirklich in der Erdrinde ein ſolcher Aſſi. milationd = Prozeß ſtatt hat, durch welchen der abſorbierte Theil der atmoſphaͤriſchen Luft in eine Reihe von Körpern modificiert wird, unter denen Kohle und Schwefel eine Haupt, rolle fpielen, da fie. zu den häufigften Beſtandtheilen der Quellen gehoͤren, ſo muß nothwendigerweiſe ein analoger entgegengefegter Prozeß in der Atmofphäre ſtatt haben,
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durch den fortwährend jener Verluſt erſetzt und das ur⸗ ſpruͤngliche Verhaͤltniß der atmoſphaͤriſchen Luft wieder her⸗ geſtellt wird. Dieſer atmoſphaͤriſche Aſſimilations-Pro⸗ zeß hat aber nicht nur wirklich ſtatt, ſondern er erſcheint deßhalb bey weitem am wichtigſten und intereſſanteſten, weil jedweder ihn ſehen und beobachten kann, ohne beſondere phyſikaliſche Kenntniſſe, Apparate und Experimente, in ſo fern er nur in gewiſſe Vorurtheile nicht dermaßen befangen iſt, daß er ganz einfache Thatſachen nicht ſehen will.
Eine ſehr leichte Unterſuchung fuͤhrt zu ber Ueberzeu⸗ gung, daß durch die Exhalationen der Erde fortwährend oh: lenſaures Gas und Schwefelwaſſerſtoffgas (die ſehr viel Koh⸗ le und Schwefel mit ſich fuͤhren), ferner Waſſerſtoffgas, Stickgas ꝛc., alles irreſpirable Gasarten, meiſt in Verbin⸗ dung mit Waſſerdampf emaniert werden. Dieſes ſehr all⸗ gemeine Phaͤnomen geſchieht zum Theil mit ſolcher Inten⸗ ſitaͤt, daß nach neuerlich (in Schweiggers Journal 1829, Heft 6.) vom Prof. Biſchoff angeſtellten Beobachtungen und Berechnungen ein ſehr kleiner Raum am Laacher See taͤg⸗ lich 600,000 Pfund Kohlenſaͤure erhaliert; ganze Züge fols cher Emanationen verbreiten ſich durch alle Erdtheile. Den chemiſchen Geſetzen nach ſollte das kohlenſaure Gas, mel: ches ſchwerer iſt als die atmoſphaͤtiſche Luft und in derſel⸗ den nicht aufſteigt, ſich daher nach unten anſammeln, und wo es in ſolchen erwaͤhnten Maſſen ausfließt, ein ganzes Meer von Gas in der unteren Luftſchicht bilden; das leich⸗ te Waſſerſtoffgas ſollte obere Luftſchichten bilden, der Waf- ſerdampf ſollte die Atmoſphaͤre mit Feuchtigkeit uͤbetfuͤllen, eine weite Gegend um die Gas⸗Emanationen ſollte durch die irreſpirablen Gasgrten verpeſtet und dem Menſchen unzu⸗ gänglich werden.
Von alle dieſen nach den chemiſchen Geſetzen ſo noth⸗ wendigen Folgen finden wir aber in der Natur ſelbſt gar keine Spur; denn in dem Momente, wo dieſe irreſpirablen Gasarten und Waſſerdunſt in die freye Atmoſphaͤre einſtroͤ⸗ men, hoͤchſtens wenige Fuß über dem Boden, verlieren ſie durch einen Zauberſchlag ihre Natur; die atmoſphaͤriſche Luft erſcheint in ihrem einfachen Zuſtande, die Kohle, der Schwe⸗ fel, der Waſſerdampf ſind verſchwunden und die Luft iſt dieſelbe, ob man ſie wenige Fuß uͤber den ſtaͤrkſten Gas⸗Ex⸗ halationen oder in einer Höhe von 20,000 Fuß unterſucht. Dieß iſt eine unbeſtreitbare, durch vielfache Beobachtungen beftätigte Thatſache, von der ſich jeder Überzeugen kann, der ſich in die Nähe einer Sauerquelle begibt, und die dadurch am beſten nachgewieſen wird, daß die Gegenden, wo ſtarke Gas⸗Exhalationen ſtatt haben, ſtatt vermieden, als heil⸗ bringend geſucht werden, wie die alten berühmten Badeorte lehren, die reich an Waſſer- und Gasquellen find. — Gibt man aber dieſe nicht abzulaugnende Thatſache zu, for folgt ganz von ſelbſt, daß man ber Atmoſphaͤre die Kraft — oder eigentlich die Function — einräumt, dieſe ihr zugefloſſenen Körper gleich in ihre eigenthuͤmliche Subſtanz umzuwandeln
und die beſtehenden Modificationen aufzuheben, d. h. fie zu
aſſimilieren. ;
Dieſe Aſſimilation wird da am thätigften und Eräftige ſten hervortreten, ws am meiſten zu aſſimilieren iſt, und auf dieſem Verhaͤltniß moͤchte vielleicht die bis jetzo noch ganz in Dunkel gehüllte Heilkraft vieler Thermal: und Dis
neralquellen zum Theil wenigſtens beruhen, unter denen die heilbringendſten oft diejenigen ſind, welche als faſt reines Waſſer erſcheinen. Waͤren es bloß die ſalzigen oder erdigen Stoffe, die Wärme, die Kohlen- oder Schwefelſaͤure, welche auf den menſchlichen Organismus wirkten, ſo würden wie durch kuͤnſtliche Mittel wohl flärkere Wirkungen hervorbrin⸗ gen koͤnnen. Aber man iſt ziemlich daruͤber einig, daß nicht dieſe Stoffe es allein ſind, welche wirkſam erſcheinen ſoen⸗ dern daß meiſt noch ein gewiſſes, uns noch ganz unbekann⸗ tes Agens — das man wohl als Brunnen- oder Erdgeiſt bezeichnet hat — vorhanden ſey, das vorzüglich mit viel Wirkſamkeit erſcheint. Da die kraͤftigen Thermal: und Mineralquellen, ſolche, deren Ruf unerſchuͤtterlich iſt, die zum Theil ſeit Jahrhunderten ſich erprobt haben, gewoͤhn⸗
lich mit kraͤftigen Gas-Emanationen verbunden ſind, hier da⸗
her auch die Function der Aſſimilation in der Atmoſphäte beſonders intenſiv ſeyn wird; fo Eönnte es wohl fepn, daß dieſe intenſivere Thätigkeit der Atmoſphaͤre auch eine intenn ſivere Thaͤtigkeit im menſchlichen Körper hervorrufen koͤnn⸗ te. Wie gewiſſe Arten von Luftwellen die Nerven des Ohres in Bewegung ſetzen, wodurch wir zu hoe ren vermögen, fo koͤnnte wohl auch eine andere Thaͤtigkeit der Atmoſphaͤre, eine verſtaͤrkte Aſſimilation derfelben, auch andere Thätigkeiten, z. B. die menſchliche Aſſimilation mehr anteitzen und thätiger wirken laſſen. Die ſtarke Aſſimila⸗ tion des Waſſerdampfes in der Atmoſphaͤte über dem Mee⸗ re bedingt es vielleicht, daß viele Functionen des Menſchen hier kraͤftiger als auf dem feſten Lande ſtatt haben.
Gehen wir nun den bisher verfolgten Gang der Un⸗ terſuchung ruͤckwaͤrts, fo kommen wir immer wieder zu glei⸗ chen Reſultaten. Muß man der Atmoſphaͤre nothwendiger weiſe die Function der Aſſimilation, oder wie man ſich hier wegen des erzeugten Sauerſtoffes auch ausdrücken konnte — der Oxydation — zugeſtehen und einräumen, daß fort⸗ während einſtrͤmende Stoffe affimiliert und oxydiert wer⸗ den, fo folgt daraus ganz nothwendigerweiſe, daß auch eis ne entgegengeſetzte Function vorhanden iſt, die mit gleicher Kraft die Atmofphäre in die Erde treibt, fie inhaliert, und hier in jene Stoffe zerſetzt, oder desoxydiert. Auf was für eine Art die eine dieſer Functionen wirkt, ſtets wird damit die andere in Connex ſtehen. Werden in der Atmo⸗ ſphäre ſehr heterogen ſcheinende Stoffe, wie Kohle, Schwe⸗ fel, Waſſerſtoffgas, Stickgas ꝛc. durch die Aſſimilationsfun⸗ ction in einen homogenen Körper, in atmofpbärifhe Luft umgewandelt, dann muß die entgegengeſetzte Function den entgegengeſetzten Prozeß hervorrufen, und in der Erde die homogene atmoſphaͤriſche Luft in Waſſer und Waſſerſtoff, in Schwefel, Kohlenſtoff ıc. umwandeln. Auf analoge Art, wie hier Atmoſphaͤre und Erde, wirken auch Atmoſphaͤre und Pflanze; die individuelle Function der letztern modifiziert die abforbierte atmoſphaͤriſche Luft zu vielerley ſalzigen und erdigen Stoffen; iſt dieß individuelle Leben verfloſſen, dann vergehet die Feſtigkeit dieſer Stoffe, mit der Zeit kehren ſie wieder in die Atmofphäre zuruck, indem fie von dieſer aſſi⸗ miliert werden. . 1 45 .
Werden die hier erwähnten Thatſachen combiniert und erwogen, fo wird man ohne Zweifel die Exhalationen den Erde aus einem viel allgemeinern Geſichtspuncte zu betrach⸗
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haben, als es bisher geſchehen iſt, man wird fie nicht © herleiten von einzelnen Verhaͤltniſſen und Zufaͤlligkei⸗ ten, von brennenden Kohlen oder Kieslagern, von einzelnen vulcaniſchen Heerden oder dergleichen; man wird zugeſtehen ſſen, daß es eine maͤchtige, durchgreifende Function der erde iſt, die hier obwaltet, daß man dieſe wohl nicht an⸗ ders als auf den Athmungs⸗Prozeß der Erde beziehen kann, und man wird kaum wohl mehr ſich weigern, den Athmungs⸗ prozeß der Erde ſelbſt anzuerkennen. 5 ö 1 Wir haben bisher die Wirkungen des Athmungs⸗Pro⸗ | es der Ecde auf die Atmoſphaͤre nun in allgemeiner phy⸗ ſiologiſcher Hinſicht unterſucht und ihr Aſſimilationsvermoͤ⸗ gen dargelegt; wir werden nun aber auch die damit in un: ö — Connex ſtehenden phyſikaliſchen, gleichſam me⸗ ö
aniſchen Wirkungen erwaͤgen muͤſſen. "Segen wir hypothetiſch den Fall, daß irgend eine er⸗ wärmte, mehr oder weniger mit Waſſerdampf verbundene Maſſe von Gas in die Atmoſphaͤre hineingedruͤckt wird, und tern die Folgen und Wirkungen hiervon nach den zur Zelt anerkannten Geſetzen der Phyſik, ſo wird man ber haupten, daß hierdurch die Atmoſphaͤre expandiert wird, bie: ſe Expanſion unmittelbar eine Verminderung der Dichtig— Eeit herbeyführen, dadurch den Luftdruck vermindern und das teigen des Queckſilbers im Barometer veranlaſſen wurde. e aber die Erpanfion nachlaͤßt, wird ein Zurücktreten zu dem vorigen Zuſtande, eine Contraction erfolgen, die Luft wird dichter, ſchwer werden und das Barometer ſinken müf: ſen. Dieſes Verhalten wird aber nicht allein an dem Pun⸗ cte ſtatt haben, we das Gas zuerſt mit der, Atmoſphaͤre zuſammenteifft, ſondern es wird für die ganze aufliegende Luftſchicht von Wirkung ſeyn; indem mit der zuerſt affir cierten Luftſchicht ſich die naͤchſt liegende auszugleichen ſucht, fo wird — wenn man ſich des Ausdruckes bedienen darf — die Expanſions- und dann die Contractions⸗Welle bis an as Ende der Luftſchicht nur mit ſtets mehr verminderter Intenſitaͤt laufen. Folgen nun dieſe Gas⸗Einſpritzungen regelmäßig oſcillierend, ſo werden auf gleiche Art die Ex⸗ panſionen und Contractionen, und ſomit das Steigen und Fallen des Queckſilbers erfolgen.
Beobachten wir nun die Natur ſelbſt, ſo zeigen ſich uns, wie oben gezeigt wurde, maͤchtige Exhalationen von erwaͤrmtem, meiſt mit Waſſerdampf verbundenem Gaſe, wel⸗ ches continuierlich, aber in rhythmiſchen Oſeillationen in der Art in die Atmoſphaͤre hineingedraͤngt wird, daß von Mors | gen bis gegen den Nachmittag die Intenſitaͤt der Einſtro⸗ mung ſich vermindert, dann aber von hier bis zue Nacht ſich wieder eben fo regelmäßig vermehrt. Aus dieſem Pro⸗ zeſſe wird nun nach der eben erwaͤhnten Vorſtellung, die wir uns von den Wirkungen des einſtroͤmenden Gaſes ge⸗ macht haben, folgen, daß nach dem Verhaͤltniſſe, als die Emanation ſich vermindert, alſo von Morgen bis Nach⸗ mittag, ſich die Atmoſphaͤre contrahiert, daher das Queckſil⸗ ber allmählich ſinken wuͤrde, und daß nach dem Verhaͤltniſſe, als die Emanation von Nachmittags bis zur Nacht ſich ver⸗
mehrt, die Atmoſphaͤre expandiert, dilatiert, entdichtet wird,
daher das Queckſilber im Barometer regelmäßig ſteigen muß. Dieſe Barometer Veränderungen werden aber nicht allein in der unteren Luftſchicht, ſondern in der ganzen At⸗
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moſphaͤren⸗Saͤule ſtatt haben, nur in Verhaͤltni mit abnehmender Intenſitaͤt. N 0 lagen
5 Wenn nun die Vorſtellung, die wir uns über dieſen Gegenſtand gemacht haben, die richtige iſt, ſo muß ſich nach⸗ weiſen laſſen, daß in den angegebenen Tageszeiten in glei⸗ chem Verhaͤltniſſe, als die Emanationen ſich vermehren und vermindern, auch das Quedfilder im Barometer fleigt und faͤllt. f
Eingangs dieſer Darſtellung wurde nun ausgeführt, wie es durch alle bisherigen Beobachtungen conſtatiert fey, daß das Barometer eine regelmäßige Horar- Variation zeige, in der Art, daß in der heißen Zone, von 9 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags es allmaͤhlich ſinkt, und von dieſer Zeit bis 11 Uhr Abends dagegen regelmäßig ſteigt, daß end: lich dieſelben Oſcillationen, wenn auch nicht in gleichen Zei⸗ ten, auch in unſerer Zone, und überhaupt auf der Erde ſtatt haͤtten. 5
5 Daß dieſen Thatſachen zufolge zwiſchen den regelmaͤ⸗ ßigen Barometer⸗Schwankungen und zwiſchen den regelmaͤßi⸗ gen Oſcillationen der Gas-Emanationen, die gleichmaͤßig zuſammentreffen, ein unmittelbarer Connex ſtatt haben wird, dieß ſcheint fo natürlich, fo in die Augen ſpringend, daß es kaum einer weiteren tiefſinnigen Eroͤrterung bedarf; aber um ſo mehr werden wir dieſe beyden Phaͤnomene in einen Connex zu bringen berechtiget ſeyn, da, wie eingangs erwähnt wurde, von den Phyſikern noch keine Urſache aufs geſtellt wurde, welches die regelmäßigen Barometer-Schwan⸗ kungen mit einiger Wahrſcheinlichkeit erklaͤrte.
Naͤchſt der täglichen Taſtuͤndigen Oſcillation zeigt das Barometer noch eine ähnliche roftündige während der Nacht; dieſe iſt zur Zeit bey den Gas- Emanationen noch nicht nachgewieſen, weil man zu dieſer Zeit noch keine Beobach⸗ tungen gemacht hat, aber aller Wahrſcheinlichkeit nach wer⸗ den wir auch dieſe Oſcillation bey den Gas⸗Emanationen antreffen, wenn man ſich die Mühe gibt, darnach zu fuchen,
Um zu der vollkommenſten Ueberzeugung zu kommen, daß die regelmäßigen Barometer⸗Schwankungen wirklich in unmittelbarem Connex ſtehen mit den Erd⸗Exhalationen, und beyde bedingt werden durch ein und dieſelbe wirkende Urſa⸗ che im Inneren der Erdrinde, duͤrfte es noch zu ermitteln nothwendig ſeyn:
a. Ob denn der Exhalations-Prozeß wirklich ein ſo all⸗ gemein verbreiteter und ein Lo durchgreifender ſey, daß ein fo allgemeines Phänomen, wie das der regelmä- ßigen Barometer⸗Schwankungen, davon ableitbar ſeyn kann, und 5
b. ob auch durch andere Thatſachen das innige Ver⸗ haͤltniß zwiſchen der Erdrinde und Atmoſphaͤre bethaͤ⸗ tiget wird. ö N
Wer ſich nur etwas mit der Natur der Quellen be⸗ ſchaͤftiget, der wird gewiß bald die Ueberzeugung erhalten ha⸗ ben, daß die Quellen und die mit dieſen in unmittelbarem Conner ſtehenden Gas-Emanationen wirklich ein uͤber die ganze Erdrinde verbreitetes und allgemein durchgreifendes Phaͤnomen ſind.
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Mit Ausnahme der wenigen ſogenannten Hunger⸗ quellen, die das an einem Puncte einfließende atmoſphaͤriſche Waſſer mechaniſch zu einem andern Puncte fuͤhren, wo ſie es ausgießen, daher ganz im Verhaͤllniß der atmoſphaͤriſchen Waſſer ſich zeigen, bey jedem Regen fließen, bey jeder Trock⸗ niß verſiegen, haben alle wahren. Quellen eine couſtante Qualität, Quantitat und Temperatur, enthalten ſaͤmmtlich feſte und gasſoͤrmige Theile, daher man fie alle nur als mehr oder minder ſchwache Mineralquellen betrachten kann. Gasloſe Quellen von ganz reinem Waſſer werden kaum wohl exiſtieren, wenn wohl wir diejenigen nur Mineralquel⸗ len nennen, welche gaſige und feſte Stoffe in ſehr bedeu⸗ tender Menge enthalten. Erwaͤgt man, daß der erfriſchen⸗ de Geſchmack, welchen ein jedes Quellwaſſer hat, von bey⸗ gemiſchter Kohlenfäure herruͤhrt, welche, fo wie das Waſſer zu Tage kommt, in die Atmoſphaͤre ſteigt, durch deſſen Ver: luſt der fade Geſchmack des Flußwaſſers bedingt wird, jo erhaͤlt man bey der ungeheuren Maſſe des ſtets hervorſpru⸗ delnden Quellwaſſers eine Ahnung von der außerordentlis chen Menge von kohlenſaurem Gaſe, welches allein auf die⸗ ſe Art von allen Puncten der Erdrinde in die Atmoſphaͤre geführt wird.
SR Die Thermal: und Mineralquellen führen aber eine unendlich größere Menge von Gas mit ſich, und wo dieſe zu Tage kommen, erſcheinen auch meiſtens Gasquellen, die eine noch viel größere Maſſe Gas ausſtoßen. Strichweiſe zeigen ſich ſolche Quellen in wirklich ganz außerordentlicher Frequenz, ſo daß, wenn man hier annaͤhernde Berechnun⸗
gen vornehmen wollte uͤber die Menge von exhaliertem Gas,
kaum uͤberſehbare Summen ſich ergeben würden, fo z. B fuͤr den Strich am Niederrheine, wo faſt eine Quelle von kohlenſaurem Gaſe neben der andern liegt, fuͤr den Strich im noͤrdtichen Böhmen, wo es derſelbe Fall iſt . Eben ſo reich manche Gegenden an Saͤuerlingen und Quellen von kohlenſaurem Gaſe ſind, ſo liefern andere, die ich als Soolenfelder bezeichnet habe, faſt überall Salzquellen, die mehr oder minder reich an Schwefelwaſſerſtoffgas ſind; wie— der andere bieten Schwefelquellen in ähnlicher Frequenz dar, die in der Regel auch Stickſtoffgas emanieren. Manche Ges genden, wie die norddeutſche Ebene, erſcheinen verhaͤltnißmaͤs ßig wenig reich an kräftigen Gas⸗Emanationenz dagegen r: den wir in anderen eine übermäßige Frequenz, wie in Ita⸗ lien, wo faſt eine ſtarke Gas-Emanation ſich an die andere reihet, wie ich bey einer anderen Gelegenheit darlegen wer: de. Die concentrierteſten Gas-Emanationen bieten aber die Vulcane und die vulcauiſchen Gegenden dar.
Vergleiche man nur die Thatſachen, die ich S. 57 — 66 meiner Quellentheorie über die Gas-Emanationen beyge— bracht habe; ferner die Tabellen uͤber die Salzquellen (Bd. 5. meiner Zeitſchrift), über die heißen Quellen und Sauer: quellen (Stuck 4 meiner Zeitung), über die Schwefelquellen, Eiſenſaͤuerlinge und andere merkwürdige Mineralquellen (St. 6 meiner Zeitüng), die alle mehr oder weniger reich an Gas find, und erwaͤge, daß ein kleiner Raum am Laacher See täglich 600,000 Pfund Kohlenfäure liefert, dann wird und muß man eingeſtehen, daß das Phaͤnomen der Gas⸗ Erhalationen ein über die ganze Erde verbreitetes und ein ganz allgemeines iſt, da es auch unter dem Meere ſtatt
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findet; die unmittelbate Folge dieſes Zugeſtändniſts w dann ſeyn, daß dieſe allgemeine Gas⸗Emanation der Evi oberſlaͤche auch ganz allgemeine und durchgreifende Wirkun⸗ gen auf die Atmoſphaͤre ausüben muß; deßhalb müffen oh⸗ ne Zweifel eine Reihe von Phänomenen in der Atmoſphaͤre durch Urſachen bedingt werden, die ihren Sitz im Inneren der Erdrinde haben. l A
Daß auf die unregelmäßigen Barometer⸗ Scwankun⸗ gen, Dampf⸗ War meverbreitung und mehrfache Urſachen ein⸗ wirken werden, die zum Theil mit der Sonne in Connex ſtehen, dieß leidet gewiß gar keinen Zweifel, denn jede Tem peratur- Veränderung, jede wichtigere Einwirkung auf die Atmoſphaͤre wird mehr oder weniger ihren Druck modificie- tren und dadurch auf das Barometer wirken, aber unläug⸗ bar iſt es gewiß, daß eine Reihe von atmoſphaͤriſchen Bere aͤnderungen in ſo innigem Connex mit fruͤher re den Veränderungen im Meere, in den Örundwällern und i den Gas: Exhalationen chen, daß die Uriache diefer.] von Veränderungen nur im Inneren der. Eldrinde zu i chen iſt. Dieſer Gegenſtand iſt von Meinecke in ſeiner er⸗ waͤhnten Abhandlung und in meiner Quellentheorie Pu — 90 näher erörtert, und ich brauche nur auf das ſchon 5 ruͤhrte Verhalten der Quellen von kohlenſaurem G He 15 Gewittern, und auf das, Verhalten der, Water beben aufmerkſam zu machen. Geſtehet man a 155 ans gewiſſe atmoſphaͤriſche Veränderungen durch Urjachen Inne Erde bedingt werden, dann kann man auch. wohl reifen, daß regelmäßige Veränderungen des Barometers aus analo⸗ gen Urſachen entſpringen koͤnnen, befonders da. man die Urs, ſache der regelmaͤßigen Schwankungen der Magnetnadel, welche große Analogie mit den Barometer» Schwankungen hat, doch nicht von außen, ſondern nur von einer inneren Function der Erde ableiten kaun, und fo wird Anne kaum noch etwas im Wege ſtehen, anzuerkennen: FT
daß die wahre Urſache der gelegt Barometer- Schwankungen bedingt iſt durch den Athmungsprozeß der Erde. 25
Unlaͤugbar ermangelt zur Zeit die Atmoſphärologie faſt jeder ſicheren Vaſis, indem die vielfachſten Phaͤnomene ohne feſten theoretiſchen Grund, ohne innige Verknüpfung, daſtehen. Wuͤrde man aber anerkennen, daß der Athmungs⸗ prozeß der Erde die regelmäßigen Barometer s Veränderuns gen wirklich bedingte, fo wäre eine ſichere Baſis gewonnen, ein Fundament gelegt, ein Weg gefunden, der bald zu gro⸗ ßen Entdeckungen führen müßte; dann bürften eine Reihe von phyſikaliſchen Phänomenen, deren innigen Zuſammen⸗ hang man jetzo wohl ahnet, zu einem harmoniſchen Ganzen ſich zuſammen ſchmelzen.
Die regelmaͤßigen Barometer-Schwankungen müſſen nicht allein eine für die ganze Natur durchgreifende Urſache haben, ſondern ihr Weſen zwingt uns, ſie von einer ſtets gleichen und unveraͤnderlichen Function herzuleiten; wo aber ſollte man dieſe außerhalb der Erde ſuchen? iſt es denn nicht natürlich, dieſt Function, wenn wir ſie einmal erkannt | haben, innerhalb ber Erde ſelbſt zu ſuchen? Sr aber erſt eine vitale, conſtante, oſcillierende Bewegung in det Erde und Atmoſphaͤre conſtatiert, fo erhält die Phyſik ein 705 |
—
25 5 4. 26 dament, an dem es noch zur Zeit fehlt, welches einer gro⸗ Geſetzen, und bildet keine beſonderen Schichten, ſon⸗ Ben Reihe von Thatſachen und Rechnungen zur Baſis die: dern, indem dieſe differenten Gasarten die Atmoſphaͤ— nen wird. Hat z. B. eine allgemeine oſcillterende chemifche re erreichen, verſchwinden ſogleich alle ihre characteri⸗ Bewegung (die man als Oxydation und Desoxydation bes ſtiſchen Eigenſchaften, fie wandeln ſich ſogleich in ho⸗ zeichnen kann) ſtatt, ſo folgt daraus von ſelbſt eine regel mogene atmoſphaͤriſche Luft um, und es findet daher
maͤßtge Oſcillation der Magnetnadel.
4 Vor allem aber wird es jego darauf ankommen, die merkwürdigen Oſcillationen der Erd⸗Exhalationen ſo ſcharf als moͤglich zu ermitteln; daher möge der innige Wunſch bier ausgeſprochen ſeyn, daß die Phyſiker und Aerzte, de⸗ a 757 ; 3 - h rn Gas quellen nahe liegen, ſich doch recht genauen Beob⸗ Mere a 8 1 e Orydations⸗ achtungen derſelben unterziehen möchten, und daß die gelehrs N 4 N St eee e fort: ten Academieen, die fo vielfach ſich mit Barometer⸗Beobach⸗ muß "add 91 G ae ae un net ‚fo tungen beſchaͤftigen, nun auch den Beobachtungen über die 3 5 In en Geſetzen des allgemeinen leichgewich⸗ Erd⸗Exhalationen ſich unterziehen möchten. Je vielfachere 2 a 5 ee geben, der und genauere Beobachtungen in dieſer Hinſicht bekannt wer⸗ 2 = 2 = Eee eh tmofphäre vermindert den, je ficherer werden die Schlüffe ſeyn, die man daraus et Erbol 775 — Kr ee wieder erzeugt. ziehen kann, und jene werden immer für die Wiſſenſchaft Deco ea 2 Inha er die Oxydation und erſprießlich ſeyn, wenn auch wirklich die gegenwaͤrtige Dar⸗ * 10 > n können nur in gleichen Berhältnifien ſtellung irrig ſeyn ſollte, die ſich nut auf einen kleinen Kreis haben, und find eigentlich nur die = Seiten
von Beobachtungen baſieren konnte. ne allgemeinen Prozeſſes einer
Schließlich mag noch eine kurze Ueberſicht der Haupt- Bode > 2 2 . i je € 5) Wie der un: Momente diefer Unterſuchung hier ihren Platz finden. REM 1 . Be
1) Im Allgemeinen abſorbieren ziemlich alle Sofilien, bedingt find, den Sauerſtoff der Atmoſphaͤre abſor⸗
in der Atmofphäre ein wahrer Aſſimilations- Prozeß ſtatt, da die Armofphäre überall und in allen Hohen einen gleichen chemiſchen Character trägt. Indem durch dieſen Prozeß eine Maſſe von nicht in der Art vorhanden geweſenen Sauerſtoff produciert wird, kann
die bisher geprüft find, den Sauerſtoff der atınoiphäs
riſchen Luft, und da aus erſteren die Erdrinde beſtehet, ſo wird dieſe ſich auf gleiche Weiſe verhalten und ei⸗
ne Maſſe von atmoſphaͤriſcher Luft abſorbieren, die in dem Verhaͤltniß groß ſeyn wird, in dem die einzel⸗ nen Foſſilien Sauerſtoff verſchlucken.
nn 2) Aus der Erde emaniert fortwährend nicht nur Waſ⸗ ſer und Waſſerdampf, fondern auch Gas, welches ſehr
different iſt von der atmoſphaͤriſchen Luft und aus ir⸗
reſpirablen Gasarten beſtehet, vorzuͤglich aus kohlen
ſaurem Gaſe, Waſſerſtoff⸗ und Stickgas, die meiſt eis ne bedeutend hohe Temperatur haben.
al Die von der Erde aus der Atmaſphaͤre abſotbierte
Luft wird durch die Function der Aſſimilation in der Erde fehr verandert uͤnd in die unterirdiſchen Gasar⸗ ten und Grundwaͤſſer umgewandelt, welche dann als Gas⸗Emanationen und Queilen zu Tage kommen. Ein und derſelbe Act iſt es, welcher die Grundwaͤſſer in ihrer Temperatur, Quantität und Qualität erſchafft, d. i. an Gehalt von fremden, fixen und fluͤchtigen Be⸗ ſtandtheilen, befonders an Kohlenſtoff, Schwefel, Sal: zen und Erden, die daher nur als eine conſtante Modi⸗ fication eines Theiles der atmoſphaͤriſchen Luft zu bes trachten ſind; und da hierdurch der Sauerſtoff ver⸗ ſchwindet, kann man dieſen Prozeß als eine allgemei⸗ ne Desoxpdation bezeichnen.
) Die von der Erde in die Atmofphäre exhalierte Luft,
die zum Theil mit großen Maſſen von Kohle, Schwe⸗ fel und andern Stoffen beladen iſt und theils ein lelch⸗ teres, theils ein ſchwereres ſpecifiſches Gewicht, als die atmoſphariſche Luft hat, folgt bey ihrem Zutritte in die Atmofphäre nicht den phyſikaliſchen und chemiſchen
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biert und ihn in ſehr verfchiedene chemiſche Stoffe umwandelt, in Salze, Erden, Metalle, Waſſer ꝛc., die am Ende doch wieder der Atmoſphaͤre zufließen und von ihr homogenifiert werden, fo führt uns die naͤhe⸗ re Betrachtung der Erd⸗Abſorbtion, Exhalation und Quellenbildung unmittelbar zu dem Reſultate, daß auch der Erde im Allgemeinen eine ganz analoge Fun⸗ ction zukommt.
6) Der Exhalations⸗Prozeß iſt, wie ſchon feine Verbin dung mit der Waſſerproduction lehrt, nichts weniger als ein iſoliertes, ſondern im Gegentheil ein ganz all⸗ gemeines, über die ganze Erde verbreitetes Phäno: men von ganz ungeheurer Größe, ja, es kann ſeyn, daß ſo viel Gas als Waſſer, vielleicht ſelbſt noch mehr fortwährend der Erde entſteigt; die Wirkungen diefer Emanationen muͤſſen daher dieſer Allgemeinheit und Große des Phaͤnomenes entſprechen.
7) Die Gas Exhalationen find zwar continuierlich, aber nicht gleichmaͤßig, ſondern oſcillierend; auch ſtehen fie zum Theil mit den unregelmaͤßigen Veränderungen in der Atmoſphaͤre in Verhaͤltniß, nicht aber in der Art, daß ſie dieſen nachfolgten, ſondern ſie gehen ihnen analog den Barometer Bewegungen voraus. N
8 Man hat theils ganz unregelmaͤßige Oſcillationen, 1 theils nach den Jahreszeiten verſchiedene, theils aber taͤglich regelmaͤßige Horar⸗Oſcillationen bemerkt, die uns hier vorzugsweiſe beſchaͤftiget haben.
9) Dey einer Reihe von kohlenſauren Gas quellen, die an weit von einander entfernten Puncten in Deutſch⸗ land liegen, hat man durch übereinſtimmende Beob⸗ achtungen ermittelt, daß regelmaͤßig, von früh nach Sonnenaufgang bis Nachmittags bald nach dem hoͤch⸗
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ſten Stand der Sonne bie Gas⸗Emanationen fih tes
gelmaͤßig vermindern, von hier aber bis zur Nacht ſich wieder gleichmaͤßig vermehren, daher eine rhythmi— ſche, pulsartige Horar-Dfcillation für dieſe Zeit conſta— tiert iſt. Ueber das Verhalten in der Nacht ſind aber keine Beobachtungen angeſtellt.
10) Wie aber die in dieſer Hinſicht bis jetzt beobachte⸗ ten Quellen ſich verhalten, ſo werden ſich doch aller Wahrſcheinlichkeit nach alle Quellen von kohlenſaurem Gaſe zeigen, und da nun dieſen ſich alle übrige Gas— quellen analog verhalten, und da faſt alle dieſe mehr oder weniger kohlenſaures Gas fuͤhren, ſo wird man zu ſchließen berechtiget ſeyn: daß ſaͤmmtliche Gas: Emanationen dieſen Horar- Variationen unterliegen werden.
11) Die ungeheuren Gas⸗Emanationen, die fortwaͤhrend aufſteigen, um in der Atmoſphaͤre aſſimiliert zu wer⸗ den, muͤſſen auf dieſe nothwendig einwirken, und das durch in derſelben innere Veraͤnderungen und Bewe⸗ gungen hervorrufen.
12) Wenn bey der nachmittaͤgigen Oſcillation die in die Atmoſphaͤre dringende Gas⸗Emanation, die ſtets eine mehr oder weniger hohe Temperatur hat, auch meiſt Waſſerdaͤmpfe mit ſich fuͤhrt, bis zur Nacht fortwaͤh— rend ſich vermehrt; ſo wird in demſelben Grade die unterſte Luftſchicht der Atmoſphaͤre expandiert werden, und dieſe Expanſion ſich mit progreſſiv abnehmender Intenſitat nach oben fortſetzen. Im Verhaͤltniß der Expanſion wird die Dichtigkeit der Atmoſphaͤre def: halb auch ihre Schwere abnehmen, daher wird ihr Druck in demſelben Verhaͤltniſſe vermindert und das Barometer wird in demſelben Verhaͤltniſſe fallen, als die Emanation zunimmt. Wenn bey der Oſcillation des Morgens die Gas-Emanation fortwährend ab» nimmt, ſo wird in demſelben Verhaͤltniſſe die Expan⸗ ſion der Atmoſphaͤre abnehmen, daher eine Contraction derſelben erfolgen, fie wird ſchwerer, dichter, druͤ⸗ Fender werden und das Barometer muß verhaͤltniß⸗ maͤßig ſteigen.
15) Sind die Gas⸗Emanationen nun wirklich ein allge⸗ meines, durchgreifendes und maͤchtiges Phaͤnomen, ſo werden ihre Wirkungen auf die Atmofphäre gleich allgemein und durchgreifend ſeyn, das Barometer muß daher regelmaͤßig des Morgens progreſſiv fallen und eben ſo des Nachmittages ſteigen; werden ferner die Gas⸗Emanationen wirklich bedingt durch die allgemeis ne Function des Athmungs-Prozeſſes der Erde, fo muß dieſe die Urſache ſeyn, daß im Laufe des Tages die Atmoſphaͤre ſich regelmäßig contrahiert und expan⸗ diert, und das Barometer regelmaͤßig des Morgens fällt und des Nachmittages ſteigt.
14) Nun lehrt die Erfahrung, daß das Barometer uns geachtet feiner unregelmäßigen Dfeillationen eine regel⸗ mäßige Horar⸗Schwankung hat, die von allen übrigen getragen wird und ganz durchgreifend iſt, indem es überall des Morgens ſinkt und des Nachmittages ſteigt. Da dieſe Oſcillation in allen Climaten ſtatt
kommt. Daß dit Erkenntniß der Structur, der Bedeutung
28 hat und das Barometer eine ganz aͤhnliche Schwan⸗ kung während der Nacht hat, fo koͤnnen dieſe Horar⸗ Vatiationen nicht wohl von der Sonne hergeleitet werden, und ihre Urſachen ſind um ſo mehr wohl in der Erde zu ſuchen, da auch die unregelmäßigen Dfcile lationen des Barometers und der Erd-Exhalationen häufig zuſammenfallen und nicht minder die regelmaͤ⸗ ßigen Bewegungen der Magnetnadel auf eine hug keit innerhalb der Erde hinweiſt.
15) Indem für die Horar⸗-Variationen des VBarometers noch kein ſicherer Grund aufgefunden iſt,, und da fie mit den bisher beobachteten Horar-Oſcillationen der Erd⸗Exhalationen zuſammentreffen, auch viele andere Verhaͤltniſſe dafuͤr ſprechen, daß die wichtigeren Ver⸗ aͤnderungen der Atmoſphaͤre durch Urſachen in der Ert de ſelbſt bedingt werden, ſo haben wir wohl, na dem jetzigen Stande der Wiſſenſchaft, alles 1 zu ſchließen: *
daß die Sorar-Gſcillationen des Barome⸗ ters bedingt werden durch den eee Prozeß der Erde.
Die europaͤiſchen Arten
der Zweyfluͤglergattung e von Hermann Stan⸗ 1.
ius. Tafel
Die Ueberzeugung, daß durch eine genaue Bearbei- tung einzelner Familien des Thierreichs fuͤr den beſchreiben⸗ den Theil der Zoologie am meiſten zu hoffen ſey, veranlaßte mich, mit einigen ſorgfaͤltiger mich zu beſchaͤftigen; der Wunſch, ſowohl uͤber manche mir uͤbrig gebliebene Zweifel, als auch über die Art der Behandlung meines Gegenſtan⸗ des von Maͤnnern, die dem Studium dieſer Thiere laͤngere Zeit gewidmet, belehrende und zurechtweiſende Aufſchluͤſſe zu erhalten, und die Hoffnung, ſowohl auf dieſe Weiſe, als durch Mittheilung neuer zu beſchreibender Arten und frem⸗ der Beobachtungen in größeren Arbeiten kuͤnftig mehr That⸗ ſachen vergleichend zuſammenſtellen zu koͤnnen, führten mich zu dem Entſchluß, einiges des bisher Bearbeiteten jetzt ſchon bekannt zu machen. Sollte mancher mir vielleicht eine zu große Weitlaͤuftigkeit in meinen Beſchreibungen vorwerfen und nach der moͤglichſt genauen Beſchreibung einer Art das Berufen auf dieſe für vorzüglicher halten; ſo muß ich er» wiedern, daß ich wuͤnſchte, ſowohl im Allgemeinen noch aus⸗ fuͤhrlicher geweſen zu ſeyn, als auch alle Arten gleichmaͤßiger behandelt zu haben, als es wegen der verſchiedenen Zeit⸗ puncte, in denen das Einzelne niedergeſchrieben wurde, und wegen der Entfernung von den meiſten der Sammlungen, deren Benutzung mir zu Gebote ſtand, geſchehen iſt. Durch moͤglichſt genaue Beſchreibung der einzelnen Arten liefern wir die ſicherſte Grundlage für eine kuͤnftige Loͤſung der Aufgabe der Zoologie, welche meiner Anſicht nach keine an⸗ dere iſt, als Erkenntniß aller verſchiedenen Formen und Eis genſchaften der Thiere in jeglicher Richtung und der Vers haͤltniſſe, unter denen das einzeln erkannte verbunden vor⸗
und der Functionen der inneren Gebilde ebenfalls Bedin⸗ gung ſey, verſteht ſich. Zugleich aber darf von der Aufga— de der Zoologie nicht ausgeſchloſſen werden die Erforſchung der äußeren Einfluͤſſe, durch welche das Vorkommen der Sn: iduen, Arten und Gattungen bedingt iſt, moͤgen dieſel— ben nun als atmoſphaͤriſche und climatifche einwirken, oder
N in dem gleichzeitigen Vorkommen gewiſſer Vegetabilien oder
anderer Thlere begruͤndet ſeyn. Daß die Loͤſung dieſer Auf: gabe, wenn ſie überhaupt je erreichbar ſeyn ſollte, nur durch ie größte Genauigkeit ſowohl in der Beſchreibung, als, was damit verbunden iſt, auch der Benennung moͤglich ſey, n es nicht jedem frey ſtehen darf, einen früher gege— en Namen willkuͤhrlich umzuaͤndern oder auf eine Samm— ng anderer in beſtimmten Puncten mit einander überein- mmender Individuen uͤberzutragen, muß ſowohl derjenige eben, dem es nur um Aufzählung und Beſchreibung der kierenden Arten zu thun iſt, wie es Gottlob jetzt doch r wenige mehr gibt, als auch der, welchem das Studium r Zoologie eine höhere Bedeutung hat, mag nun eine wiſ⸗ ſchaftliche Anordnung des Bekannten in Bezug auf den eren Bau, oder eine genauere Erforſchung der inneren anifation, oder endlich eine Ergruͤndung des Verhaͤltniſ⸗ es der Arten, Gattungen, Ordnungen ruͤckſichtlich ihres Er: ſeinens in gewiſſen Climaten und bey beſtimmtem, gleich— igem Vorkommen anderer Organismen ihn vorzugsweiſe
chaͤftigen.
Wenn ich gleich weit entfernt bin, mir anzumaßen, al⸗ len Anforderungen ſolcher Art in gegenwaͤrtiger Arbeit ge— nügt zu haben, darf ich doch auf Anerkennung meines Stre⸗ bens nach dem Beſſeren hoffen, und ſollte mein Bemuͤhen, eine Characteriſtik der bekannten europaͤiſchen Arten der Gat⸗ tung Dolichopus hinſichtlich ihrer Außern Geſtaltung mit ſteter Veruͤckſichtigung der Arbeiten meiner Vorgänger zu geben, auch nur dieſe oder andere zur Pruͤfung oder Be— kichtigung meiner Angaben und Muthmaßungen veranlaſſen; fo darf ich mir bewußt ſeyn, Zeit und Mühe nicht umfonft darauf verwendet zu haben, und werde darinn eine Auffor⸗ derung zur Fortſetzung meiner Unterſuchungen uͤber dieſe Thiere erkennen. Noch liegt es mir ob, alle, die mich bey dieſer Arbeit unterſtuͤtzten, ſey es durch Rath oder durch Mlahelung zu beſchreibender neuer Arten, hier zu nennen, und mit Freuden ergreife ich dieſe Gelegenheit, den Herren kan m Medicinaträthen Dr. Klug und Dr. Lichten⸗
fein und Herrn Ruthe zu Berlin, Herrn Schummel in reslau, und Herrn von Winthem in Hamburg öffentlich
meinen verbindlichſten Dank zu ſagen fuͤr vielfach mir be⸗
wieſenes Vertrauen, für manchfache Beweiſe großer Güte.
Characteriſtik.
5 Nachdem einzelne Arten, die jetzt mit Recht der Gattung Dolichopus zugezaͤhlt werden, von Geoffroy, Schaͤffer, *
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Geoffroy histoire abrégée des Insectes, qui se trourent aux emvirons de Paris. Tome 2.
2 Schaeffer Icones insectorum circa Ratisbon. indigenorum, ein Werk, das ich leider bey Ausarbeitung dieſes Auffas des nicht benutzen und nur auf Fabricius Lutoritaͤt citie
41
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Scopoli, Schrank, Sarris, 3 Villers, Roſſi, ? Cuvier, 2 Panzer, ? Fabricius 1° als der Gattung Musca angehoͤrig beſchrieben waren, nachdem Du Geer * den Dolichopus ungulatus in der Gattung Nemotelus untergebracht, vereinte Meigen, 1? dem wir die erſte beſſe⸗ re Anordnung der Zweyfluͤgler-Gattungen verdanken, die be⸗ kannten Arten unter dem Namen Satyra zu einem Genus, deſſen Character er folgendermaßen feſtſtellt.
Die Fuͤhlhoͤrner vorgeſtreckt, dreygliederig: das erſte Glied walzenfoͤrmig, das zweyte flach, faſt kreisrund, borſtig, das dritte eyrund, flach, nackt, mit einer Borſte an der Ba⸗ ſis. Die Schienbeine mit Seitenſtacheln. Die Fluͤgel pa⸗ rallel, die Schuͤppchen fehlen. (2)
Latreille 1? begreift die von Meigen in der eben angefuͤhrten Abhandlung von Satyra ſchon getrennten Gat— tungen Callomyia und Platypeza mit dieſer unter dem Ge— nus Dolichopus, ““ das einzige der Familie der Dolicho⸗ poden. Die Gattung Dolichopus, deren Character es- sentialis er nicht angibt, obſchon er die Familie der Dos lichopoden ausfuͤhrlich characterifiert, wird in drey Haupt: gruppen abgetheilt, von denen er ſelbſt jedoch meynt, daß ſie eben fo viele Gattungen bilden koͤnnten („Sectiones nos- trae totidem genera formare videntur“), Dieſe find folgende:
ren konnte. Eben ſowenig ſtanden mir die Schriften von Harris und Cuvier zu Gebote, welche vatreille cikiert. Nach dem Artikel Dolichopus des Dictionnaire elassique des sciences naturelles, der fonft nichts beachtenswerthes enthaͤlt, ſoll Cuvier im Journal de Physique et d'histoire naturelle de Paris, tome 2. p. 253 die äußern mannlichen Geſchlechtstheile der Dolichopoden zum Gegenſtand einer in tereſſanten Abhandlung gemacht haben. Vergeblich ſuchte ich in dem von Rozier herausgegebenen Journal ꝛc. nach: ich muß daher vermuthen, daß eine andere Zeitſchrift, die der hieſigen Bibliothek fehlt, gemeynt ſey. - Scopoli fauna Carniolica.
Schrank fauna Boica tom. 3. Harris Exposition of English Insects.
In feiner aller Critik ermangelnden Compilation: Caroli Linnaei Entomologia faunae Sueciae descriptionibus aucta ed, Carol. de Villers. Lugdun, Batav, 1798. Tom. 3.
7 Rossi fauna Etrusca ed. Illiger. Tom. 2. 8 L. c. vid. 2. 9 Fauna Insectorum Germaniae,
G „ dee
10 Entomologia systematica. — Species Insectorum — Man- tissa insectorum.
11 Meémoires pour servir A l’histoire des insectes, Ueberſetzung von Goͤze. Bd. 6.
12 Verſuch einer neuen Gattungseintheilung der europaiſchen zweyfluͤgeligen Inſecten in Illigers Magazin für Inſecten⸗ kunde. Band L. S. 272.
13 Genera Crustaceorum et Insectorum Tom. 4. pag. 290 — 283.
14 Von dolsyos lang, und muss Fuß.
Nach der
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1) Antennae (fere saltem capitis longitudine, in nonnullis longiores) articulo ultimo valde elon- gato, seta terminali aut subapicali (Callomyia, Platypeza Meigen). N
2) Antennae (capitis dimidio breviores) articulo tertio trigono, postice setigero, articulo primo subelongato (cellula prima limbi postici areae intermediae medium versus parum dilatata). Dolichopus Meigen. Medeterus Meigen. Por- Phyrops Meig. f i
3) Antennae (brevissimae) articulo tertio subtri- gono, ad summum apicem setigero; articulo primo brevissimo,
interne valde dilatata, uniangulata); os promi- nulum, breviter et obtuse rostratum. — Spec. gen. Miedeterus Meig.
In feiner Histoire naturelle generale et particu-
— 2 2
hiere des Orustacés et des Insectes tome 14. p. 333 ehatacteriſtert. Latreille die Gattung Dolichopus folgen⸗ dermaßen:
Antennes relevées, insérées sur le derriere de la tete à palette; trompe très Epaisse, peu saillante a palpes larges, plans; ailes couchees sur le corps. In der von ihm herruͤhrenden Bearbeitung der Inſecten für Cuvier's Regne animal, die mir das am wenigſten ge lungene zu ſeyn ſcheint, was er je geſchrieben, zaͤhlt er die Dolichopoden unter die Gattung Ortochile.
Katreille's erſter Anordnung folgte im Weſentlichen Fabricius in ſeinem Systema Antliatorum, wo ebenfalls die von Neigen unter die Familie Platypezinae vereinten Gattungen Platypeza und Callomyia mit ſaͤmmtlichen be> kannten Dolichopoden zum Genus Dolichopus gerechnet werden.
Hallen trennte mit Recht in ſeiner Schrift Diptera Suecica Lund. 1814 sq. die Callompien, Platypezen und Medeteren von den Dolichopoden.
Meigen indeſſen ‚gebührt das Verdienſt, in feiner ſy⸗ ſtematiſchen Beſchreibung der europfiſchen zweyflügeligen In⸗ ſecten Bd. 4. die zur Gattung Dolichopus, ſowohl von früheren als von ſpaͤteren Schriftſtellern, wie Fallen, Wie: demann, Lehmann, gerechneten Arten in groͤßtentheils zweckmaͤßig aufgeſtellte beſondere Gattungen vertheilt zu ha⸗
ben, die er ſaͤmmtlich unter der Familie der Dolichopo- des begreift.
i Da der Zweck dieſer Abhandlung nur eine Characte⸗ eiftit der europaͤiſchen Arten des Genus Dolichopus iſt, kann ich hier nicht in critifche Wuͤrdigung der einzelnen von
Meigen unter die Familie der Dolichopoden vereinten
enera eingehen, und verſpare daher eine forgfältige vers gleichende Darſtellung derſelben auf ein fpäter zu lieferndes ausführliches Werk. — Es genüge daher, hier den Cha- racter essentialis, wie ihn Meigen fuͤr dieſe Gattung feſtgeſetzt, anzuführen und einige Bemerkungen daran zu veis hen. Es heißt bey Meigen Thl. 4. ©. 74:
— 5 = Pi
vix cernendo (Cellula prima. Iimbi postici areae intermediae medium versus
Dolichopus. 2 i 1
Antennae porrectae, triarticulatae: articulo ter tio trigono, compresso, seta dorsali pubescenti, Ocus li disjuncti. Abdomen maris apice incurvum; la- mellis duabus membranaceis ciliatis. Alae incum- bentes parallelae, Parz 7
Die meiſten der hier angegebenen Charactere paſſe eben ſogut auf die verwandten Genera, namentlich a Porphyrops und Chrysotus. Solche anzugeben, die bloß dem Männchen zukommen, iſt den noch immer gültigen, ven Linne in feiner Philosophia botanica aufgeftellten Geſe⸗ gen der Naturbeſchreibung zuwider. a AN
Aber keinem, der es verſucht hat, größere Gattungen kurz zu characteriſteren, wird es entgangen ſeyn, wie ſchwie⸗ rig es iſt, leicht erkenuliche Merkmale zu finden, die, einer groͤßeren Gruppe von Arten ohne Ausnahme e hinreichend find, jedes denſelben angehoͤrige Indiofdunm a von allen ähnlichen verwandter Gruppen verſchieden zu be⸗ zeichnen. Einerſeits bedarf es hierzu, um die erſte Bedin⸗ gung zu erfüllen, neben großer Kürze einer großen Allge⸗ meinheit; andererſeits aber verlangen eine Derüenchrigung nicht bloß die das Centrum der Gattung conſtztuſerenden Arten oder die, deren gemeinſchaftliche Merkmale, richt aufgefaßt, das Bild einer hinlänglich geforderten Gattun⸗ am reinſten erſcheinen laſſen würden; ſondern dieſelben An⸗ ſpruͤche machen auch die peripheriſchen Arten oder diejenigen, die ſchon durch einzelne Bildungen den zunaͤchſtſtehenden Sat tungen verwandt ſich zeigen, oder in fie uͤberzugehen ſcheinen. Bey den Dolichopoden wird die Erfuͤllung diefer Anforde⸗ rungen aber noch erſchwert durch die bedeutenden ſexuellen Differenzen, die die Characteriſtik des einen, die größte Manchfaltigkeit der Bildungen zeigenden Geſchlechtes als Art, wie als Gattung eben ſo ſehr erleichtern, als ſie die des anderen, nur durch geringe, theils leicht zu uͤberſehende, theils in der Diagnoſe nicht ſcharf zu bezeichnende Merkma⸗ le ausgezeichneten erſchweren. Und doch follen beyde Ge⸗ ſchlechter gleichmaͤßig beruͤckſichtige werden; doch will der menſchliche Geiſt, ſtrebend die Einheit zu erkennen in den Manchfaltigen durch Begrenzung und Sonderung, das die Feſſel feiner Syſteme ſchmieden, was wegen der unen chen Vielheit der Berührungspuncte mit Verwandtem fe⸗ den Verſuch einer ſtrengen Scheidung als vergeblich erſchei⸗ nen laͤßt. ; N
Es ſey fern von mir, hiemit die Nothwendigkeit einer moͤglichſt ſcharfen Characteriſtik der Gattungen, Familien, Ordnungen und Claſſen, oder der nicht wirklich geſchieden vorhandenen, ſondern von uns durch Abſtraction geſchaffenen Abtheilungen laͤugnen zu wollen: aber ich halte dafür, daß dieſe künſtlichen Abtheilungen nur die Ueberſicht des bisher Aufgefundenen einem Lexicon oder Regiſter gleich gewähren werden, und in ſofern höchſt nöthig find, daß aber dieſet Weg uns nie zu einer Erkenntniß der natürlichen Verwande⸗ ſchaftsvethaͤltniſſe Führen wird. In ſofern wir eine ſolcht tabellariſche Ueberſicht des Exiſtierenden bezwecken, kann die Trennung der größeren Gattungen in viele kleine, leichter ſcharf zu begrenzende, worauf das Streben ſo vieler neuerer Forſcher gerichtet if, gebilligt werden, und muß ſelbſt von
rem Nutzen ſeyn; wie wir aber zu einer Ueberſich! der a Verwandtfchaftsvergältniſſe am eheſten gelangen
nen, darauf ſcheint mir Oken am beſten hingedeutet zu haben. Die Saͤugthier⸗Saͤugthiere, die Vogel⸗Saͤugthiere, die Reptilien⸗Saͤugthiere, die Fiſch⸗Säugthiere find Bezeichnun⸗ gen, hervorgegangen nicht aus eitler Sucht Neues und Auf— fallendes vorzubringen, fondern aus tiefer, großartiger Auf⸗ kaſſung der natürlichen Verwandtſchaftsverhaͤltniſſe. Jahr⸗ underte werden vergehen, ehe das hier leicht in den weiſe— m Umriſſen Angedeutete, weniger im Einzelnen Gepruͤſte, im Ganzen richtig Erkannte in engern Kreiſen durchge⸗ ihre iſt: jede neue Entdeckung wird eine Abänderung des Baues erheiſchen; aber der Grund iſt trefflich, der Plan iſt vielleicht der Einzige, der es e ein Bild uns zu en von dem, wie es iſt. —
5 Einer leichter moͤglichen, wenn auch immer noch hoͤchſtſchwierigen Characteriſtik wegen habe ich einige in manchfacher Beziehung von den übrigen abweichende Ars ten des Meigenſchen Genus Dolichopus von dieſem als
leicht auch der Billigung deſſen ſich zu erfreuen haben wird, der Trennung in zu viele beſonders benamte Unterab⸗ eilungen, wie man fie namentlich bey einigen Kaͤferfami⸗ n in neuerer Zeit vorgenommen hat, abhold iſt.
1. Dolichopus.
Hypostoma subaequilatum. Antennarum articuli basales
wi
*
Trophi * a vix cernendi. conjuncti: apicalis liber, acutus: seta dorsali. ** Nervus alarum quartus mox post anastomosin cum
ut convexum.
ransversali aut ſrectangulariter fractus, aut sursum
xus, aut rectus.
f Abdomen maris incurvum, vagina longa, la- A 2 5 * mellifera. . . Be » 2. Ammobates. *** \
- , -Caput compressum, planiusculum. Hypostoma dio subdilatatum. Trophi prominuli. Autenna— articuli basales conjuncti, apicalis liber, obtu- s: seta dorsali. Nervus alarum quartus mox post astomosin rectus, tum obtusangulariter sursum tus. Articuli tarsorum anticorum IR qua- tuor in utroque sexu breves.
5 Abdomen maris incurvum, vagina i longa lamellifera. N Außer den ebengenannten Unterſchieden habe ich noch blende; minder weſentliche anzuführen: das Untergeſicht bey Dolichopus mehr bogenfoͤrmig abwärts gerichtet, Ammobates etwas vorſpringend; bey e iſt
4
*
= 8 * 1 ® für instrumenta cibaria nach Kitby's Vorſchlag. * im Gegenſatz von seta apicalis wie bey den meiſten Arten von Porphyrops, Es wurde „seta basali“ heißen konnen, wenn nicht einige Arten eine Ausnabme machten. e von ähos Sand und Balve ich gehe.
eee scil, organorum generationis in mare, Co bele 183 7. Best z.
w
enus oder Subgenus getrennt, eine Theilung, die viel-
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es durch eine kaum bemerkbare Rinne in eine obere und untere Hälfte geſchieden, bey Ammobates iſt die Tren⸗ nung deutlicher und bende Hälften. bilden bisweilen einen, freylich ſehr ſtumpfen Winkel. Bey Ammobates iſt im⸗ mer die Fuͤhlerborſte an der Baſis verdickt und felbft deut: lich zweygliederig, eine Erſcheinung, die nur dey ſehr weni⸗ gen Arten von Dolichopus vorkommt. Die Flügel find bey Dolichopus faft immer bedeutend länger, als der Hin— terleib; bey Ammobates ragen fie kaum uͤber denfelben weg. Die Verdickung der erſten Laͤngsader bey ihrer Eins
muͤndung in die Fluͤgelrippe erſcheint bey den Arten, wo ſie
vorkommt, als ein das Maͤnnchen auszeichnendes Merkmal; bey Ammobates iſt ſie ſchwach und eine Andeutung davon kommt in einer Art, A. notatus ſelbſt beym Weibchen vor. Die Koͤrperfarbe aller Arten von Dolichopus ift eine mehr oder weniger lebhaft grüne, der Körper der Ammobaten zeigt eine aus grün und grau gemiſchte Farbung. Die Be⸗ haarung des Koͤrpers iſt in den Arten der Gattung Am- mobates dichter, als in denen von Dolichopus. Die maͤnn⸗ lichen Geſchlechtstheile von Ammobates, deren genauere Darſtellung mir theils der Seltenheit der Thiere wegen, theils weil ich ſie nicht friſch unterſuchen konnte, unmoͤglich iſt, zeigen eine Anlage zur Bildung mehrer Lamellenpaate, die von dem aͤußern, das wir auch bey den Dolichopus- Arten antreffen, umſchloſſen werden.
Aeußere Grganiſation.
Der Kopf iſt ziemlich groß, rundlich, zuſammenge⸗ druͤckt, conver, vorn etwas converer als hinten. Seine Seiten nehmen die großen, etwas vorſpringenden, unregel⸗ mäßig länglich⸗ runden, im lebenden Thiere ſchoͤn grünen, facettierten Augen ein, deren Grenze nach hinten, außen und unten durch einen Kranz kurzer Borſten bezeichnet wird. Sie werden unten durch das etwas eingedruͤckte Untergeſicht getrennt und haben oben, wo ſie bedeutend divergieren, die Stirn zwiſchen ſich. Die Fühler liegen ſeitlich an der Grenze der Stirn und des Untergeſichts. Sie beſtehen aus 3 ſeitlich zuſam⸗ mengedruͤckten Gliedern, deren unterſtes mit ſeiner ſchmalen Baſis in einer kleinen Vertiefung der Stirn beveſtigt iſt, deren Endglied, immer etwas zugeſpitzt, bald an ſeiner Ba— ſis, bald auf der Mitte feines Rückens eine bald behaarte, bald nackte Borſte trägt. Immer find die beyden Wurzel glieder enger mit einander verbunden, als mit dem End⸗ glied, das ziemlich frey dem mittelſten Gliede aufſitzt. Wie ſehr Verſchiedenheit des Geſchlechtes und der Art auf die Geſtalt, Bekleidung und Faͤrbung der Fuͤhler einwirke, wird
aus den folgenden Abſchnitten deutlich werden.
Eine ſchmale, meiſt ſchwer ſichtbare Linie bereit die Grenze zwiſchen der oberen und unteren Hälfte des Untergeſichts, das durch eine ſchwache, kaum erkennbare Laͤngsfurche in zwey ſeitliche Hälften getheilt wird. Die untere Haͤlfte des Untergeſichts bedeckt die Mundtheile. Die⸗ fe beſtehen aus einer cylindriſchen Lippe, deren Umfang: bey den verſchiedenen Arten verſchieden ſich zeigt: fie iſt haͤutig, weich, fein behaart und an ihren etwas wulſtig umgewoefe⸗ nen Raͤndern mit kurzen Borſten beſetzt. Die Lippe wird oben bedeckt von 2 flachen laͤnglichen, behaarten, haͤutigen Taſtern, deren Faͤrbung bald ſchwarz, bald gelb erſcheint Oberhalb des Mundes liegt eine kurze, ſtarke, hornartige 5 3
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abtwärtögebogene, fpigige Lefze, die an ihrer Vorderſeite conver, an ihrer Unterfeite ausgehoͤhlt iſt. Unter der Lefze liegt die etwas aufwaͤrts gebogene hornartige, ſpitzige Zun⸗ ge, deren Farbe, wie die der Lefze, meiſt gelb iſt.
Auf der ſteilen Stirn liegen zwiſchen einigen laͤngeren ſchwarzen Borſten die 3 einfachen Augen.
Durch einen ſchmalen, kurzen Hals iſt mit dem Ko: pfe der Thorax verbunden, det auf dem converen Ruͤcken ohne Abtheilungen erſcheint, hier aber mehrere Laͤngsreihen ſchwarzer borfienartiger Haare trägt. Seine flachgedruͤckten Seiten ſind durch Furchen in viele, kleine, ziemlich ſcharf begrenzte Flächen getheilt. Es würde nicht ſchwer fallen, dieſe einzelnen Abtheilungen nach der von Chabrier, Latreil⸗ le und Kirby vorgeſchlagenen Weiſe zu bezeichnen. Da aber bey der Feſtſtellung dieſer Benennungen faſt immer nur die bekannteren Ordnungen der Inſecten, wie die der Kaͤfer, der Schricken, der Vierfluͤgler u. ſ. w. beruͤckſichtigt wurden, dieſelben aber nur durch genaue Bekanntſchaft mit der Me⸗ tamorphoſe, die die einzelnen Theile, auf die fie angewen⸗ det werden, in allen Ordnungen erleiden, allgemeine Güls tigkeit erlangen koͤnnen; ſo habe ich derſelben, um jeder Verwirrung vorzubeugen, mich noch nicht bedient und ver⸗ ſchiebe die Bekanntmachung genauerer Angaben uͤber das Verhaͤltniß dieſer Theile bey den Dolichopoden auf eine Zeit, wo ich fie bey mehren Zweyflüglergattungen ſorgfaͤlti⸗ ger unterſucht und ihre Anordnung mit der andern Abthei— lungen zukommenden verglichen haben werde. Aus demſel⸗ ben Grunde bin ich oben bey Beſchreibung der Mundtheile noch der Meigen'ſchen Bezeichnungsweiſe gefolgt.
Hinter dem Thotax liegt das aufwaͤrtsgerichtete, nach hinten etwas bogenfoͤrmig erweiterte Schildchen, das den abwaͤrtsſteigenden Metarhorar überragt.
Das vorderſte Fußpaar iſt ifoliert: die beyden hinte⸗ ten ſind einander ſehr nahe geruͤckt. Zwey kleine Zwiſchen⸗ ſtücke ſcheiden die ziemlich lange Hüfte von dem ſtarken Schenkel, der vermittelſt eines anderen Zwiſchenſtückes bes weglich mit dem Schienbein verbunden iſt. Die Schienen ſind an den Seiten immer mit einigen Borſtenxeihen beſetzt und die hinteren am unteren Ende mit einem Borſtenkranz. Jeder Tarſus beſteht aus 5 Gliedern, deren jedes an ſei⸗ nem Ende ein Paar kurzer Borſten trägt. An der Spitze des letzten Larſengliedes befindet ſich die aus ſtark gekruͤmm⸗ ten Häkchen gebildete Klaue.
Die unbedeckten Schwinger haben einen ziemlich lan⸗ gen Stiel, deſſen Ende ein kleines Knoͤpfchen trägt. Die Schüppchen find klein, liegen dicht unter und hinter den Flügeln und ſind am Rande ſtark und lang behaart.
Die Fluͤgel ſind laͤnglich und in Groͤße und Geſtalt bey den einzelnen Arten manchen Abweichungen unterworfen. Immer iſt ihre Rippe etwas verdickt und dunkelgefaͤrbt. Die Zahl der Laͤngsadern beläuft ſich auf 6. Die erſte muͤn— det meiſt ſchon im erſten Viertel der Flügellänge in die Rippe. Die 2te und zte entſpringen aus einer gemeinſchaft⸗ lichen Wurzel, trennen ſich aber ſehr bald und enden in den Spitzenrand des Fluͤgels. Die 4te entſpringt geſondert, ſteht hinter der Mitte der Fluͤgellaͤnge durch eine Querader
mit der sten Laͤngsader in Verbindung, verläuft ſpaͤter er weder faſt gerade, oder iſt aufwaͤrts geſchwungen oder ge die Mitte ihres Verlaufes nach der Anaſtomoſe, mit t sten Ader rechtwinkelig aufwätts gerichtet: fie endet in d äußerſten Fluͤgelſpitze. Die ste Längsader endet im Hint rande des Flügels und iſt am Urſprunge mit der öten ve bunden, die ſehr kurz, blind aufhört, ohne den Fluͤgelran zu erreichen.
Der beym Männchen in 6, beym Weibchen in 5 ſchnitte zerfallende Hinterleib iſt von dem Metathorax durch ke verengtes Mittelglied geſchieden: er iſt faſt walzenfoͤrmi nimmt jedoch von vorn nach hinten an Breite ab und haͤufig auch etwas ſeitlich zuſammengedruͤckt. Die einzelnen Segmente beſtehen aus oberen, größeren und unteren, kl neren Platten. An der Grenze beyder findet man an den erſten 5 Segmenten eine Reihe kleiner punctartiger Vertiefun⸗ gen. Das erſte Segment wird an den Seiten durch einen anliegenden, zum Thorax gehoͤrigen Theil eingeſchloſſen.
Auffallend iſt die Geſtaltung der äußeren maͤnnlichen Geſchlechtstheile, die unter den Bauch gebogen, aus mehre ren, der ſeitlichen Symmetrie entbehrenden Stüden zuſam⸗ mengeſetzt ſind, deren Ende zwey auswärts converxe, inwen⸗ dig leicht ausgehoͤhlte, auf einem ſchmaͤlern Stiele beveftigs te, haͤutige Platten trägt, die an den Rändern mit Wine pern beſetzt ſind, von denen die am Spitzenrande beveſtigten buch größere Dicke und auch dadurch, daß fie meiſt kleinen haͤutigen Hervorragungen aufſitzen, ſich auszeichnen. Dit große Zahl der Abweichungen in der Geſtaltung dieſer Or, gane bey den einzelnen Arten, fo wie die Schwierigkeit ih⸗ rer Erkenntniß an getrockneten Exemplaren, haben mich vers hindert, ſie bey allen Species mit der noͤthigen Sorgfalt zu unterſuchen. Ich habe daher bey den meiſten Arten nur die vorzüglich in die Augen fallenden Verſchiedenheiten angeges ben, wobey zu bemerken, daß ich dem abwaͤrts gebogenen, am letzten Abſchnitte des Hinterleibes beveſtigten, aus vie⸗ len Stuͤcken zuſammengeſetzten, die Lamellen tragenden Theil in den Artbeſchreibungen den Namen Vagina gegeben.
Hier will ich die aͤußern männlichen Geſchlechtstheilt des Dolichopus ungulatus, der am meiſten verbreiteten europäifchen Art genauer beſchreiben, ohne jedoch im Stan⸗ de zu ſeyn, etwas über die Bedeutung der einzelnen Theil anzugeben. Fr 1
2 — 2
Dolichopus.
1. Das Wurzelglied der hinterſten Tarſen geſtachelt (die ate Längsader der Flügel rechtwinklig gebrochen oder aufwaͤrts geſchwungen.) - ar
1. Das zweyte Fühlerglied fo lang (mas) oder längee als das 3. (fem.). \ 2. Das 2te Fühlerglied kurzer als das zte D. latipennis A. ste Längsader der Fiügel rechtwinklig gebrochen. D. ornatus,|nitidus, nitens griseipennis,fcilifemoratus®
„D. cilifemoratus gehörte fireng genommen in die te Abe theilung oder zu den Arten, deren Ate Laͤngsader aufwärts
37 i B. ate Längsaber aufwärts geſchwungen
a. ztes Fühlerglied ſtark behaart, lang, ſcharfzugeſpitzt 7 7 1 2 D. longicornis|acuticornis
V. gtes Füblerglied faſt nackt, die Spitze weniger ſcharf 8. die vordern Tarſen beym Maͤnnchen verlängert, erweitert oder ſtaͤrker behaart, als beym Weibchen f D. claviger pennatus discifer popularis patellatus |planitarsis er brevipennis|urbanus 5 melanopusſlongitarsis pennitarsis
6. die Tarſenbildung in beyden Geſchlechtern gleich » Fühler an der Baſis gelb, - D. arbustorumfagilis
rt
25 RR 5 simplex flavipes Un. 5 Fühler ſchwarz D. vulgaris geniculatus : unsulatus | campestris 2 ; h nubilus atripes MT punctum picipes 1 vitripennis| atratus
II. Das Wurzelglied der hinterſten Tarſen ungeſtachelt. (die ꝗte Laͤngsader der Flügel faſt gerade.) 1. Glied x u. 2 der hinterſten Tarſen gleich lang. A. Fuͤhlerborſte gefiedert 5 D. nobilitatus
ö SER chalybeus B. Fuͤhlerborſten faſt nackt. 0 D. nigrilamellatus R : nigriplantis germanus
infuscatus fumipennis
Chaerophylli nigripennis lobscurellus
3. Glied 2 der hinterſten Tarſen länger als Glied . a; Fuͤhletborſte faſt nackt D. gracilis \ rusticus } pilicornis * . aerosus
b. Fuͤhlerborſte gefiedert 5 a. Vorderſter Tarſus kuͤrzer als die vorderſte Tibia D. chrysozygos
F. Vorderſter Tarſus und vorderſte Tibia ungefähr gleich lang D. cupreus celer
metallicus
An dem letzten ſehr kurzen Abſchnitt des Hinterleibs (Fig. 4. 5. a. a) iſt ein kleines Glied eingelenkt (Fig. 4.
geſchwungen iſt, und muß als Bindeglied beyder Abtheilun⸗ gen betrachtet werden.
® D. pilicornis nähert ſich durch Bau- u. Bekleidung der Füh⸗ ler dem D. longicornis und D. acuticornis.
——— — —
38 5. b. b.), das an der linken Hälfte (Fig. 4. 6.) etwas größer und breiter iſt, als an der rechten (Fig. 5. 6.). Es hängt durch das untere Ende feiner linken Hälfte zufams men mit einem nach außen convexen glaͤnzenden, faſt kreis- runden haͤutigen Blatte (Fig. 4. d), waͤhrend an das En» de feiner rechten Hälfte ein kleineres, ebenfalls nach außen convexes haͤutiges Blatt beveſtiget iſt (Fig. 5. c.), das von oben nach der linken Hälfte hinüber ſich erſtreckt (Fig. 4. ec’ c.) und hier theils mit dem obern Ende des Gliedes b. ſelbſt, theils mit dem dort ſich anſetzenden runden Blatte zuſammenhaͤngt und durch eine Vertiefung in zwey nach aus ßen convere Theile zerfällt (Fig. 4. c“ c.). Eine große nach außen convere Scheide oder Rinne (Fig. 4. 5. e. e.)
beveſtigt ſich theils an das haͤutige Blatt der rechten Seite
(Fig. 5. C.), theils an das Ereisförmige der linken (Pig. 4. d.), längs deſſen unterer Seite fie ſich erſtreckt. Sie if an ihrer Baſis breiter als an ihrem Ende, wo fie leicht ein- gekerbt erſcheint (Fig. 2. e. e.). Ihre beyden Schenkel convergieren oben etwas, wo fie einen aus zwey gelben dicht aneinander liegenden Hautplatten beſtehenden Theil umfaſ⸗ ſen (Fig. 4. 5. f. f.), deſſen Platten ſpaͤter auseinander weichen und am Ende mit einem kleinen Stachel bewaffnet ſind (Fig. 4. 5. h. h.). In der Mitte dieſer beyden Hautplatten, doch etwas höher als ſie, liegt ein langer, ſchma⸗ ler, dünner, griffelförmiger, am Ende knopfartig verdickter Theil von gelber Farbe, der anfangs von den dicht anein⸗ der gelegenen Hautplatten umfaßt wurde (Fig. 4. 5. g. g.
ig. 2. a. Fig. 1. b.). Am Ende der Scheide befinden ſich noch einige merkwuͤrdige Theile, von denen zunaͤchſt zwey große auf einen ſchmalen Stiel beveſtigte duͤnnhaͤutige Lamellen (Fig. 1. a. a. Fig. 5. Fig. 4. i. Fig. 5. i. i.) in die Augen fallen, die nach außen conver, nach innen concav ſind. Ihre Flaͤchen ſind mit ſehr feinen duͤnnen Haaren beſetzt: ihre Raͤnder mit laͤngeren Wimpern, die am Endrande ſtaͤrker und laͤnger aus kleinen haͤutigen Her⸗ vorragungen entſpringen. An der Innenſeite jeder Lamelle findet ſich eine Menge kleiner ſchwarzer Erhabenheiten, die, wie eine ſtarke Vergroͤßerung zeigt, aus dicht neben einanders ſtehenden ſehr kurzen ſteifen Borſten beſtehen. Dieſe gro⸗ ßen Lamellen umſchließen noch 3 Paar dunner, ſchmaler, langer, haͤutiger Blättchen (Fig. 2. a. a. b. b. c. c., deren aͤußerſtes am Ende mit einem klauenartigen Fortſatz b“ b“ verfehen iſt. * — .
Die weiblichen Geſchlechtstheile find bey allen Arten ganzlich in den Hinterleib zuruͤckgezogen. — Anordnung der Arten des Genus Dolichopus. Vor Meigen rechnete man, wie ich oben auseinan⸗ dergeſetzt habe, zum Genus Dolichopus nicht nur alle in
die Familie der Dolichopoden gehörigen Arten, fondern auch diejenigen, welche die Meigen'ſche Familie der Platy-
„Mit dem größten Danke muß ich hier Herrn Schum⸗ mels erwähnen, durch deſſen zuvorkommende Güte mir die ſchoͤnen Abbildungen Fig. 1. 2. 3 zu Theil wurden. Die beyden andern habe ich ſelbſt gezeichnet.
pezinae bilden. Dieß gilt ſowohl von Latreille und Fa⸗ bricius, als auch zum Theil noch von Wiedemann und Fallen, die diele hierher gehörige Arten beſchrieben. Die Verſuche, die einige dieſer Schriſtſteller zu einer Anordnung der hierher gehoͤrigen Arten machten, koͤnnen alſo jetzt un⸗ moͤglich mehr paſſend ſeyn. Bey Meigen u. Macquart, die in der letzten Zeit die Zahl der Arten durch Beſchrei— bung vieler neuer am bedeutendſten vermehrten, finden wir uͤber die Verwandtſchaftsverhaͤltniſſe, in denen dieſelben zu einander ſtehen, gar nichts. Da aber eine Zuſammenſtel⸗ lung des Verwandten als ein nothwendiges Erforderniß ers ſcheint, nicht allein zur leichteren Erkenntniß der Mobıfica: tionen, deren ein und derſelbe Typus unter gegebenen beſtimm— ten Bedingungen fähig iſt, ſondern auch zur Erleichterung des Auffindens der Arten: fo glaubte ich einen Verſuch ma⸗ chen zu muͤſſen, das Verwandte dem Verwandten anzureis ben, der jedoch bis jotzt vorzuͤglich nur eine bequemere Ue⸗ berſicht der Arten bezweckt.
Ueber die Bekleidung und das Laͤngenverhaͤltniß der Glieder der hinterſten Tarſen, deren ich mich als Einthei— lungsgründe bediente, iſt von Meigen und den uͤbrigen Schriktſtellern nur bey wenigen Arten etwas angegeben: doch kann ich verſichern, nie zufällige Abweichungen derſelben beobachtet zu haben. Bey Betrachtung der Fuͤhler ſind die ſexuellen Differenzen nie außer Acht zu laſſen.
Geſchlechtscharacter.
Kaum moͤchte bey einer Familie der Zweyfluͤgler der Geſchlechtsunterſchied ſo deutlich und in ſo manchfachen Richtungen hervortreten, ausgepraͤgt, ſowohl in dem allge— meinen Bau, als in der Geſtaltung, den Groͤßenverhaͤltniſ⸗ ſen, der Bekleidung und Faͤrbung der einzelnen Organe, wie bey der der Dolichopoden. Da die gegenwärtige Ab— handlung aber nur mit einer Gattung dieſer großen Fami— lie ſich beſchaͤftigt, ſo bemerke ich hier nur, daß viele der der Gattung Dolichopus ſchiede noch deutlicher bey den uͤbrigen Gattungen ſich aus— geſprochen finden, viele derſelben dieſen aber mangeln, ans dere aber ihnen wieder zukommen, die wir bey den aͤchten Dolichopoden vermiſſen. So finden wir z. B. das bey Dolichopus im Maͤnnchen größere dritte Fühlerglied auch bey den verwandten Gattungen, namentlich der Gattung Porphy rops,. und zwar tritt die Verlängerung dieſes Dr: gans in den Maͤnnchen einiger Arten diefer Gattung fo. bes deutend hervor, daß Meigen diefelben unter dem Namen Rhaphium in ein beſonderes Genus vereinigen zu muͤſſen glaubte, was er ſchwerlich gethan häben wuͤrde, weibliche Exemplare dieſer Thiere bekannt geweſen wären, bey denen das zte Fuͤhlerglied kaum länger iſt, als bey den Weibchen der zur zweyten Unterabtheilung der Gattung Por- phyrops gehoͤrigen Arten. Aus einem ähnlichen Grunde wird die Meigen’ ſche Gattung Sybistroma kaum haltbar ſeyn, indem der einzige weſentliche Character derſelben, die Verlängerung des erſten Gliedes der Fuͤhlerborſte, nur dem Maͤnnchen zukommt. — Doch ich kehre nach dieſer Ab— ſchweifung zur Gattung Dolichopus zuruͤck. Hier gibt es
ſexuelle Unserichiede,. die ſich auf alle Arten erſtrecken, an⸗
dere, die einer kleinen Gruppe verwandter Arten zukommen, noch andere, die ſich nur dep einzelnen Arten finden:
zukommenden ſexuellen Unter-
wenn ihm
Die bey allen Arten, nur in verſchiedenem Gate vor · kommenden Geſchlechtsunterſchiede find nach Meigen:
I. das beym Männchen ſchmaͤlere Untergeſicht.“ =
2. das beym Maͤnnchen unter den Bauch Wee Af⸗ terglied.
Nach meinen Unterſuchungen ſind die Männchen alle Arten durch folgende Unterſchiede ausgezeichnet:
1. das Endglied der Fuͤhler iſt länger als beym Weibchen. 2. das Untergeſicht iſt immer ſchmaͤler, als beym Weib⸗
chen und was hiermit in Verbindung ſteht; die Augen ſind groͤßer. 5
3. Der Hinterleib beſteht, die . ſcheidenartige Umgebung der Geſchlechtstheile ungerechnet, aus 6 Seg⸗ menten, während ſich beym Weibchen nur 5 finden.
Somit finden wir bey den Maͤnnchen eine ſtaͤrkere Entwickelung der aͤußeren Sinnesorgane (Fühler und Augen) und größere Laͤnge des Hintetleibes, depdes Unterſchiede, die den ee vieler Inſecten anderer Ordnungen mie men. * f
Die uͤbrigen, weniger allgemeinen Unterſchiede beirefe, fen theils die Geſtaltung, theils die Größe, theils die Bes kleidung oder Faͤrbung der einzelnen Organe. Im Allge⸗ meinen läßt ſich Folgendes hierüber feſtſtellen: ; 1 0
x. die Maͤnnchen zeichnen ſich aus durch ſtaͤrkere Ausbil⸗ dung einzelner Organe, mag dieſelbe durch bedeutendes re Entwickelung in die Laͤnge, Breite oder Dicke, oder durch flärkere Behaarung ſich offenbaren, ſowie auch lebhaftere Faͤrbung. —
2. Dieſe Unterſchiede finden ſich auf manchfaltige Wei⸗ ſe in den verſchiedenen Arten vereint; bald ſind viele zugleich vorhanden, bald wenige, bald iſt nur einer da.
3. Die Größe des ganzen Körpers differiert nach der Se⸗ rualität nicht bedeutend und es läßt ſich bey den haͤu⸗ fig vorkommenden individuellen Verſchiedenheiten nichts beſtimmtes daruͤber angeben.
Bey der Betrachtung der einzelnen Organe ruͤckſicht⸗ lich ihres Verhaltens in den beyden Geſchlechtern komme ich zuerſt auf die Fuͤhler. Wenn auch im Allgemeinen ſchon bemerkt wurde, daß das dritte Fuͤhlerglied im Männchen vorzugsweiſe entwickelt iſt, ſo glaube ich dennoch hier auf einige Arten aufmerkſam machen zu muͤſſen, bey denen dieß vorzuͤglich in die Augen faͤllt. Solche ſind: D. latipennis, wo im Männchen das zie Fuͤhlerglied ſehr wenig länger iſt, als das zweyte, im Weibchen aber das zweyte jenes an Laͤnge übertrifft, D. acuticornis, D. longicornis, D. pi- licornis. 9
Die Faͤrbung der Fuͤhler erleidet meinen Beobachtan gen zufolge nach dem Geſchlechte keine Verſchiedenheiten und wenn Meigen bey D. simplex einer ſolchen erwaͤhnt, fo ſcheint er mir zu irren und das Wee des D. N tarsis zu befchreiben.
* Meigen ſchließt mit Unrecht den D. nobilitatus von dieſer Re: gel aus. Vgl. das bey dieſer Art darüber bemerkte. Vgl. Klug, Schriften d. Geſellſchaft naturforſch. Freunde
zu Berlin 1, 68, und Burdachs Phyſiologie Thl. 1. p. 240;
di Fuͤhlerborſte der mir bekannten europaͤiſchen Ars
iſt ebenfalls in beyden Geſchlechtern auf gleiche Weiſe ildet, bekleidet und gefaͤrbt. Das Weibchen einer von ſcholtz von feiner Reife um die Welt mitgebrachten, im erliner Muſeum befindlichen Art iſt durch eine bedeutende « knopffrmige Verdickung am Ende der Borſte vom Weib: cen verſchieden.
0 Das Untergeſicht zeigt außer dem oben angegebenen, allen Arten gemeinſchaftlichen Unterſchiede noch haͤufig durch die Färbung bedingte ſexuelle Differenzen. Bey den meiſten Arten iſt dieſer Theil in beyden Geſchlechtern ſchoͤn filbers weiß gefärbt, bey wenigen graulichweiß. Die Maͤnnchen einiger Arten aber zeichnen ſich aus durch eine goldgelbe Färbung deſſelben, wie: D. atripes, pennatus, pennitar- sis, popularis, signatus, chrysozygos, bicolor, bifur- catus, geniculatus; oder durch eine gelblichweiße, wie D. nitens, longicornis, cilifemoratus, gracilis, in wel: chen Fällen diefer Theil beym Weibchen eine filberweiße Farbung hat. Iſt das Untergeſicht des Maͤnnchens ſchwaͤrz⸗ lich, wie bey D. aerosus, fo iſt es beym Weibchen grau. Lichtere Faͤrbung dieſes Theiles ſcheint ſomit dem Weibchen eigenthuͤmlich zu ſeyn.
| Die Beine zeigen nach der Sexualverſchiedenheit bes deutende Unterſchlede aller Art. Eigenthuͤmlich geſtaltet bey den Maͤnnchen vieler Arten finden wir zunaͤchſt die Vorder⸗ und Mitteltarſen, deren einzelne Glieder häufig. breit ges drückt find. — Breitgedrückt iſt das letzte Glied der Vor: dertarſen bey den Männdyen von D. claviger, patellatus, melanopus und discifer; in der letzten Art zugleich ges borſtet. In den Maͤnnchen von D. pennitarsis iſt das erſte, von D. signatus das zweyte und dritte, von D. po- pularis das dritte und vierte, von D. plumitarsis das ste Glied der Mittelfuͤße etwas verdickt und zugleich dichtbor— ſtig; ſehr wenig breitgedruͤckt und ſchwach geborſtet iſt das Ste Glied der Mittelfuͤße von D. nigriplantis.
Jedes der vier Endglieder des vorderſten Tarſus iſt bey den Maͤnnchen einiger Arten etwas nach hinten gebogen und an der Hinterſeite mit kurzen horizontalſtehenden ziem⸗
lich ſtarken Haaren dicht beſetzt. So bey D. nitidus Fall.
und D. cilifemoratus.
AJn vielen Arten iſt der Vorderfuß des Maͤnnchens etwas langer, als der des Weibchens. Dieß findet mehr oder weniger Statt dey D. popularis, patellatus, brevi- pennis, claviger, discifer und pennitarsis.
Bisweilen iſt die Tarſenklaue im Maͤnnchen durch bes deutende Größe ausgezeichnet, wie z. B. bey D. planitarsis und D. urbanus am mittleren Tarſus.
Beym Männden von D. pennitarsis iſt die mittelſte Tibia länger, dünner und auch ſchwaͤcher geborſtet als beym Weibchen. Die Männchen einiger Arten haben lange, zarte, wimperartige Haare unter den Schenkeln, die den Weib⸗ chen fehlen. So D. ungulatus an allen Schenkeln, D. . an den vorderen, D. nitidus, D. cilifemoratus, . arbustorum, D. brevipennis, D. griseipennis an hinteren. Kurz find dieſe Wimpern bey D. punctum, D. signatus, D. campestris, D. geniculatus, D. xi · God izt. Heſt 3, i
—
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erilamellatus. Die Färbung der Beine bietet nach den Geſchlechtern ſelten Verſchiedenheiten dar. Nur das Maͤnn⸗ chen von D. chrysozygos hat gelb und weiß geringelte Vordertarſen, welche deym Weibchen gelb ſind. Die ver⸗ dickten oder breitgedrüdten Tarſenglieder der Maͤnnchen von D. patellatus, D. popularis, D. urbanus, D. signa- tus find durch ſchneeweiße Färbung oder ſilberweißen Schim, mer ausgezeichnet. Bey den Weibchen find fie ſchwarz.
Die Fluͤgel zeigen feruelle Verſchiedenheiten, in ſofern vielen Maͤnnchen eine Verdickung und ſtaͤrkere Schwaͤrzung einer Stelle der Rippe eigen iſt, die den Weibchen fehlt. Dieß finden wir bey D. linearis, D. celer, D. latipen- nis, D. longitarsis, D. melanopus, D. cupreus, D. nitidus, D. cilifemoratus, D. nitens, D. geniculatus, D. longicornis, D. punctum, D. gracilis, P. acuticor- nis, D. claviger, D. gri>eipennis, D, agilis, D. flavipes D. pennitarsis, D. brevipennis. D. ornatus, D. un- gulatus. 5
Auch in der Faͤrbung der Flügel finden wir Verſchie⸗ denheiten nach dem Geſchlechte. Die Fluͤgel des maͤnnlichen D. nobilitatus ſind braun und haben eine ſchneeweiße Spitze; die des Weibchens find ſehr lichtbraun mit glashele ler Spitze. Die Fluͤgel des maͤnnlichen D. atratus ſind ſchwarzbraun: zwey weibliche Exemplare zeigten eine dunkle⸗ re, eines eine hellere Farbung, als die Maͤnnchen. Die Fluͤgel der Weibchen von D. germanus, D. fumipennis, D. chalybeus, D. fuscipennis, D. nigripennis und D. nigriplantis find heller gefärbt, als die der Maͤnnchen. Vielleicht fehlt dem noch unbekannten Weibchen von D. punctum der das Maͤnnchen auszeichnende braune Fleck im Fluͤgel. i f
Nach Fallen fol die 4te Laͤngsader des Weibchens von D. latipennis weniger far gekruͤmmt fepn, als es beym Maͤnnchen der Fall iſt.
Varietaͤten.
Was ich über das Variieren der Dolichopoden an» zuführen vermag, iſt im Weſentlichen Folgendes:
I. Abweichungen in der Geſtalt, Ueberzahl oder Manı gel einzelner Theile ſind mir nicht vorgekommen.
2. Nicht ſelten variiert die Körpergröße, wovon na⸗ mentlich D. germanus einen deutlichen Beweis gibt.
3. Der Verlauf der Fluͤgeladern zeigt durchaus Beine Abweichungen bey verſchiedenen Individuen einer und der⸗ felben Art. 5 -
4. Sehe wenig natürliche Abweichungen zeigt die Bes kleidung der Theile, bisweilen aber auch erworbene z. B das Abreiben der Haare. Zu erſteren rechne ich die, jedoch ſel⸗ tene und nur bey wenigen Arten vorkommende Veraͤnderlich⸗ keit in der meiſt ſehr beftändigen, für einige Arten einen untergeordneten, leicht erkennlichen Character darbietenden Zahl der an der Unterſeite der Schenkelſpitze beſindlichen ſchwarzen Borſten.
5. Am meiſten variiert die Faͤrbung und zwar vor⸗ züglich die des ganzen Korpers oder die grüne, die bald in die ſtahlblaue übergeht, wovon ich unter anderen ein aufe fallendes Bepſpiel dey D. ungulatus angeführt, J bald ſich
3 5 x
“
*
4 mehr zum kupferfarbenen hinneigt, was ebenfalls nicht ſel⸗ ten vorkommt. Wegen der Allgemeinheit der grünen Koͤr— perfarbe glaubte ich ihrer trotz ihrer manchfachen Nuͤan— gen in den Diagnoſen, die ja nur das fuͤr die Erkenntniß einer Art weſentlichſte enthatten ſollen, nicht gedenken zu dürfen, obgleich es von allen meinen Vorgängern geſchehen iſt. Die gelbe Farbe der Beine geht bald etwas mehr ins ſchmutzige oder graugelbe Über, bald mehr ins braune. Eis nige Arten haben an den Fußſpitzen einen ſilberweißen Schim⸗ mer, deſſen Staͤrke variiert, indem er durch das Worhänden» ſeyn ſehr feiner dichtſtebender, weißer Haͤrchen bedingt zu ſeyn ſcheint, die ſich leicht abreiben. Dr
Lebensart. Die zur Gattung Dolichopus gehörigen Thiere ſchei—
nen dom Raube zu leben: den ID. ungulatus ſah ich mehr: mals mit kleinen Inſeeten im Munde, die er auszufaugen ſchien; den D. pennitarsis einmal, wie er uͤber eine kleine Tachydromia herfiel.
8 Die meiſten Arten halten ſich gern in der Nähe fum: pfiger oder uͤberhaupt waſſerreicher Stellen auf und finden ſich hier auf niedrigem Gebuͤſch und Waſſerpflanzen; vors zuͤglich lieben ſie die Erlen, auf deren Blaͤttern ich ſie bald ſtille ſitzend, bald ziemlich langſam laufend haͤufig ſah. Dieß gilt namentlich von den meiſten Arten, deren Maͤnnchen durch eigenthuͤmliche. Bildung ihrer vordern Tarſen ſich aus— zeichnen. Doch ſcheinen D. pennitarsis und der ohnedieß durch die gefiederte Fuͤhlerborſte, den verkuͤrzten Vorderfuß, das ungeſtachelte Wurzelglied der hinterſlen Tarſen von den genannten Arten abweichende D. chrysozygos häufiger an weniger feuchten Stellen auf Dornen, Schlehen-, Hage— buchen» und Haſelnußſtraͤuchern vorzukommen. Dadurch reihen fie ſich an einige andere Arten z. B. D. germanus, D. chaerophylli, D. simplex, D. vulgaris, D. agilis, D. nubilus, D. celer, D. nigripennis u. a., die man am haͤufigſten auf Dolden, namentlich den verſchiedenen Ar— ten von Chaerophyllum, Aesopodium, Daucus, An- gelica, Iinperatoria, aber auch auf niedrigem Gebuͤſch bis; weilen von feuchten Stellen weit entfernt findet. Ganz vorzuͤglich aber ſcheinen ſich in der Nähe größerer ſtehender Gewaͤſſer aufzuhalten der D. nobilitatus nebſt den ihm nahe verwandten Arten. Bekannt iſt Geoffroy's huͤbſche Beobachtung, der dieſe Thiere gleich den Hydrometern auf dem Waſſerſpiegel herumlaufen ſah. Ich ſelbſt ſieng den Dol. nobilitatus einigemal am Nande eines Teiches auf Erlen im Hannoͤverſchen, ſpaͤter am Fenſter in Eimsbuͤttel bey Hamburg und zuletzt ebenfalls an einem Fenſter zu Salzbrunn in Schleſien. Einige Arten, wie den D. cu- bpreus und D. metallicus, fo wie auch die durch dunkle Färbung ausgezeichnete D. atripes, D. geniculatus, D. cainpestris findet man nicht ſelten an den Raͤndern flacher ſtehender Gewaͤſſer auf Gras und Equisetum oder vorzuͤg⸗ lich auf dem feuchten Boden ſelbſt, wo ſie vielleicht den klei— neren am Waſſer lebenden Zweyfluͤglern, den Arten der Gat⸗ tungen Ephydra, Notiphila u. a. nachſtellen. Die von mir unter die Untergattung Ammobates vereinten Arten, deren ich, einige ſelbſt gefangen, fand ich in der Nahe größerer Fluͤſſe (Elbe und Oder) im feuchten
—
Sande. Wurden ſie aufgefheuht, fo flogen ſie nie ſondern ſetzten ſich nach einem kurzen Fluge wie er. Geheimerrath Klug fieng ein Exemplar des Ammobe plumipes bey Stettin am Oſtſeeſtrande, und wegen ber, hen Verwanbtſchaft dieſer Thiere mit einigen, vorzüglich der Seekuͤſte lebenden Arten der Gattung Medeterus ( auch ſehr der Sichtung bedarf) vermuthe ich, daß auch Ammobaten ſich dort reichlicher finden werden. f
Selten ſiebt man ein einzelnes Thier einer Art f Dolichopus, meiſtens kemmen viele Individuen beyſamm vor. ! % Der Flug der Dolichopöden iſt von ungleicher Schu ligkeit, je nachdem die Sonne ſcheint, die fie munter maß oder fie im Schatten ſich aufhalten. Sie pflegen ſich my nach einem kurzen Fluge zu ſetzen und ſcheinen ſich nie einer bedeutenden Hohe zu erheben. re
In der Begattung habe ich nur einmal den D acuticornis zu beobachten Gelegenheit gehabt. Das Mälm chen auf dem Ruͤcken des Weibchens ſitzend, hatte mit eie nen Lamellen und ſeiner Scheide die Geſchlechtstheile a den Bauch des Weibchens zum Theil umfaßt, das Wii chen ſelbſt ſaß auf einem Blatte.
Die Dolichopoden erſcheinen in den erſten warm Fruͤhlingstagen im Anfang oder um die Mitte des A und finden ſich dis zum Ende des September oder Anfag des Detober. Ob ſie nur im Larven- oder Puppenſtah überwintern oder ob einzelne ausgebildete Inſecten den Wi tet in Erſtarrung zubringen, daruͤber mangelt mir dis je jede Erfahrung. Dr. Geer fand (in Schweden!) die Lat ven des D. ungulatus im May in der Erde, die ſich wie Anfange des Monats Juny in Puppen verwandelten, n aus ſich gegen Ende deſſelben Monats die Fliegen entw ten. Dieß und der Umſtand, daß viele andere Zweyfluͤg larven im Anfang des Fruͤhjahrs, die Puppen aber erſt was ſpaͤter gefunden werden (wie ich denn auch ſelbſt Kir ven von Syrphus, Eristalis, Thereva, Sargus, Lim- nolia, Tipula in den erſten Fruͤhlingstagen fand) läßt mich vermuthen, daß ſie nicht als Puppen, ſondern als La c ven uͤberwintern. — Der Beſchreidbung der Larven und Puppen, wie fie Dr. Geer gegeben, weiß ich nichts hinzll⸗ zuſetzen und verwelſe daher auf den öten Theil ſeiner Me moires p. 78 nach der Goͤze'ſchen Ueberfegung, fo wie auf die Werke von Macguart und Meigen, die feine Beo bach tungen mittheilen. j
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Was das Vorkommen dieſer Thiere nach ben verfchite denen Landern betrifft, fo laͤßt ſich hierüber wenig ſagen, da die meiſten Gegenden noch zu wenig in dieſer Beziehung unterſucht find. Doch ſcheinen fie ſich ſowohl in den nord lichen als in den ſuͤdlichen Laͤndern Europa's zu finden In Schweden fiengen Dr. Geer, Fallen, Zetterſtedt de D. nobilitatus, D. nitidus, D. ungulatus, D, lat pennis, D. melanopus, D. patellatus, P. planitarsis, D. plumitarsis, D. brevipennis, D. pennitarsis, D. popularis, D. longicornis, P. germanus, D. fulgidus, D. cupreus, D. aerosus, D. obscurellus, D. nigripes nis. In England Leach den D. nitens, D. nobilitatus, D. plebeias, In Deutſchland fiengen Fabricius, Baum
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hauer, Deigen, Schrank, Hoffwmannsegg, Wiedemann, Mes gerle von Muͤhlfeld, von Wintbem, Schummel, Ruthe, Anderſch, Klug und ich folgende Arten: D. nitidus, D. nitens, D. ornatus, D. longicornis, D. acuticornis, D. clav iger, D. discifer, D. brevi« pennis, D. pennitarsis, D. popularis, D. urbanus, D. patellatus, D. melanopus, D. arbustorum, D. lon- gitarsi:, D. cilifemoratus, D. atratus, D. nubilus, D. atripes, D. picipes, D. vitripennis, D. punetum, D. campestris; D. geniculatu, D. Patzer, D. un- gulatus, D. simplex, D. agilis, D. vulgaris, D. no- bilitatus, D. chalybeus, D. nigriplantis, D. germanus, D. chaerophylli, D. nigripennis, D. obscuréllus, D. rusticus, D. relictus, D. aerosus, D. chrysozygos, D. cupreus, 255 celer, D. metallicus, D. reiictus, D. ‚eraneus, D-nisricornis, D. linearis, D. fuscipennis, D. . gratiosus, D. lengicollis; Ammohates e A. no- tatus, A dispar. Im nöldüiche en Frankreich wurden gefan⸗ gen von Geoffroy, Macquart und von Winthem: D. po- pularis, D. melanopus, D. pigrilamellatus, D. ae- rosus, D. cupreus, D. nitidus, D. alifernoratus, . gracilis, D. longicornis, D. vulgaris, D. atripes, N eimplex, D. pennitarsis, D. planitarsis, D. nobi- litatus, D. patellatus, D. germanus, D. chrysozygos, D. ungulatus, D. bicolor, 5. pallipes, D. bifurcatus, p. latilimbatus, D. nanus; D. sublamellatus. Im ſüdl.
Frankt. wurden gefangen D. sriseipennis, D. fla vipes. In Ats italia.
der Schweiz fing Baumhauer d. D. alpinus. niſche Arten wurden von Reſſi angefährt D. ungnlatus und D. nobilitatus. Aus Portugal brachte der Graf Hoff⸗ manndegg mit den D. inkuscatus. — Ob einzelne Arten auf höheren Bergen vorkommen, darüber vermag ich- mit Beſtimmiheit nichts anzugeben; jedoch bemes ke ich, daß ich in den ſchleſiſchen Gebirgen nie einen Dolichopus auf ei⸗ nem höheren Berge; sefangen, wenn auch in den zunaͤchſt one Thaͤlern viele vorkommen.
5 Beſchreibung der Arten. Dolichopus. 1. Articulus basalis tarsorum posticorum spinosus,
1. Articuli singuli antennarum longiludine subae- quales (mas) vel medius apicali longior (fem.).
i. Dolichopus latipennis Fallen.
Diagn. Antennae len capite duplo lor- giores, nigrae. Femora tibiaeque tota, tarsi basi summa lla va.
Br Articuli singuli antennarum subacquales, alae S tigmate nigro (Mas,).
Articulus tertius antennarum reliquis brevibr
(Femina).
Descr. Mas. Proboscis pallide-Hava, subelon- gata. Palpi g grisescentes. Hypostoma candidum, can- dido- -micans, Antennge elongatae, capite duplo lon- giores, c N W articulis singulis longitu-
D. latipennis,
hirta: media spinis terminalibus nigris
Thl.
ticulis apicalibus totis nigro fuscis.
Hypostoma admodum Jatun,
4
dine subaequalibus: primo ac secundo styliformibus, hispidis: apicali dilatato; trilatero, sessili, apice ob-
tusa: seta dorsali, basi valida, apice tenuiore, nigra, nigro-plumosa. Frons chalybeus, nitens, nigro-seto- sus. Thorax aeneo-viridis, nitidus, seriebus longitu-
dinalibus 8 pilorum nigrorum. Santa aeneo-viri- de, nitens, utrinque seta nigra. Pleurae canae, ca- no-micantes, nudae. Halteres pallide-ſlavi. Alulae pallide- -flavae, margine terminali nigro-ciliatıe, Ab- domen aeneo- viride, nitidum, hirtum, parte termi- nali segmentorum singulorum nigrescens, nigro-pilo- sum, lateribus glaucescens. Vagina nigra, nilens, nigro- pubescens. Lamellae pallidae, fere stramineae, nigro-limbatae, marginibus ciliatae: ciliis pigris: mar- ginis externi uncinatis. Coxae anticae flavidae: po- sticae griseae cano-micantes. Femora valida, ſlava, 5: postics 4. Tibiae flavidae, hirtae, nigro-spinosae: spinis seria- libus: posticarum creberrimis. Tarsi nigri: articulo basali summa basi ochraceo: posticorum nigro-spi- noso. Alae latae, breves, subhyalinae, stigmate ni- sro, admodum largo. Nervus longitudinalis quartus fere rectangulariter inclinatus, sursum directus. — Lonsitudine- lineas 3 aequat. S
Synon. Fallen Dolichopodes Sneciae p. 8.1 D. latipennis. Aenescens: antennis elongatis nigris; alis brevibus,. in mare postice dilatatis, "nacula co- stali nigra; pedibus pallidis.
Beſchreib. d. europ. Zweyff. Inf. D. latipennis; Öbscure-aeneus; macula co-
Meigen ſpſtemat. 4 P. 83» 16. antennis elongalis, atris; alis N stali nigra.
Anmerk. Ich habe don dieſer Art 3 ganz gleiche maͤnn⸗ liche Exemplare geſehen, die mein hochgeſchaͤtzter Freund Herr von Winthem zu Hamburg bey Kiel gefangen. Ueber das mir unbekannte Weibchen bemerkt Fallen I. c. folgendes: Femina a mare differt anten- nis. brevioribus, hand ita crassis, defectu ma- culae nigrae costalis ut et cusvatura nervi quar-
„ti minus rectangnlata,
2, Articulus antennarum medius apicali brevior.
a. Nervus longitudinalis quartus alarum rectan- gulariter sursum directus.
2. Dolichopus ornatus, Meigen.
Diagn, Antennae ochraceae, supra apiceque ni- sro-fuscae. Pedes_pallide-flavi: tibiis posticis tarso- rumque -omnium articulo basali apice, tarsorum ar- Alıe hyalinae:
nervo longitud, 4 rectaneulariter sursum directo. s, Descr. Mas.
Stigma alarum nigrum.
Palpi pallide-flavi, albo- micantes. candidum, candido- micens. Antennae capite articulus basalis apicali- longior, distinctus, terminum versus sensim dilata-
tus, ochraceus, supra nigeescens, hispidus, margi-
47 nis terminalis parte inferiore libera, acutangula: ar- ticulus medius brevis, subsessilis, ochraceus, supra nigrescens, hispidus, margine terminali arcuato: ar- ticulus apicalis se silis, infra ventricosus, supra sinua- tus, subacuminatus, nigro-fuscus basi summa ochra- cea: seta basali antenna longiore, incurva, nigra, subinermi, apice levissime plumosa. Frons aureo- viridis, vel chalybeus, nitens, nigro-setosus. Oculi margine postico nigro-, externo pallido- muricati. Thorax elevatus, vel aureo-viridis, vel cuprescens, vel chalybeus, nitens, seriebus |longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Scutellum aureo-viride, ni- tens, utrinque seta nigra. Pleurae griseo- virescen- tes, cano- micantes, subopacae, nudae. Halteres pallide-fla vi. Alulae pallide-flavae, margine termina- Ji nigro-ciliatae. Abdomen aureo- viride, colore hoc interdum in chalybeum transeunte, nitens, dorso segmentorumque singulorum parte terminali nigres- cens, lateribus cano-micans, hirtum, segmenti cujus- ue apice nigro-pilosuim, seginento terininali olivaceo, ere nigro. Vagina obscure-virescens, micans, fusco- pubescens: apice atra, nitens, laevis. Lamellae albi- dae, nigro-limbatae: limbo in parte terminali latiore, nigro-ciliatae: ciliis partis terminalis uncinatis, validio- ribus, longioribus. Coxae anticae pallidae-flavae, cano- indutae, pilis nigris, brevissimis, appressis dense, longio- ribus apice obsitae: posteriores canescentes, apice fla- vae. Femora valida, pallide-flava, hirta: posteriora spiaa terminali nigra. Tibiae pallide-flavae, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibus, anteriorum raris, postiearum crebris: tibiae posticae apice latius nigro- fuscae. Tarsi >inguli tibiis singulis longiores: arti- culo basali pallide-flavo: anteriorum apice nigrescen- te: posticorum nigro-spinoso, apice nigra: articulis terminalibus anteriorum fuscescentibus, posticorum nigrie. Alae hyalinae, stigmate nigro in ostio nervi longitudinalis primi: nervis nigris: longitudinali quar- to jam ante medium decursu inde ab anastomosi cum nervo transversali in angulum rectum sursum direc- to; neryo infra angulum libere continuato.
Longitudine 2½ lineas aequans.
Femina differt: hypostomate latiore, articulo anlennarım terminali breviore, abdomine segmento- rum 5, alis stigmate carentibus.
Synonym. Meigen ſoſtem. Beſchreib. 4. 79. IL. D. ornatus: Thorace chalybeo; abdomine aeneo, an- tennarum basi pedibusque rufis.
Anmerk. 1. Von dieſer Art ſah ich 4 männl. und
weibl. Exemplar, die theils bey Hamburg (Winthem), theils bey Breslau (Schummel) gefangen waren. Spaͤter verglich ich 2 im Berliner Muſeum befind⸗ liche bey Berlin gefangene Exemplare und fieng ſelbſt kuͤrzlich eins in der Nahe von Habelſchwerdt in der Grafſchaft Glatz.
Anmerk. 2. Vergleiche, was übes dieſe Art bey D. ni⸗ tidus Fall, bemerkt iſt. 8
3. Dolichopus nitens Stann. 1 Diagn. Antennae subacuminatae, nigrae. Pe-
des flavi tibiis posticis apice tarsisque nigriss arti- culus tarsorum anteriorum basalis flavus. Alae sub- infuscatae: nervus longitudinalis quartus rectangu-
lariter sursum directus*
Mas. Hypo toma flavescens. Stigma alarum nigrum. f 4
Mas.
Hypostoma flavescens fere stramineum, albido- micans. Antennae nigrae: articulo basali distincto, clariformi, articulo terminali vix longiore, infra sor- dide flavo, marginis terıninalis parte inferiore libe- ra, supra hispidulo; articulo medio subsessili brevis simo nigro, hispido, margine terminali arcuato: articu- lo terminali sessili, infra subventricoso, sursum flexo, subacuminato, seta basali antenna vix longiore, sub- _ inermi, nigra. — Frons aureo-viridis, fere oli ca- ceus, nitidus, nigro-setosus. — Oculi margine po- stico nigro-, externo pallide muricati. — Thorax elevatus, aureo-viridis, nitens: seriebus longitudina- libus 8 pilorum nigrorum. — Scutellum aureo-viri- de, nitens, utrinque seta nigra. — Pleurae opacae, nıdae. — Halteres pallide-Auvi. — Alula pallida, flavescens , margine externo nigro-ciliata. — Abdo- men viride-aureum, nitidum, dorso segmentorumque singulorum parte terminali nigrescens; lateribus ca- no-micans: hirtum segmenti cujusque margine api- cali nigro-pilosum. — Vagina basi nigra, vix mi- cans, griseo-pubescens: apice alra nitens, laevis. — Lamellae petiolatae, albidae, apice angustius nigro- limbatae ciliatae, ciliis nigris, marginis apicalis un- cinatis, marginis externi rectis. — Coxae anticae rufescentes, posticae griseo-fuscae. Femora valida, rufescentia, hirta: posteriora spina terminali nigra. Tibiae flavae, fere rufescentes, hirtae, nigro spino- sae, spinis serialibus: in posticis densissimis tibiae posticae extremitate summa nigro-cinctae. Tarso- rum anteriorum articulus basalis flavus, sub-rufes- cens, apicales sensim fuscescentes; tarsi postici nigro- fusci articulo basali nigro-spinoso. — Alae subin- fuscatae, stigmate parvo, nigro-fusco; nervus longi- tudinalis quartus post medium decursus inde anervo transversali angulum rectum formans, sursum direc- tus, Longitudine 2½ lineas aequans.
Descr,
Femina praeter abdomen segmentorum 5, an- tennarumque articulum terminalem breviorem dif- fert hypostomate latiore, candido, alis stigmate ca- rentibus, colore viride aureo in chalybeum trans- eunte.
Synon. Meigen ſyſt. Beſchreib. d. europ. Zweyfl. Inſ. 4. p. 80. 12. Dol. nitidus. Viridi-aeneus, an- tennis nigris, pedibus rufis, tarsis nigris, nervo quar- to alarum angulato-flexuoso. L
Von dieſer Art verglich ich 3 männl, und 2 weil, Exemplare aus der Hamburger Gegend. a ;
4. Dolichopus griseipennis. Stann. Spec. n.
Diagn. Antennae acuminatae nigrae: articulo basali flavo supra nigro. Pedes flavi: tibiae posticae apice, tarsi omnes nigri: anteriorum articulo basali
flavo. Alae latae griseae.
Descr. Mas. s
Palpi pallide-flavi. — Proboseis prominula pal- lide-flava. — Hypostoma candidum, candido - mi- cans. — Antennarum articulus basalis terminali
brevior, solito latior, flavus supra nigro-marginatus, hispidus: marginis terminalis parte inferiore libe- ra, acutangula,
niger, supra hispidus: margine terminali arcua- to, articulus tertius sessilis, acuminatus, niger, subtilissime fusco-pubescens: seta basali, antenna
longiore, nigra, nuda. — Frons chalybeus nitens ni- gro-setosus. — Oculi margine postico nigro-, exter- no pallide-muricati. Thorax elevatus aureo-viridis nitens, antice cano-micans; seriebus longitudinali- bus 8 pilorum nigrorum. — Scutellum aureo- viri- de, nitens, utrinque seta longa nigra. — Pleurae griseo-virescentes, argenteo-micantes, subopacae, nu-
ae. — Halteres pallide-flavi. Alula-pallida, flaves- cens, margine terminali nigro-ciliata. — Abdomen segmentorum 6, aureo-viride, nitidum, dorso seg- mentorumque singulorum parte terminali nigricans, lateribus cano- micans, hirtum, segmenti cujusque margine terminali nigro-pilosum. — Vagina longa, basi olivacea, fere nigra, vix micans, Sriseo - pubes- cens: apice nigra, nitens, laevis. — Lamellae petio-
latae, pallescentes, fere candidae, apice angustius-
nervi longitudinalis primi.
5
nigro-limbatae, margine apicali externoque ciliis bre- vibus, uncinatis, aliisque rectis nigris, margine in- terno brevioribus pallide-flavis obsitae. Coxae anticae pallide-flavae, niveo-micantes, basi griseae, sericeae, pilis quibusdam terminalibus nigris: poste- riores griseae, apice flavescentes. Femora valida, flava, hirta: posteriora spina terminali nigra: posti-
ca dimidio terminali longius nigro-ciliata. Tibiae fla-
vae, hirtae nigro spinosae, spinis serialibus antica- rum rarioribus posticarum. creberrimis: tibiae posti- cae extremitate summa nigro-cinctae, Tarsi nigro- fusci, articulo basali anteriorum flavido: antici in utroque sexu tibia antica paullulum longiores; arti- culus basalis posticorum nigro-spinosus. — Alae so- lito latiores griseae, stigmate parvo nigro in ostio Nervus. longitudinalis quartus medio decursus inde ab anastomosi cum nervo transversali rectangulariter sursum directus, nervo infra angulum continuato,
Longitudine duas lineas aequat.
Feminae alae stigmate, femora postica ciliisca- rent. Articulus antennarum terminalis brevior, hy- postoma latius, grisescens; Abdomen segmentorum 5.
Anmerk. Ich habe 2 Exemplare 1 männl. u. 1 weibl. dieſer Art verglichen, die Hr. von Winthem aus Lyon erhalten hatte. ;
-Eydele 1931. Heft. 2.
—
articulus medius brevis subsessilis,
tidus:
50 5. Dolichopus nitidus Fallen.
Diagn. Antennae obtusiusculae, flavae: artic lo apicali nigro. Nervus longitudinalis quartus re tangulariter sursum directus.
Maris femora postica infra ciliata, tarsi antici barbati.
Descr. Mas. Palpi pallide- fla vi. Hypostoma an- gustum, candidum, candido-micans. Antennae ca- pite vix longiores: articulo basali subglaviformi, fla- vido, margine superiore hispidulo: medio sessili, fla- vido, hispidulo: apicali sessili, infra ventricoso, api- ce obtusiusculo, nigro, basi summa flavido, subtilis- sime fusco-pubescente: seta basali, antenna longiore, subflexuosa, nigra, apice subplumosa. Frons chaly- beus, nitens, nigro-setosus. Oculi margine postico nigro-externo pallide-muricati. Thorax elevatus, au- reo-viridis, nitens, seriebus longitudinalibus 8 pilo- rum nigrorum. Scutellum aureo-viride, nitens, utrin- que seta longa nigra. Pleurae griseo-virescentes, cano-micantes, nudae. Halteres pallide-flavi. Alulae pallide-flavae, margine terminali nigro-ciliatae. Ab- domen laete aureo-viride, nitens, hirtum, dorso seg- mentorumque singulorum parte terminali nigrescens, lateribus glaucescens, apice segmenti cujusque nigro- pilosum: segmento 6to brevissimo, obscuro. Vagina longa basi nigra, nigro-pubescens: apice atra, nitens, laevis. Lamellae oblongae, petiolatae, pallidae, apice angustissime nigro-fimbriatae, ciliatae: eiliis partis apicalis uncinatis, longis, atris, marginis interni fla- vidis. Coxae anticae pallide-flavae, interne candido- micantes, pilis brevibus, tenuissimis, candidis, ap- pressis obsitae, apice nigro-pilosae: posteriores ni- grescentes, cano-micantes, apice flavidae. Femora valida, pallide-flava, hirta: posteriora spina terminali nigra: postica infra longius pallide-ciliata. Tibiae pallide-flavae, hirtae, spinosae: spinis serialibus ni- gris, posticarum creberrimis: summa libiarum po- sticarum extremitate plaga par va obsolete nigro- fusca. Tarsi nigro-fusci: articulo basalianteriorum flayido: ar- ticulis 2. 3. 4. 5. anticorum leviter introrsum arcua- tis, dense fusco-barbatis: articulo basali posticorum valido, nigro-spinoso. Alae vix infuscatae stigmate nigro: nervo longitudinali quarto rectangulariter sur- sum directo: nervo autem infra angulum libere non producto,
Longitudine lineas 2 ½ aequat.
Femina diversa hypostomate latiore, articulo antennarum apicali breviore abdomine segmento- rum 5, tarso antico barba, femore postico ciliis ca · rente, alis absque stigmate, abdomine dorso seg- mentorumque parte terminali vix nigrescente.
Synonym, Fallen Dolichop. Suec. 2. 9. P. ni · Aeneo- viridis, antennarum basi pedibusque pallidis, geniculo nervi alarum quarti rectangulato, tarsis simplicibus. f
4
si Macquark. Ins, dipt, du nord de la France 3. 62. 7. D, nitidus. ; 7 5 Anternes noires A base fauve. Pieds fauves a tarses noirs.
N \ Nervure interne de la premiere cellule posteri- eure des ailes flöchie en angle droit.
Anmerkung. Ich verglich von dieſer Art 5 männliche Exemplare aus der Gegend um Hamburg und aus Schweden, woher ſie Herr von Winthem vom Prof. Zetterſtedt Als den Falleniſchen D. nitidus erhalten und ein weibliches Exemplar.
Meigen beſchreibt unter dem Namen Dol. nitidus eine von der Falleniſchen völlig verſchiedene Art, der ich den Namen D. nitens gegeben. In Meigen 6 Diagnoſe heißt es: „Antennis nigris“, bey Fall in „Antennarum basi pallida“, in Meigens Beſchrei⸗ bung „Untergeſicht ſtrohgelb“, bey Fallen „Clypeus albo-micans.“
Ob die oben von mir beſchriebene Art dieſelbe ſey, die Fallen unter dem Namen D. nitidus beſchrieben, iſt ſchwer zu beſtimmen. Vielleicht hat Fallen die Art gemeynt, welche Meigen ſpaͤter D. ornatus genannt, was mir aus folgenden Gründen wahrſcheinlich iſt: 1) Es heißt in der Fallen'ſchen Beſchreibung: „pedes toti pallidi, tarsis vix infuscatis, absque plumis“, was beym Meigen'ſchen D. ornatus völlig zutrifft. Das erſte Glied der vorderen Tarſen iſt blaßgelb, die vier Endglieder dagegen gehen nach der Spitze zu vom ſchmutzig⸗gelben ins braͤunliche und ſchwarzbraune über. Die vorderſten Tarſen find auch nicht gebar⸗ tet. 2) Von den Flügeln heißt es bey Fallen: „Ala- rum nervus quartus distinctissime rectangula- riter geniculatus: nervo infra angulum inter- dum continuato, utroque in sexu.“ Daß dieß letztere auf den Meigen'ſchen D. ornatus paſſe, geht aus meiner Beſchreibung dieſer Art herpor. Der rechte Winkel, den der Ate Längsnerv bildet, iſt beym Dol. nitidus nie ſo ſcharf als beym D. ornatus, auch fehlt der kleine freye Fortſatz des Nerven nach Bildung des Winkels, deſſen Fallen erwaͤhnt und der ſich beym D. ornatus findet. Ich habe den Dol. ornatus nicht unbedingt fir den Fallen ' ſchen Dol. nitidus erklärt, weil Fallen ſelbſt 2 verſchiedene Ar⸗ ten unter dieſer Benennung zu begreifen ſcheint, wor⸗ auf mir ſowohl ſein „Antennarum articulo ulti- mo vel toto, vel apice nigro“, als auch fein „nervo infra angulum interdum continuato“ deutet. Die Färbung der Fühler variiert hoͤchſt ſelten, und der Verlauf der Flügelnerven bey den Dolicho⸗ pen vielleicht nie. Daß bey andern Gattungen, na⸗ mentlich bey Limnobia, Varietäten des Flügelgeäs ders vorkommen, iſt mir durch Schummels treffliche Arbeit über dieſe Gattung ſehr wohl bekannt, und ich ſelbſt werde in kurzem eine Reihe intereſſan⸗ ter Abänderungen deſſelben bey Trichocera hiemalis bekannt machen.
113 —— — —
— v = P
25
6. Dolichopus cilifemoratus Macg, Stann.,
Diagn. Antennae subacuminatae: articulis ba- salibus flavis, nigro-marginatis: apicali nigro. Nert vus longitudinalis 4 alarum geniculatim sursum fle- xus. — Maris femora postica infra ciliata, tarsi an- tici barbati. .
Descr. Mas. Hypostoma pallidissime-flavicans, micans. Antennae capite vix longiores: articulo ba- sali angusto, apicali longiore, pallide-flavo, margine superiore nigro, hispido: medio sessili, brevi, inter- ne pallide-flavo, margine superiore nigro, externe nigro-fusco, medio flavescente, marginibus hispidis: apicali sursum directo, infra vix ventricoso, subacu- minato, nigro, subtilissime incano-pubescente; seta basali, nigra, subinermi, antenna longiore. Frons aureo-viridis, nitidus, nigro-setosus. Oculi margine postico nigro-, externo albido-muricati. Thorax au- 1 reo-viridis, nitens, seriebus longitudinalibus 8 pilo- rum nigrorum. Scutellum aureo- viride, nitidum, utrinque seta longa, nigra. Pleurae viride-aenescen- tes, micantes, cano-indutae, nudae. Halteres pallide- flavi. Alulae pallide-flavae, margine terminali lon- gius fusco-ciliatae. Abdomen aureo-viride, nitens, dorso segmentorumque parte terminali vix nigres- ' cens, lateribus glaucescens, hirtum, segmentorum singulorum margine terminali nigro-pilosum segmen- to 6to angustissimo, obscure olivaceo, fere nigro. Vagina basi obscure virescens, nigro-pubescens: api- ce atra, laevis, nitida. Lamellae pallide-flavescentes, fere albidae, margine apicali angustius nigro- lim 2 tae: ciliis huius uncinatis, nigris: interni flavidis strictis: externi nigris. Coxae apice nigro-pilosae: anticae pallide-flavae, albido-sericeae: posteriores gri- seae, cano-micantes. Femora pallide-Aava, hirta: posteriora spina terminali nigra: postica infra flavi- do-ciliata. Tibiae pallide flavae, hirtae, spinosae, _ spinis serialibus nigris: posticae summa apice inter- ne nigro-fuscae. Tarsi nigri: articulo basali anterio- rum flavido, summa apice nigro-fusco: posticorum valido, nigro-spinoso: articulis 2. 3, 4. 5 anticorum leviter retro-arcuatis, fusco-barbatis. Alae subinfus- - catae, stigmate parvo in ipsa anastomosi nervi lon- gitudinalis primi cum gosta: nervo longitud. 4. ante medium decursus inde ab anastomosi cum nervo transversali geniculatim (fere rectangulariter) sursum flexo, Longitudo linearum 2—2 /. 3
Femina differt hypostomate latiore, antenna- rum articulo apicali breviore, abdomine segmento- rum 5, alis stigmate, tarsis antieis pilis horizontali- bus, femoribus postieis eiliis carentibus.
Synon. D. cilifemoratus var. B. Macquart. Ins. dipt, du nord de la France 3. 63. 9: Antennes fau- ves A troisieme article noir. Pieds jaunes: cuisses posterieures à longs poils du coté posterieur dans les mäles. Long. lin. 3. N
Nöte. je considère comme varietes de cette espece des individus un peu plus petits, qui ont
U
les deux premicrs articles des antennes noirs en den
Anmerkung. Mir it nur dieſe Varierät bekannt, die Herr Schummel und ich bey Breslau gefangen und die eine eigne Art zu ſeyn ſcheint. Denn was den D. cilifemoratus Macq. betrifft, fo geſtehe ich frey, daß ich dieſe Art fuͤr dieſelbe halte, die Macquart an eeinem andern Orte S. 62 ꝛc. unter dem Namen D. nmitidus beſchreibt, obgleich er dort weder der Gilien gan der Unter: und Hinterſeite der Schenkel, noch der von mir uͤberhaupt zuerſt beſchriebenen Bildung und a Behaarung der Vordertarſen des Maͤnnchens erwaͤhnt. Abgeſehen hiervon ſtimmen beyde Beſchreibungen faſt vollkommen überein, und da Herr Macquart, wie alle ſeine Vorgaͤnger der Cilien an der Unterſeite der Schenkel bey keiner andern Art, ſelbſt nicht beym D. ungulatus, der haͤufigſten von allen (wo fie ſich an or allen Schenkeln beym Männchen finden) erwähnt, fo iſt es mir nicht unwahrſcheinlich, daß derfelbe fie an „einigen wenigen Exemplaren bemerkt und dieſe als bes ſiondere Art bezeichnet, an andern derſelben Art aber üͤberſehen, und wegen ſonſtiger Uebereinſtimmung der⸗ ſelben mit der Fallen⸗Meigen'ſchen Beſchreibung ih⸗ nen den alten Namen gelaſſen habe. Die ſogenannte Varietaͤt des Macquartiſchen D. cilifemoratus aber ſcheint mir vorzuͤglich wegen der verſchiedenen Färbung und etwas abweichenden Geſtalt der Fuͤhler, wegen der mehr aufwärts geſchwungenen als rechtwinkelig auf⸗ waͤrts gerichteten Aten Laͤngsader der Flügel, wegen der lebhaften gruͤnen Faͤrbung und des ſtaͤrkeren Glanzes des Körpers und wegen der conſtant geringeren Koͤr— pergroͤße des Thieres als eigene Art betrachtet wer: den zu muͤſſen: doch bedarf fie noch einer ſorgfaͤltigen Pruͤſung.
h. Nervus longitudinalis quartus alarum sursum 5 fleæus.
a. Articulus antennarum apicalis longus, acu- minatus pubescens.
7. Dolichopus longicornis Stann,
Diagn. Antennae elongatae, angustae, valde acuminatae, pubescentes, ochraceae, apice nigro-fus- cae. Alae subhyalinae.
Mas. Hypostoma flavescens,
Descr. Mas. Palpi flavidi. Hypostoma flaves- gens, fere stramineum albo-micans, superne visum fulvormicans, Antennae elongatae, capite duplo fere longiores, angustae; articulo basali distincto, longo, angustato, fere styliformi, ochraceo, supra nigro- marginato, hispido: articulo medio brevi, ochraceo, supra nigro-marginato, hispido: articulo terminali ‚sessili elongato, angustato, valde acuminato, brevis- sime ac dense griseo-pubescente, oehraceo, apice ni- ‚gro-fusca: seta dorsali subflexuosa, nigra, antennae subaequilonga, subinermi. 8 Frons aeneo: viridis, sub- opacus, ‚nigrosselosus. Oculi margine postico nigro-
57
externo pallido-muricati. Thorax, elevatus, aenec- viridis, Guprescens, micans, antice hirtus, seriebus longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Scutellum cuprescens, micans, utrinque seta longa, nigra. Pleu - rae griseo-virescentes, opacae, nudae. Halteres palli- de- fla vi. Alulae pallide-flavae, margine terminali ni- ‚gro-ciliatae. Abdomen aeneo- viride, cuprescens, ni- tidum, hirtum, dorso segmentorumque singulorum parte terminali subnigrescens, lateribus cano-micans: segmenti cuiusque margine apicali nigro-pilosum: segmento 6to brevissimo angusto, aeneo-viridi. Va- gina basi obscure aeneo- viridis, fere nigra, griseo- pu- bescens, cano-induta, cano-micans, apice atra, nitens laevis. Lamellae subrotundatae, petiolatae, albae, externe apiceque nigro-limbatae, ciliatae: ciliis mar- ginis apicalis longis, uncinatis, subdichotomis, atris: externi strictis brevioribus atris: interni tenuissimis, flavidis. Coxae pallide- flavae, pilis brevissimis, gri- sescentibus, appressis obsitae: apice nigro-fuscae: mediae basi: posticae summa basi griseae. Femora valida, pallide-flava, pilis brevissimis grisescentibus appressis obsita: posteriora spina terminaii nigra. Tibiae pallide-flavae, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibus, sparsis: tibiae posticae apicem versus sen- sim validiores. Tarsi antici tibiis anticis subaequi- longi: articulis omnibus sordide-flavis sive fusces- centibus, apice fuscis: posteriores tibiis posterioribus dimidio fere longiores: medii articulis basalibus pal- lide-flavis, apice, apicalibus totis infuscatis: postici nigri: articulo basali valido, nigro-spinoso, Alae subinfuscatae: stigmate nigro ante ostium nervi lon- gitudinalis primi orto: nervis nigro-fuscis: longitu- dinali quarto mox post anastomosin cum nerve transversali levissime sursum flexo, Longitudine li- neam 1½ aequans.
Femina differt hypostomate latiore, candido, fronte paullo latiore, abdomine segmentorum 5, an- tennarum articulo tertio breviore, alis absque stig- mate. 4.
Synonym. Dol. acuticornis Meigen ſyſtem. Bes ſchreib. 4. 94. 34: Aeneo- viridis; antennis supra nigris subtus flavis: articulo tertio elongato acuto; pedibus pallidis: tibiis posticis apice tarsisque nigris,
Dol. acuticornis. Macquart. Ins. dipt. 3. p. 72 27. Antennes noires en dessus, fauves en dessous, troisieme article allonge, pointu. Pieds päles, ex- trémité des jambes posterieures et tarses noirs.
Anmerkung. Ich habe von dieſer Art, die fih ſowohl bey Hamburg als bey Breslau findet, ziemlich viele Exemplare verglichen. Meigen a. a. O. nennt dies ſelbe D. acuticornis Wied., indem er fie für die⸗ ſelbe hält, die Wiedemann in feinem zoologiſchen Ma, gazin 1. 1. S. 14. 23. beſchreibt; ob mit Recht, ſoll hier näher erörtert werden. Es heißt hey Wiedemann % a. O. D. aeneo- viridis, antennis nigris pun- cto flavo, pedibus pallidissime stramineis, ma- ris antennis elongatis, agutis, laminis caudae
albis. Ferner: die innere untere Ecke des Wurzels gliedes der Fühler iſt in beyden Geſchlechtern gelb, welches zwar nicht gleich in die Augen faͤllt, aber fuͤr dieſe Art überhaupt ſehr bezeichnend iſt. „An dem Meigen'ſchen D. acuticornis iſt nicht allein die in⸗ nere untere Ecke des Wurzelgliedes der Fuͤhler gelb gefärbt, ſondern wie aus Meigen's (und der oben von mir gegebenen) Beſchreibung erhellt, alle 3 Fühler: glieder find gelb, nur ihr oberſter Rand und die Spi tze des dritten Fuͤhlergliedes find ſchwarz. Dieſer gel⸗ be Fleck an der inneren unteren Ecke des Wurzelglie⸗ des ſoll aber nach Wiedemanns Verſicherung fuͤr die von ihm beſchriebene Art characteriſtiſch ſeyn, und iſt es auch meinen Beobachtungen zufolge. Hieraus er⸗ gibt ſich dann, daß Wiedemann eine ganz andere Art gemeynt, und dieſe iſt meiner Anſicht nach keine ande⸗ te als der Meigen'ſche D. ruralis (vergl. dieſen), eis ne Art, der MWeigen aber ſchwarze Fuͤhler zuſchreibt. Alle übrigen von Meigen angegebenen Charactere ftims men jedoch voͤllig mit der Wiedemanniſchen Beſchrei⸗ bung vom D. acuticornis, und ich vermuthe daher, daß Meigen den kleinen gelben Fleck im Fuͤhler, der allerdings nicht gleich in die Augen fällt, uͤberſehen hat. Ich glaubte daher, den Namen D. ruralis mit dem urſprünglichen D. acuticornis Wied. austaus ſchen zu muͤſſen: den Meigen'ſchen D. acuticornis habe ich aber D. longicornis genannt, in der Hoff: nung, durch das gaͤnzliche Streichen des Namens ru- ralis aus dem Syſtem allen kuͤnftigen Verwirrungen in der Synonymie dieſer Arten vorzubeugen.
8. Dolichopus acuticornis Miedem.
Diagn. Antennae elongatae, acuminatae, pubes- centes, nigrae: puncto basali flavo. Hypostoma can-
didissimum. Alae fuscentes,
Descr. Mas. -
Palpi pallide-flavi. — Hypostoma angustum can- didissimum, candido-micans. — Antennae elongatae:
capite longiores articulo basali distincto longo, styli- formi, supra hispido, nigro, macula parva flava in angulo infero interno: ınedio parvo, subsessili hispido, nigro: apicali sessili, sursum flexo, longo, acuminato (Dolichopodis longicornis autem breviore, minusque acuminato) pubescente, nigro: seta dorsa- li nigra flexuosa, antenna breviore, subinermi. — Frons aenescens, opacus, nigro-setosus. — Oculi mar- gine postico nigro-, externo pallide-muricati. — Tho- rax elevatus viridi-cuprescens, micans, seriebus lon- gitudinalibus 8 pilorum nigrorum. — Scutellum vi- ridi-cuprescens, micans, utrinque seta nigra, Halte- res pallide-flavi. — Pleurae canescentes, opacae, nu- dae. — Alulae breves pallide-flavae, margine exter- no flavido-ciliatae. — Abdomen aeneo-viride, cupres- cens, nitidum, hirtum: cujusque segmenti parte ter- minali nigrescens, nigro-pilosum, lateribus glauces- cens. — Vagina basi nigrescens, nigro- pubescens api- ce atra, laevis, nitens. Lamellae albidae, tenuissime fusco-limbatae, marginibus ciliatae: ciliis nigris: marginis terminalis uncinatis, lopgioribus. — Coxae
I
56
apice nigro-pilosae flavae: posteriores basi kuscaes anteriores albido-micantes. — Femora valida, flava, hirta: posteriora spina terminali nigra. — Tibiae flavae, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibus cre= bris praesertim posticarum: tibiae posticae apice nigro-fuscae. — Tarsi nigri articulus basalis antico- rum flavus, apice nigro-fuscus: posticorum validus, nigro-spinosus. — Alae corpore longiores, infusca- tae, stigmate nigro in ostio nervi longitudinalis pri- mi incipiente, latius preducto: nervis nigro - fusciss longitudinali quarto ante medium decursus inde ab anastemosi cum nervo transversali sursum flexo (non geniculatim).
Longitudine lineas duas aequat.
Femina diversa; hypostomate latiore, antenna- rum articulo tertio breviore, abdomine segmento- rum 5, alis stigmate carentibus. Marem quoque longitudine corporis paullulum superare videtur. !
Synon. D. acuticornis Wied. Zool. Magaz. 1. 1. 74. 23. D. Aeneo- viridis, antennis nigris puncto fla- vo, pedibus pallidissime-stramineis, maris antennis elongatis acutis, laminis eaudae albis,
D. ruralis Meigen syst. Beschreibung d. europ. zweyfl. Ins. 4. p. 94 35. Obscure aeneo-viridise, an- tennis nigris; articulo tertio elongato acuto; fronte chalybeo, pedibus rufescentibus, tibiis posticis apice tarsisque omnibus nigris, alis fuscanis. .
Anmerkung. Dieſe Art kommt nicht ſelten in der Hamburger Gegend und um Breslau vor; ſie findet ſich vorzüglich auf Haſelnußgebuͤſchen. ö
8. Articulus antennarum apicalis nudus acutus,
aa. Tarsi anteriores in mare aut elongati, aut dilatati, aut spinosi.
9. Dolichopus claviger. Ninthem. Spec. nov.
Diagn. Antennae nigrae: articulo hasali flavi- do, supra nigro. Alulae flavido-ciliatae. Femora posteriora spinis terminalibus 3.
Mas. Tarsus anticus elongatus: articulo quin- to subdilatato, nigro, hispidulo: femora anteriorain- fra flavo-ciliata, Alae stigmate nigro. 3
Descr. Mas. Hypostoma angustum, candidum, candido-micans. Antennae capiti longitudine subae- quales: articulo basali tertium longitudine zubae- quante, angusto, fere styliformi, flavido, supra nigro, hispido, parte terminali sensim subdilatata; medio brevi, basali latiore, nigro, hispido, margine termi- nali leviter arcuato: apicali sessili, sursum flexo, in- fra ventricoso, subacuto: seta basali nigra, antenna duplo longiore, subinermi. Frons aureo-viridis, ni- tens, nigro-setosus. Oculi margine postico nigro-ex- terno flavido-muricati. Thorax aureo- viridis, nitens.
antice hirtus; atriis dorsalibus duabus longitudinali-
EEE IDEEN:
57 bus cuprescentibus, seriebus longitudinalibus g pilo- rum nigrorum. Scutellum aureo-viride, nitens, utrin- que seta nigra. Pleurae virescentes, cano-micantes, nudae, Halkeres pallide-flavi. Alulae pallide-flavae, margine terminali longius pallide-ciliatae. Abdomen aureo-viride, nitens, hirtum: segmentorum singulo- rum apice nigrescens, nigro-pilosum, lateribus glau- cescens: segmento 6to brevissimo, angusto, olivaceo,
ere nigro. Vagina basi nigra, micans, nigro-pubes- cens: spice atra, nitida, laevis. Lamellae longae, subovatae, pallide-pubescentes, apice externeque la- tius nigro-limbatae, nigro-ciliatae: ciliis in parte la- mellae apicali validis, uncinatis, dichotomis: lamel- lae margine interno zubtilissime nigro-fimbriatae, griseo-ciliatae. Coxae apice nigro-pilosae: anticae
allide- fla vae, albido-sericeae: posteriores canae, apice pallide-flavae, Femora valida, pallide-flaya, hirta: an- teriora dimidio terminali pallide-ciliata: posteriora spinis apicalibus nigris tribus: postica in exemplari- bus quibusdam spinis tantum duabus. Tibiae palli- de-flavae, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibuscre- bris: tibiae posticae apice nigro-fuscae. Tarsi antici elongati, tibiis anticis dimidio fere longiores tenues, pallide-flavi, articulis singulis sensim minoribus: quarto quintoque longitudine subaequalibus: quinto subdilatato, nigro, vix hispido: unguicula brevi al- ba: Tarsi' medii nigri: articulo basali fla vo, apice nigro-fusco. Tarsi postici nigro-fusci: articulo ba- sali valido, nigro-spinoso. Alae breves, latae, subhy- alinae, stigmate nigro in ostio nervi longitudinalis primi: nervis ferrugineo- fuscis: longitudinali quarto ante medium decursus inde ab anastomosi cum nervo transversali geniculatim sursum flexo,
Loneitudo linearum 3.
Femina differt antennarnm articulo apicali bre- viore, hypostomate latiore, abdomine segmentorum 5, tarsis anticis simplicibus, sordide -flavicantibus, a- pice nigro-fuscis, |femoribus ciliis, - alis stigmate ca- rentibus.
Anmerkung. Dieſe Art lebt an Graͤben, ſtehenden und fließenden Waͤſſern auf niedrigem Gebuͤſch, beſonders Erlen. Hamburg (ziemlich haͤufig). Schleſien (nur amal vorgekommen).
10. Dolichopus discifer Stann. Spec. nou.
Diagn. Antennae subacuminatae: articulo ba- sali dimidio inferiore flavo. Alae subhyalinae, nervo longitudinali quarto subinflexo,
0 Mas Tarsus anticus elongatus: articulis 2. 3. 4. longitudine subaequalibus: quinto brevi dilatato, hispido, atro.
Descr. Mas. Hypostoma candidum, candido-micans. Anten- nae capite vix longiores articulo basali terminali vix longiore, angusto, terminum versus sensim dlatato, infra flavo, supra nigro, hispido: articulo medio ses- Ans 1831. Heft». 5
.bo-muricati.
ö 58
sili, brevi, latiore, nigro, supra anticeque hispido:
articulo tertio trilatero, sessili, infra ventricoso, sub-
acuminato, nigro; seta basali antenna longiore, nigra, subinermi. Oculi margine postico nigro-externo al- Frons aureo-viridis, nitens, nigro-seto- sus. Thorax elevatus, aureo- viridis, nitens, striis dor- salibus duabus longitudinalibus cuprescentibus, serie bus longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Pleurae cano-virescentes, cano-micantes, nudae. Halteres pal- lide-flavi, alulae pallide-flavae, margine terminali nigro ciliatae. Scutellum aureo- viride, nitens, utrin- que seta longiore nigra. Abdomen aureo- viride, ni- tens, dorse segmentorumque apice nigrescens, lateri- bus glaucescens, hirtum, segmenti cujusque apice nigro pilosum: segmento 6to brevi, olivaceo, fere ni- gro. Vagina basi nigra, nigro-pubescens, opaca: api- ce atra, laevis, nitens. Lamellae albae, nigro-fim- briatae, margine apicali ciliis uncinatis dichotomis, externo rectis nigris, interno brevioribus flavicanti- bus. Coxae anticae pallide-flavae, interne candido- sericeae apice nigro-pilosae, posteriores griseae, apice flavidae. Femora pallide-flava, fere straminea, hir- ta, posteriora spina apicali nigra. Tibiae pallide- flavae, hirtae, nigro-spinosae, spinis serialibus, ante- riorum sparsis, posticarum crebrioribus: posticae summa apice nigro-fuscae. Tarsi antici elongati, ti- biis anticis plus duplo longiores, graciles, articulo ba- sali reliquis longiore, stramineo: articulis 2. 3. 4. subaequalibus, stramineis, quinto brevi, dilatato, his- pido, atro, basi-flayo. Tarsi medii nigri, articulo basali stramineo, apice nigro; Tarsi postici nigri, ar- ticulo basali, valido, nigro-spinoso. Alae subhyali- nae, absque stigmate, nervis nigris: longitudinali quarto ante medium decursus inde ab anastomosi eum nervo transversali leviter sursum flexo.
Longitudine 2½ lineas vix superat.
Femina diversa: antennarum articulo tertio breviore, hypostomate latiore, canescente, tarsi anti- ci articulis singulis sensim brevioribus (flavis articu- lo quinto nigro-fusco).
Von diefer in der Nähe von Hamburg entdeckten, auf niedrigem Gebuͤſch in der Naͤhe ſumpfiger Stellen oder Graͤben vorkommenden Art ſah ich vier maͤnnliche und ein weibliches Exemplar. — Kuͤrzlich fieng ich einige Exem⸗ plare dieſer ſchoͤnen Art im Woͤlfelsgrund in der Naͤhe des Schneeberges, einer der hoͤchſten Spitzen der Sudeten, auf den Blaͤttern von Tussilago petasites. ;
Sie unterfcheidet fih von D. patellatus 1) durch die Vordertarſen. Bey jener Art nehmen die erſten Glieder an Länge allmaͤhlich ab: das Ste iſt verkürzt und plattgedrüͤckt, aber nicht borſtig. 2) Durch die Fühler, deren Endglied in jener Art kuͤrzer und ſtumpfer iſt, 3) durch die Flügel, die bey jener Art dunkler angelaufen find und deren Ate Laͤngs⸗ ader dort rechtwinkelig gebrochen iſt.
Sehr nahe kommt dieſe Art auch dem Dol. claviger, unterſcheidet ſich aber 1) durch die Färbung des Wurzelglie⸗ des der Fuͤhler, das bey jener Art gelb, am Oberrande
450 a
59 s
aber geſchwaͤrzt iſt, waͤhrend bey Dol. disciſer der End⸗ rand ſich ſchwarz zeigt. 2) Durch die beſtaͤndig am Rande ſchwarz⸗gewimperten Schuͤppchen (Alulae, Afterfluͤgel ), die bey jener blaßgelb gewimpert ſind; ein Merkmal, das auch die Weibchen beyder Arten beſtimmt von einander unter⸗ ſcheidet. 3) An der Spitze jedes der hinteren Schenkel fin⸗ den wir eine kurze ſchwarze Borſte: an der Spitze der Mit⸗ telſchenkel des D. claviger, 3) an der der hinterſten bald
3, bald 2: ebenfalls ein beyden Geſchlechtern zukommendes
Kennzeichen.
Das Maͤnnchen des D. claviger unterfcheis det ſich außerdem durch die an der Spitzenhaͤlfte unten blaß⸗ gelb gewimperten Hinterſchenkel, durch das faſt ganz nackte erweiterte Ste Tarſenglied, durch das Stigma am Flügel rande, durch die weniger verlaͤngerten vorderſten Tarſen.
11. Dolichopus patellatus Fallen.
Diagn. Antennae capiti subaequilongae, sub- acutae, nigrae: articulo basali infra ochraceo. Pe- des flavi; Tarsis nigris: anticis articulis basalibus quatuor, mediis basi flavis. Alae infuscatae.
Mas. Tarsi antici elongati: articulus quintus dilatatus, ater.
Descr. Mas. Palpi sordide-flavi, fusco-pubes- centes. Hypostoma inferne visum virescens, super- ne incanum, incano-micans. Antennae capiti longi- tudine subaequales: articulo basali apicali longiore, supra hispido, nigro fusco, infra ochraceo, partem terminalem versus sensim dilatato, infra libero: me- dio subsessili, nigro, supra hispido: apicali sessili, sursum flexo, trilatero, nigro, infra ventricoso, apice subacuto: seta basali, antenna longiore, subinermi, nigra. Frons chalybeus, nitens; nigro setosus. Ocu- li margine postico nigro-, externo albido- muricati. Thorax prasinus, nitens, seriebus longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Pleurae cano-virescentes, cano- micantes, nudae, Halteres flavi. Alulae flavae, mar- gine terminali longius nigro-ciliatae. Abdomen pra- sinum, nitens, hirtum margine apicali segmentorum singulorum subnigrescens, nigroque pilosum, lateri- bus glaucescens. Vagina basi rotundiuscula, nigra, cano-micans, fusco- pubescens: apice atra, laevis, ni- tens. Lamellae oblongae, petiolatae, pallidissime-fla- vae, flavido-pubescentes, margine externe apicalique nigro-limbatae nigroque ciliatae: ciliis marginis api- calis longioribus, validioribus, uncinatis, dichotomis. Coxae hirtae, apice nigro-pilosae-canae: anticse api- ce, posteriores summa apice fla vae. Femora flava, ‚hirta: posteriora spina apicali nigra. Tibiae flavae, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibus; posticae api- ce nigro-fuscäe. Tarsi antici elongati, tibiis anticis duplo longiores: articulo basali sequentibus tribus
longitudine aequali: his sensim brevioribus, gracili-
bus, flavis: articulo quinto brevissimo, dilatato, tri-
latero, nigro, subinermi. Tarsi medii nigri: articu-
lo basali flavo, apice nigro. Tarsi postici nigri: ar- ticulo basali valido, nigro-spinoso. Alae latae, infus- catae, absque stismate: nervis nigro-fuscis, fere ni-
gris, longitudinali quarto ante medium decursus in-
60
de ab anastomosi cum ner vo transversali in anguluam rectum sursum directo. 1 184% = ars
Longitudine lineas 2½ fere aequans,
BEYER
*
Femina differt hypostomate latiore, candido, antennarum articulo tertio breviore, tarsis janticis simplicibus tibiis anticis paullo longioribus: articulo basali secundo tertioque subaequilongo flavo: his longitudine subaequalibus flavis: apicalibus duobus itidem subaequalibus: quarto fusco: quinto nigro, abdomine segmentorum 5. 1
Synonym. D. patellatus Fallen Dolichop. Suec. 10. 5.: Aeneo-virescens, antennis basi coarctatis, ven- tre pedibusque pallidis: articulo ultimo tarsorum an- ticorum in mare patelliformi. -
D. patellatus. Meigen system. Beschreibung 4.
86. 22. Aeneo-viridis pedibus rufis, tarsis, nigris, anticis flavis, articulo ultimo in mare patelliformi, atro, 2
D. patellatus. Macquart. Ins, dipt. 3. 67. 19. Pieds fauves, tarses noirs; anterieurs jaunes, dernier
article patelliforme, noir dans le male. 5
Anmerkung. Dieſe Art findet ſich auf niedrigem Ge⸗ buͤſch in der Nähe fumpfiger und feuchter Stellen. Bey Stollberg wurde ſie gefangen von Meigen, in Schweden von Fallen, im nördlichen Frankreich von Macquart, in Schleſien nicht ſelten von Schummel, bey Hamburg ‚häufig von Winthem und mir. — Den früheren Beſchreibein war nur das Maͤnnchen bekannt.
N T7 e 12. Dolichopus brevipennis Meigen,
Diagn. Antennae corpore longiores, nigrae, subacutae. Pedes ochracei, tibiis posticis apice, tar- sorum anticorum articulis apicalibus duobus, medio- rum quatuor, posticis totis nigris. Alae subhy- alinae. 1
Mas. Femora postica infra ochraceo- ciliata; articuli apicales duo tarsorum anticorum dilatati, hispidi, Alae stigmate nigro.
Descr. Mas. Hypostoma ochraceum. Palpi gri- sei, supra ochracei. Antennae capite longiores, ni- grae: articulo basali apicali vix longiore, parte apica- li dilatata, marginibus hispidis: artic. medio brevis- simo, antice hispidulo: art. apicali sessili, infra sub- ventricoso, apice subacuto: seta dorsali, nuda, ni- gra; antenna longiore. Frons chalybeus, nitens, ni- gro-setosus. Oculi margine postico externoque ni- gro-muricati, Thorax aureo-viridis, colore hoc non- numquam in chalybeum transeunte, nitens, striis dorsalibus 2 longitudinalibus -cuprescentibus antice hirtus, seriebus longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Scutellum aureo-viride, nitens, utrinque seta longa nigra. Pleurae virescentes, cano-micantes, nudae. Halteres flavi. Alulae flavae, margine terminali ni- gro-ciliatae, Abdomen aureo-viride, nitens, dorso
5 parteque segmentorum singulorum \terminali nisres- „ lateribus glaucescens, hirtum: segmenti cujus- margine terminali nigro-pilosum: segınento 6to re-olivaceo, fere nigro. Vagina basi olivacea, nigra, nigro-pubescens, nitida: apice nigra, lae- is, nitens. Lamellae flavescentes, nigro-limbatae, avido-pubescentes, margine externo terminalique ci- e: ciliis hujus longioribus uncinatis, illius stri- nigris. Coxae apice .nigro-pilosae basi griseae: cae {pilis creberrimis appressis fuscis obsitae, dimidio apicali, posticae apice summa. flavae. ora flava fere ochracea, hirta, posteriora spina erminali nigra: postica infra ochraceo-ciliata ciliis raris. Tibiae flavae, fere ochraceae, hirtae, spinosae: spinis serialibus nigris: anteriorum rariori- us, posticarum creberrimis: libiis posticis dimidio > apicali nigris. Tarsi antici, tibiis anticis plus dio longiores: articulis basalibus tribus elonga- „ eracillimis, flavidis, primo secundo dimidio Ion- e: secundo tertioque aequilongis articulis apicali- us atris: quarto brevissimo, hispidulo, apicem ver- zus sensim dilatato summa basi flavido: quinto illo ie plano, patelliformi hispido: unguibus gri- seis. Tarsi posteriores tibiis posterioribus dimidio fere longiores nigri: articulo basali mediorum flavi- apice nigrescente, posticorum valido nigro, ni- inoso. Alae breves, solito latiores subinfusca- ae, fere hyalinae, stigmate nigro jam ante ostium nervi longitudinalis primi orto: nervis nigris: longi- udinali quarto in medio decursus inde ab anasto- si cum nervo transversali fere geniculatim sur- n flexo. Longitudo linearum 2½—5. 955 Femina diversa: hypostomate latiore, incano, antennarum articulo tertio breviore, abdomine seg- mentorum 5, femoribus posticis ciliis, alis stigmate carentibus, tarsis anticis simplicibus: articulis 4.5 nigrescentibus. ii Synon. Meigen syst. Beschreib. 4. 89. 27. D. brevipennis: Obscure aeneo-viridis, pedibus rufis, tarsis nigris: anticis rufis: articulis duobus ultimis atris: ultimo dilatato. 8 . Anmerkung. Dieſe Art lebt auf niedrigem Gebuͤſch in der Mähe ſumpfiger Stellen: Hamburg, von Wint⸗ dem. Breslau, Schummel. f
13858. 2 Dolichopus melanopus Meigen.
Diagn. Antennae capite longiores, acutae: ba- si nigrae, apice nigro-fuscae. Pedes nigri tibiis anti- eis summa apice, tarsorumque anticorum articulis 1 spice, 2. 3. 4. totis flavidis. Alae infuscatae. n
N Mas. Articulus apicalis tarsorum anticorum brevis, subdilatatus, niger. Femora postica infra subciliata. Stigma alarum parvum..
Descr. Mas. Antennae capite longiores, basi nigrae, apice nigro- fuscae: articulo basali substylifor- Be -
— — ——ů——
62
mi apice vix latiore quam basi, hispido: medio bre- vi, hispido: apicali basalibus latiore longioreque, subtriangulari; apice acuto: seta antennis, paullo lon- giore, nigra, nuda, medio dorso articuli tertii inser- ta. Hypostoma modice latum, candidum, candido- micans. Palpi nıgro-fusci. Frons chalybeus, fere niger, subopacus, nigro-setosus. Oculi margine pos- tico externoque nigro-muricati. Thorax atro-virens, vix nitidus, seriebus longitudinalibus g pilorum ni- grorum, Scutellum atro-virens, utrinque seta lon- ga, nigra. Pleurae griseo-virescentes, cano-micantes, Halteres pallide-flavi, Alulae pallide-flavae, margine terminali nigro-ciliatae, Abdomen atrovirens, hir- tum, dorso segmentorumque singulorum parte ter- minali nigrescens, segmenti cujusque margine termi- nali nigro-pilosum, lateribus glaucescens: segmento 6to brevissime, angusto, fere nigro. Vagina inflexa: basi latior, atro-virens, fere nigra, fusco-pubescens, cano-micans: apice atro nitens, laevis. Lamellae subrotundae, petiolatae, albac, griseo-pubescentes, angustius fusco-limbatae, ciliatae: ciliis nigris: par- tis apicalis longioribus uncinatis. Genitalia ipsa pak lide-flava. Coxae obscure-ferrugineae, pilis brevibus appressis nigris dense obsitae, apice nigro-pilosae, Femora nigra, hirta, genubus ferrugineis: posteriora spina terminali nigra; postica infra brevius albido- ciliata. Tibiae nigro-fuscae, fere nigrae, hirtae sni-
nosae: spinis serialibus nigris: anticae summo apice
ferruginatae. Tarsus anticus tibia antica multo lon- gior: articulo basali nigro, apice flavido: art. 2. 3. 4. flavidis: quinto brevi nigro, vix dilatato, unguicula alba. Tarsi posteriores nigri: posticorum articulus basalis validus nigro-spinosus. Alae corpore vix bre- viores, infuscatae, saturatius-fuscae secundum mar- ginem anticum: stigmate parvo nigro in ostio nervi longitudinalis primi: nervis nigro-fuscis: longitudi- nali quarto medio decursus inde ab anastomosi cum nervo transversali (vix geniculatim) sursum flexo.
Longitudo linearum 9 —
Anmerkung. Ich habe dieſe Art nur fragweiſe fur den Fallen'ſchen Dol. nigripes, und den Meigen'ſchen D. melanopus genommen, weil in den Beſchreibungen beyder manches unvollſtaͤndig angegeben iſt. Fallen's Diagnoſe lautet: Aeneo- viridis; antennis pedibus- que nigris, tarsis anticis vel genubus in mare pallidis: articulo ultimo nigro, subdilatato, und dieſe Art ſcheint mit der oben von mir beſchriebenen uͤbereinzuſtimmen. Anders verhält. es ſich mit dem
deigen'ſchen Dolichopus melanopus: Obscure- aeneus; antennis pedibusque nigris; fronte ae- neo; hypostomate candido; articulo ultimo tar- sorum anticorum in mare dilatato. Und Be⸗ ſchreibung: Afterglied ſchwarz mit gelblichen, breit ſchwarz gerandeten Lamellen. Beine ſchwarz, Vor⸗ derfuͤße ſehr dunn, das letzte Glied breitgedrüͤckt. — Offenbar beſchreibt hier Meigen eine ganz andere Art als Fallen: vielleicht hat Fallen ſelbſt 2 verſchie · dene Arten confundiert, worauf mir das tarsis an-
63
ticis vel genubus ſeiner Diagnoſe zu deuten ſcheint Der Wunſch, die Menge der vorhandenen Namen nicht unnoͤthigerweiſe zu häufen, der von mir beſchriebenen Are keinen neuen Namen beyzulegen; zumal da mir nur ein maͤnnliches Exem— plar bekannt geworden iſt, das, im Berliner Muſe— um befindlich, vom Grafen Hoffmannsegg bey Ber— lin gefangen wurde. Moͤchten Herr Profeſſor Fallea und Meigen ung über dieſelbe doch bald nähern Auf— ſchluß geben! N
*
14. Dolichopus pennitarsis Fallen.
Diagn. Antennae capite longiores ochraceae: articulo tertio apice nigro. Pedes flavi, tibiis posticis ‚ apice tarsisque nigris: articulus basalis tarsorum an- ticorum flavus. Alae subhyalinae,
Mas. Tibia media elongata tenuis: articulus basalis tarsorum mediorum validus, nigro -spinosus,
Descr. Mas. Palpi flavi; fere ochracei. Hypo- stoma flavidum, fere stramineum, stramineo-micans, Antennae capite longiores: articulo ba:sali tertio lon- gitudine aequali, ochraceo, supra nigro-hispido: se- cundo brevi, sessili, ochraceo, hispido: tertio sessili, infra ventricoso, subacuminato, ochraceo, apice ni- gro: seta dorsali, nigra, valida, antenna longiore, subinermi. Frons cyanescens, nitens, nigro-setosus, Oculi margine postico nigro-, externo albido-muri- cati. Thorax anreo-yiridis, nitens, seriebus longitu— dinalibus g pilorum nigrorum. Scutellum aureo vi- ride, nitens, dorso segmentorumque singulorum par- te terminali nigrescens, hirtum, apice segmenti cu- jusque nigro-pilosum: segmento 6to brevissime, an- gusto, obscuro. Vagina basi cano-virescens, subopa- ca, nigro-pubescens: apice laevis, atra, nitida. La- mellae breves, pallide-flavae, flavidospubescentes, ni- sro-fimbriatae, nigro-ciliatae: ciliis marginis termi- nalis uncinatis, dichotomis, externi strictis. Coxae apice nigro pilosae: anticae flavae: posteriores cano- virescentes, summa apice flavae. Femora flava, hir- ta: posteriora spina terminali nigra. Tibiae flav:e, hirtae, nigro-spinosae: spinis serialibus: mediarum rarissimis; tibiae mediae elongatae, graciles, te- nues, summo apice subnigricantes, tarsis mediis lon- siores: posticae apice nigrae. Tarsi antici tibiis an- ticis paullo longiores, nigri: articulo basali flavo, a- pice nigro: medii nigri: articulo basali apicalibus validiore, dense nigro-spinoso, secundo dimidio lon- giore: hoc tertio longitudine gequali: quarto quin- toque aequalibus: postici nigri: articulo basali vali- do, nigro-spinoso. Alae subhyalinae, nervis nigris: lonsitudinali quarto ante medium decursus inde ab anastomosi cum nervo transversali sursum flexo (vix
geniculatim). In ipso ostio nervi longitudinalis pri- mi nodulus parvus niger, vix stigma appel- landum.
Longitudine duas lineas aequane. Femina differt: hypostomate latiore, pallidis-
— *
hat mich verünlaßt,
‚sime-flavicante, fere candido: antennarum artic apicali breviore, alis absque nodulo nigro in o nervi longitudinalis primi, tibiis mediis solito longioribus, nec tenuioribus: tarsis mediis sim cibus, nigris, tibias medias longitudine paullo sup antibus. i
Synonym. D. pennitarsis, Fallen Dolichop. Su ciae 11. 6. Aeneo- viridis, antennis apice nigris; f dibus pallidis, tibiis posticis apice tarsisque o nibus nigris: intermediis in mare ad baein p natis. >
Musca plumipes. Scopoli Entomologia Garnio ca (Vindob. 17635) p. 334 n. 895.: Aenea; oculis vi ridibus; femoribus ferrugineis; palmis jmediis plaf mosis. %
a. mas. D. pennitarsis Meigen syst. Beschre 4. 90. 29. Aeneo- viridis, hypostomate flavo, antenn rufis apice nigris, pedibus rufis tarsis nigris: meta. tarso intermedio in mare ciliato. „
b. femina. Dol. simplex. Meigen 1. c. p. 851 Macquart. 1. c. p. 65. — N 1
D. pennitarsis. Macquart. Ins. dipt. 3. 69. Epistöme jaune. Antennes fauves, noires à l’ext mité. Pieds fauves; tarses noirs: premier artickf des intermediaires cilié dans le mäle. (mas.) 225
Tilia europaea e. ct.
0
Anmerkung 2. Meigen kennt und beſchreibt zwar das Weibchen dieſer Art: doch ſcheint auch ſein weiblicher D. simplex hieher zu gehoͤren.
Anmerkung 3. Mit Unrecht hat man bey Verfaſſung der ueuern entomologiſchen Schriften das alte gründs liche Werk des trefflichen Beobachters Scopoli ganz uͤberſehen. Schon lange bevor Fallen ſeinen Dol. plumipes (Ammobates pag. 4) als Art aufſtellte, hatte Scopoli den D. pennitarsis Fall. Musca plu- ınipes genannt.
15. Dolichopus pennatus Meigen. ]
Diagn. Antennae nigrae basi ochraceae, Pe- des ſlavi: tarsorınn anticorum articulis apicalibus quatuor nigris. Nervus alarum longitudinalis quar- tus geniculatim sursum flexus.
Mas, Articuli tarsorum mediorum 2 et 3sub- dilatati, breves atri, atro-muricati: articuli 4. 5. atri cano-induti, candido-micantes,
A Descr. Palpi fulvi. Br: a
1 5 Mas. .Hypostoma fulvum, fulvo-micans, An- ae capite longiores: articulo basali apicali vix viore, partem terminalem versus sensim dilatato Be, supra hispido, latereque externo nigro- aarginato :\ medio brevi, nigro, interne basi ochra- ea: apicali subconico, sursum directo nigro, apice cuto, seta basali nigra subinermi, antenna longiore. 'rons aeneo- viridis, nitidus, _nigro-setosus. Oculi istice nigro-externe flavo-muricati, Thorax aeneo- iridis, nitens, seriebus longitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Pleurae cano-virescentes, subopacae, cano- 3 nudae. Halteres flavi. Alulae flavae, mar- terminali nigro-setosae. Abdomen aeneo- viride, iitens, hirtum, segmentorum singulorum margine ıpicali nigro-pilosum. Vagina basi aeneo-viri: lis, ni- ida, fusco- -pubescens: apice ätra laevis, nitens, La- nellae albidae pallide-pubescentes nigro-fimbriatae, 1igro-ciliatae: ciliis marginis apicalis longioribus un- znatis, externi strictis. Coxae apice nigro-pilosae: inticae flavae, hirtae: posteriores griseae, fere fus- dae, apice summo flavae. Femora lava, hirta: pos- 'eriora spina terminali nigra: postica infra subcili- ıta supra nigro-muricata. Tibiae flavae, hirtae, spi- aosae, spinis Serialibus nigris: posticae summo apice Interne infuscatae. Tarsi antici tibiis anticis paullo ongiores: articulo basali flavo summo apice infus- cato, articulis apicalibus 4 brevibus nigris. Medii longitudine tibiarum mediarum: articulo basali elon- zato, gracili, fla vo, summo apice infuscato: articulis 2 et 3 subdilatätis, longitudine subaequalibus, brevi- bus, atris, atro- -muricatis, articulis 4 et 5 brevibus, atris, articulis 2 et 3 brevioribus ac minus latis, nigris: cano-indutis: candido-micantibus. Tarsi pos- tici atri: articulo basali valido, nigro-spinoso longi- tudine artic, secundi. Alae subhyalinae, absque stig- mate nervis nigris: longitudinali quarto ante me- dium decursus inde ab anastomosi cum nervo trans- versali geniculatim sursum flexo. Longitudine 3 fe- re lineas aequans. a
Femina hypostomate latiore, candido, candido- micante, antennarum articulo apicali breviore, abdo- mine segmentorum 5, femoribus posticis absque ci- liis, tarso medio simplici, articulis apicalibus e alis subinfuscatis.
Synon. Dol. popularis. Fallen Dolichopod. Sue- ciae 11. 7. Aeneo- viridis, antennarum basi pedibus- que pallidis; tarsis nigris: intermediis in mare ad apicem pennatis.
Dol. pennatus. Meigen systemat. Beschreib. 4. 90. 28. Aeneo- viridis; hypostomate fla vo; antennis nigris, bat i rußs; pedibus ruſis: articulo secundo
tertioque tarsorum intermediorum in mare brevi-
bus dilatatis, ciliatis, atris.
Dol. pennatus Macquart. Ins. dipt. 69. 22. Epi- 'stöme jaune. Antennes noires a base fauve. Deu-
. Sfi8 1831. Heft 1.
1 ——
-Epistöme doré.
gros,
66 ) { xieme et troisieme articles des tarses intermédiaires courts, dilatés, ciliés, noirs dans les mäles.
Dol. signatus Meigen system. Beschreib. 4. 92. 32. Aeneo- viridis, hypostomate aureo, antennis ni- gris, basi rufis, pedibus rufis: articulo secundo ter- tioque tarsorum intermediorum in mare atris, duo- bus ultimis niveis.
Dol. signatus Macquart. Ins. dipt. 3. 70. 24: Antennes noires a base fauve. Pieds fauves, deuxieme et troisieme article des tarses in- termediaires noirs: les deux derniers bleues,
Dieſe Art lebt in der Nähe ſtehender oder fließender Gewaͤſſer auf niedrigem Gebüſch, beſonders auf Erlen. Herr Prof. Wiedemann fand fie bey Kiel, Herr Graf Hoffe mannsegg bey Berlin, Herr Prof. Fallen in Schweden, Herr von Winthem und ich bey Hamburg, Herr Schummel und ich in Schleſien (Breslau, Woͤlfelsgrund in der Graf— ſchaft Glatz), Hr. Macquart bey Lille. 8
Anmerkung. Ich vereine mit dieſer Art den Dol. sig- natus Meig., eine Art, zu deren Aufſtellung wohl nur das nicht ſeltene Vorkommen des Abreibens der Borſten Veranlaſſung gegeben hat. Der ſilbergraue Schimmer verwiſcht ſich auch au bey älteren Ey⸗ emplaren.
Wahrſcheinlich iſt dieß das von Harris Exposition of british Insects tab. 47. fig, 2. 7. abgebildete Thier, deſſen Character bey Latreille folgendermaßen lautet: tarsı intermedii masculorum articulus secundus tertiusque paullulum dilatati.
16. Dolichopus popularis Miedem.
Diagn. Antennae ochraceae, apice nigrae. Pe- des fla vi- karsorum anticorum articulıs apicalibus tri-
bus nigris. Nervus alarum longitudinalis quartus le- viter sursum flexus, Mas. Articuli tarserum mediornm 3. 4. bre-
ves subdilatati atri, dense atro-spinosi: articulus Br calis brevissimus candidus.
Descr. Mas. Hypostoma fulvum, fulvo-micans. Antennae capite vix longiores: articulo basali api- calis longitudine, partem terminalem versus sensim dilatato, ochraceo, supra hispido: medio sessili bre- vi, ochraceo, hispido: apicali sursum directo, supra. sinuato, supra apiceque nigro-fusco, basi et. infra ochraceo, seta basali, longa, antenna plus duplo lon- giore, nigra, subinermi. Oculi margine postico ni- externo flavo-muricati. Frons chalybeus ni- tens, nigro-setosus. Thorax aeneo-viridis, nitens, stria dorsali longitudinali cuprescente, seriebus lon- gitudinalibus 8 pilorum nigrorum. Scutellum ae- neo- viride, nitens, utrinque seta longa nigra. Pleu- rae cano-virescentes, cano-micantes, “iudae: Halte- res pallide-flavi. Alulae pallide-flavae, margine ter- minali nigro-ciliatae. Abdomen aeneo- viride, dorso
8
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segmentorumque singulorum parte terminali nigres- cens, lateribus glaucescens, hirtum, margine termi- nali cujusque ‚segmenti’ nigro-piloso. Vagina longa basi obscure-virescens, fere nigra, micans nigro-pu- bescens, apice atra laevis nitens. Lamellae apicales, albidae, nigro-fimbriatae, flavido-pubescentes, nigro ciliatae: ciliis marginis apicalis uncinatis, externi strictis. Coxae anticae flavidae, pallide-sericeae, pos- teriores canae, apice flavae: omnes pilis terminalibus nigris. Femora flavida, hirta: media spina termi- nali nigra una (in uno individuo spinis 2): postico spinis tribus. Tibiae graciles, flavae, hirtae, spino- sae: spinis serialibus nigris. Tarsi- antici nigro-fus- ci articulis basalibus duobus flavis: medii tibiis mediis longiores: articulis basalibus duobus gracili- bus, flavis: secundo summa apice infuscato: articu- lis 3 et-4 brevibus, subdilatatis, atris, dense atro- spinosis; spinis marginis externi longioribus: arti- culo apicali brevissimo, candidissimo basi tantum atro-fimbriato, subinermi: postici nigro-fusci, articu- lo basali flavo, spinoso, summa apice nigro fusco, reliquis validiore: secundi longitudinem vixattingen- te, Alae subhyalinae: absque stigmate: nervis ni- gris: longitudinali quarto ante medium decursus le- viter sursum flexo (non geniculatim!).
Longitudo linearum 2½—5.
5 Femina diversa hypostomate latiore candido, antennarum articulo apicali breviore, abdomine seg- mentorum 3, tarsis mediis simplicibus: articulis api- calibus tribus nigro-fuscis.
“Yarietas. ß. thorace lineis dorsalibus longitudi- nalibus duabus cuprescentibus,
Varietas. 7, Thorace absque lineis dorsalibus.
Synonym. Dölichopus popularis Wiedemann zoolog. Magazin 1. 1. 70. 15. Aeneo- viridis, anten-
narum basi lutea, hypostomate aureo, pedibus inter-
mediis longioribus, eorum farsis ante apicem cla- vatis nigris apice albo A: hypostomate albo -seri- cante, pedibus intermediis haud clavatis, apice ni- gris F.
Dolichopus popularis. Meigen syst. Beschreib. 4. 91.30. Aeneo- viridis; hypostomate flavo, anten- nis rufis, apice nigris, pedibus rufis, articulo tertio quartoque tarsorum intermediorum in mare brevi- bus, dilatatis, ciliatis, atris: ultimo minimo al- bido.
Dolichopus popularis. Macquart, Ins. dipt. 3. 70. 25. Epistöme jaune. Antennes fauves, noires a Pextremite. Pieds fauves (mäle); troisieme et qua- tritme articles des tarses intermédiaires courts, dila- tes, cilies, noirs; dernier très petit blanc.
Dieſe Art findet ſich ebenfalls auf niedrigem Gebuͤſch und Geſtraͤuch an feuchten Orten. Wiedemann fing fie bey Kiel, Meigen bey Stollberg, Schummel und ich in Schleſien (Breslau. Woͤlfelsgrund in der Grafſchaft
Sup), Winthem und ich bey Hamburg, Macquart b Lille. 3 2 3 Anmerkung. Nach Herrn Wiedemanns Bemerkung fol Fabricius Syst. Antliat. p. 269, das ich leider jetzt nicht vergleichen kann, dieſe Art mit Dol. un gulatus verwechſelt haben. n
(Die Fortſetzung folgt.)
=» a u er
2 3
eo — rs a
Novae observationes de Entozois.
Auctore Dr. Fr. Chr, H. Creplin, med. pract. Wolgastiensi, Berol, Dümmler 1829. 8. IV, et 134. 1%, 2 tab. aeri incisis, Angezeigt und mit Bemerkungen begleitet von Dr, E. Mehlit
in Clausthal. — Mit Abbildungen auf Taf. II. in Heft 2. =
Herr Dr. Creplin hat ſchon vor einigen Jahren nrg feine Observationes de Entozois. P. I. Gryphiae. 1825. 8. (vergl. Iſis 1828) einen hoͤchſt ſchaͤtzbaren Beytrag zur Erweiterung unferer helminthologiſchen Kenntniſſe geliefert. In dieſer zweyten Schrift, die ſich in äußerer wie in inne rer Form ganz an die erftere anſchließt und nicht minder Anſpruͤche auf die Beachtung und den Dank der Naturfor ſcher hat, beſchenkt er uns mit einer neuen, ſehr reichhalt gen Reihe von Beobachtungen uͤber Helminthen aus den mehrſten Gattungen derſelben. Sie betreffen theils 19 hie zuerſt aufgeſtellte neue Arten, von welchen allemal, nos Mittheilung einer kurzen, gut gefaßten Diagnoſe und An⸗ gabe des Fundorts und Finders, eine ausfuͤhrlichere und meiſt vortreffliche Beſchreibung gegeben wird, theils ein noch groͤßere Zahl ſchon bekannter Arten, die in dieſer et N jener Beziehung oft ſehr bemerkenswerthe Erlaͤuterungen ert halten und von denen manche aufs neue vollſtaͤndig beſchrie⸗ N ben werden. Einen großen Theil dieſer Würmer erhielt der] Verfaſſer durch die Liberalitaͤt der Greifswalder Lehrer Ro⸗ ſenthal, Hornſchuch, Schilling und Laurer, denen auch wir fuͤr dieſe Mittheilungen dankbar ſeyn muͤſſen. Ich weiß die
Schrift nicht beſſer zu empfehlen, als durch die Verſiche⸗ rung, daß die aufmerkſame Unterſuchung ziemlich vieler der von dem Verfaſſer in ihr, wie in der fruͤhern, beſprochenen, auch mir vorgekommenen Würmer mir die Ueberzeugung ge⸗ geben hat, daß er mit Sorgfalt, Genauigkeit und Geſchick beobachtet und das Geſehene mit Schaͤrfe auffaßt und mit gewiſſenhafter Treue wiedergibt, und wuͤnſche nichts mehr, als daß er Gelegenheit und Muße zur ferneren fleißigen Fortſetzung feiner fo gute Frucht bringenden Studien finden. möge, Die Sprache iſt meiſt präcis und im Ganzen cor⸗ rect und fließend, wenn ihr auch nicht die naͤmliche Sorg⸗ falt gewidmet iſt, wie in den Observationibus, und einzel ne Stellen vorkommen, die nicht ohne Muͤhe verſtaͤndlich werden. — Zu bedauern iſt, daß der Verfaſſer ſich groͤßten⸗ theils auf die aͤußere Beobachtung beſchraͤnkt, den innern Bau im Ganzen wenig berückſichtigt und keine Zergliedes rungen verſucht hat. Wuͤnſchenswerth waͤre es ferner gewe⸗ ſen, daß er bey ſeinen neuen Arten auch einen Blick auf die zunaͤchſt verwandten geworfen und das Verhaͤltniß zu dieſen erörtert hätte. Die Selbſtſtaͤndigkeit und Eigenthuͤm⸗ lichkeit derſelben wuͤrde dadurch mehr hervorgehoben, ihre richtige Stellung im Syſteme erleichtert, und einige meiner
— — 1 >
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4 nach (salvis melioribus) untergelaufene Mißgriffe ürden ohne Zweifel dann vermieden ſeyn. Die Reichhal⸗ a des Buchs wird ſich aus der nachfolgenden Andeu— ung des Inhalts beſtimmter ergeben. Die von mir hinzus efügten Bemerkungen, die ich zu beſtimmterer Scheidung von dem Eigenthume des Verfaſſers in Klammern [] ein: ſchließen werde, haben ſich unter der Feder weiter ausge— ſponnen, als es beabſichtiget wurde; ich hoffe indeß fuͤr die Ausdehnung derſelben um ſo eher Entſchuldigung, da ſie nur Ergebniſſe ſorgſamer Beobachtung enthalten. Manche der Wahrnehmungen des Verfaſſers konnte ich beſtaͤtigen, hie und da war ich im Stande, einen Nachtrag oder eine weitere Erläuterung zu geben, einigemal glaubte ich aus meinen Unterſuchungen abweichende Folgerungen ziehen zu muͤſſen, und andere Bemerkungen endlich haben ſich gele—
gentlich angereiht. mn: \ n
8 0 in Prooemium.
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- Der Verfaſſer nimmt die früher von ihm vertheidig⸗ te Meynung, daß der cirrus [fälfchlih cirrhus geſchrieben] der Trematoda nicht für wahres maͤnnliches Glied zu hal⸗ ten ſey, zuruͤck, und ſchoͤpft aus der bekannten Schultze'ſchen eobachtung einer Taenia im Acte der Selbſtbegattung die Vermuthung, daß die Genitalbildung der Gestoidea der Tre⸗ matoda ähnlich ſeyn moͤge. f i | [Anatomifhe Unterſuchungen, beſonders an Taenia solium und cucumerina, haben mir die Richtigkeit diefer Vermuthung fehr evident dargethan. Ich erlaube mir, bis s mir möglich ſeyn wird, die Ergebniſſe derſelben mit er⸗ uternden Abbildungen ausführlicher bekannt zu machen, } e zunaͤchſt betreffenden Reſultate hier kurz mitzutheilen.
Die weite Oeffnung, welche jedes der mehr entwickel⸗ ten Glieder bey T. solium an dem einen Seitenrande, bey T. cucumerina an gegenüber liegenden Stellen beyder Sei— tenraͤnder zeigt, iſt die Mündung eines wahrhaften, muſcu⸗ loͤſen, ziemlich halbkugligen Saugnapfs. Im Grunde die- ſes Saugnapfs, der wohl als Haltungswerkzeug bey der Ber gattung dient, liegen neben einander die getrennten maͤnnli⸗ chen und weiblichen Geſchlechtsoͤffnungen, erſtere mehr ges gen den Vorder-, letztere mehr gegen den Hinterrand. Der kurze Faden oder ſogenannte lemniscus, der bey beyden Ar⸗ ten bisweilen aus jenen Randoͤffnungen hervorragt, und in
Verhaͤltniß zur Weite derſelben nur einen geringen Durch
meſſer hat, iſt der aus der maͤnnlichen Oeffnung vorgeſcho— bene Penis. Die weibliche Oeffnung wird mit deſſen Vor⸗ tritte nicht zugleich hervorgehoben, ſondern bleibt, ſeiner Bas ſis anliegend, im Grunde des Saugnapfs verborgen. Bil- dung und Vorſchiebungsweiſe des ſehr beſtimmt durchbohr— ten Penis iſt voͤllig wie bey den Diſtomen. Dem Umkreiſe der maͤnnlichen Oeffnung iſt ein kleiner, laͤnglicher, geſchloſ— ſener, ſtarkhaͤutiger Sack angeheftet (Vagina penis), der von da quer in die Subſtanz des Gliedes hineingeht und einen geſchlaͤngelten Gang einſchließt, welcher einerſeits in die aͤu— ßere Oeffnung mündet, dey vorgetretenem Penis in dieſen uͤbergeht, anderſeits dem abgekehtten Ende des Sacks oder der Scheide anhaͤngt. Bey zuruͤckgezogenem Penis iſt jener Sack in allen Dimenſionen größer, und der in ihm liegende
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Gang bemerklich länger und ſtaͤrker gewunden, als bey vor⸗ geſchobenem, und es iſt leicht erſichtlich, daß der Penis nichts als prolabierter, durch die Zuſammenziehung des Sacks her⸗ vorgedraͤngter Theil dieſes Ganges iſt. Von dem inneren Ende der vagina penis entſpringt ein Gefaͤß, das, in viele kurze Windungen zuſammengewickelt, über oder unter dem anliegenden Laͤngscanale hinweg und quer oder ſchraͤg nach vorn tiefer in das Glied hineingeht, endlich, mehr und mehr vers feinert, gegen die Mitte deſſelben unmerklich ſich verliert, — der Samengang, Hode. Vergl. Werner tab. II. fig. 57. f. £ und fig. 38. d. f., in welchen ſehr rohen Figu⸗ ren die Windungen des Gefaͤßes faͤlſchlich als blafige Er: weiterungen erſcheinen. Von der weiblichen Oeffnung nimmt ein zweytes Gefäß feinen Urſprung (Werner fig, 37. 38. c. e.), welches an dem Hinterrande der vagina penis vor⸗ beyläuft, dann gleichfalls uͤber oder unter dem Laͤngscanale weggeht, und, indem es allmählich ſich mehr nach hinten wendet, tiefer in die Maſſe des Gliedes eindringt. Daffels be iſt anfaͤnglich in einer kurzen Strecke weiter (weibliche Scheide), weiterhin dem Samengange im Durchmeſſer etwa gleich, aber derber als dieſer und nur ſchwach geſchlaͤngelt oder faſt geſtreckt. Es iſt bey T. solium fehr deutlich bis gegen die Mitte des Gliedes, wo es in eine länglich fpins delfoͤrmige Verdickung anſchwillt, ſetzt ſich minder deutlich jedoch jenſeit derſelben weiter fort, und ſcheint ſich endlich mit einem ſphaͤroidiſchen, ſehr ſchwierig näher zu beobach⸗ tenden, dem Anſcheine nach parenchymatofen Koͤrper zu ver⸗ binden, der dem Hinterende des Mittelſtamms der weiten dendritiſchen Eyergänge unmittelbar anliegt. Bey T. cu- cumerina ſchten es in den kleinern unreifen Gliedern ſich zuletzt in eine jederſeits zwiſchen dem Laͤngscanale und der Mittellinie bemerkbare opake Maſſe zu verlieren; blieb je- doch in den reifern Gliedern, in denen man von dieſen Maß; In 55 noch undeutliche Spuren fieht, feine Endigung ganz unkel. N
Sehr merkwürdig iſt, daß wenigſtens bey dieſen bey / den Taͤnien die beſchriebene weibliche Oeffnung und das von ihr entſpringende Gefäß unbezweifelt nur zur Befruchtung keineswegs aber zugleich zur Aus fuͤhrung der reifen Eyer dienet. Bey T. solium iſt nicht allein durchaus Fein off⸗ ner Zuſammenhang zwiſchen den weiten dendritiſchen Eyer⸗ gängen und jenem Gefäße nachweißhar, ſondern habe ich auch in dem Gefaͤße und in der vielmals gluͤcklich ifolierten ſpindelfoͤrmigen Verdickung nie Eyer getroffen, find die teis fen Eyer zu groß, um ohne eine bemerkliche Ausdehnung des Gefaͤßes durch daſſelbe paſſieren zu koͤnnen, und iſt es
in den reifen Gliedern durchaus nicht ſtaͤrker als in den
unreifen. Bey T. cucumerina iſt vollends eine Entlee⸗ rung auf dieſem Wege ganz unmoͤglich, da ſchon ein einzel. nes der reifen Eyer den weiblichen Geſchlechtsgang im Durchmeſſer um mehr als das doppelte übertrifft und über⸗ dieß ihrer conſtant mehrere durch eine kleberige, leicht roͤth⸗ liche Materie zu einer feſt zuſammenhaͤngenden Maſſe ver⸗ bunden find. (Treue Abbildungen von ein Paar ſolchen Maſſen in Creplin observat. fig. 12. ı3.; der Verfaſſer nennt fie daſelbſt S. 78 föͤlſchlich von einer gemeihicharttt, chen Haut um ſchloſſen). Die Entleerung der reifen Eyer muß normalmäßig auf eine andere Weiſe geschehen, die bey verſchiedenen Arten der Taͤnien verſchieden ſcheint und bey
71 f ———
J. cucumerina eigenthuͤmlich if. Bey der letztern find die Eyer nicht in zuſammenhaͤngenden Canaͤlen enthalten, ſondern zu 4, 6 bis 12 oder 16 in einzelnen, neben einan— der liegenden, rundum geſchloſſenen Zellen, die ſich faſt durch die ganze Flaͤche des Gliedes ausdehnen und in ihrer Verbindung mit einer Bienenwabe Aehnlichkeit haben. Die in jeder dieſer Zellen enthaltenen Eyer verkleben bey der Reifung in die erwaͤhnten, nach der Geſtalt der Zelle ſich formenden Maſſen, vermuthlich durch ein Secret von braͤun— lichen Koͤrperchen, welche in regelhäßiger Vertheilung alles mal an ſolchen Stellen liegen, in denen die Ecken von meh— reren Zellen zuſammenſtoßen. Anfaͤnglich ſind die Scheide— waͤnde der Zellen von nicht unbetraͤchtlicher Dicke und es ſtigkeit, und hängen die obern und untern Hautplatten der Glieder mit bedeutender Innigkeit zuſammen; mit der all— maͤhlichen Vergrößerung und Reifung der Eyer aber ſchwin— den die Zellenwaͤnde mehr und mehr, von der Mitte des Gliedes gegen den Umfang, und zwar zunaͤchſt dem Hinter— rand fortſchreitend, und geſchieht die Trennung der beyden Hautplatten immer leichter, bis endlich an den zur Aus— ſchuͤttung der Eyer reifen Gliedern beyde überall nur noch in einem Striche laͤngs der beyden Seitenraͤnder und des Vorderrandes zuſammenhaͤngen, in dem mittleren Theile und am Hinterrande völlig getrennt find, das Maſchengewebe wie verwiſcht erſcheint und das abgeſtoßene Glied einen ein— fachen, hinten mit einer weiten Spalte klaffenden Sack bil— det, aus dem ein leichter Druck ſchon die Eyer hervortreibt. Bey mehreren ſolcher Glieder, die ich an einem Abend noch lebend in dem Darme eines Hundes gefunden hatte, hatten ſich ſogar uͤber Nacht im Waſſer die beyden Hautplatten vom Hinterrande her in einer mehr oder minder bedeuten— den Strecke ganz getrennt und die Eyer ſo ſich ausgeſtreut. Bey T. solium geſchieht die Entleerung der Eyer aus dem Vorderrande der abgeſtoßenen Glieder; ich fand ſtets in ihm den Mittelſtamm der Eyergänge, auch wohl den einen oder andern Aſt, mit weiter freyer Oeffnung muͤndend. Bey einigen andern Arten ſcheinen ſich neue Oeffnungen zu Dies ſem Zwecke zu bilden.
Getrennte männliche und weibliche Oeffnungen kom⸗ men vielleicht den meiften Cestoideis zu. Ich habe fie bey einigen Ligulis und Bothriocephalis und dem Triaenoe phorus beſtimmt erkannt, vielleicht auch bey dem wohl un— bezweifelt androgynen Caryophyllaeus, Bey den Ligulis hat auch Rudolphi etwas davon geſehen, bey Bothr. latus ſind ſie Bremſern und Leuckart nicht ganz entgangen, und der Verfaſſer ſelbſt hat ſie bey ſeinem Bothr. ditremus ‚und A. dendriticus Nitzsch wahrgenommen. Bey den Ligulis liegen beyde neben einander in geringem Abſtande in einer ſeichten und kurzen Querfurche der Haut. Aehn— lich iſt's bey Bothr. nodosus und dem durch Unvollkom⸗ menheit der Gliederung den Ligulis ſich naͤhernden B. punctatus; bey B. latus und ditremus dagegen liegen fie gerade hinter einander, die größern männlichen vorn, die kleinern weiblichen hinten, und iſt ihr Abſtand groͤßer. In Fig. 1. und 2. ſind Glieder des Bothr. latus abgebildet, an welchen ſie deutlich in die Augen fallen. Ich glaube bey dieſem Wurme auch mich überzeugt zu haben, Penis, wie bey den genannten Taͤnien und den Tremato⸗ den, durchbohrt iſt, und durch Vortreibung eines in einer
n
- nophorus findet das merfwürdige Verhaͤltniß ſtatt, daß die
mengeſetzten Thiere characteriſiert.]
daß der
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=
Scheide enthaltenen Canals entſteht.“ — Beym Teiaes
weiblichen Oeffnungen in der Mittellinie der einen Flaͤche, die maͤnnlichen weit entfernt davon in den Seitenrandern liegen (S. unten). Aus den erſten laſſen ſich bey ihm an den reifern Strecken die Eyer mit Leichtigkeit hervordrü⸗ cken, ſo, daß dieſelben hier alſo auch zur Ausfuͤhrung der Eyer dienen. 5
Uebrigens zeigen die Cestoidea nicht bloß in der Ges nitalbildung Analogie mit den Trematoden, ſondern außer der mangelnden Koͤrperhoͤhlung auch in dem Beſitze eines von der (hier ſehr engen) Mundoͤffnung in der Kopfſpitze einfach beginnenden, ſehr bald dahinter gablig. getheilten Nahrungscanals und greßentheils napffoͤrmiger Anheftungs⸗ werkzeuge (die bey den Taͤnien und Blaſenſchwaͤnzen bes ſtimmt eben ſo, wie die Bauchnaͤpfe der Diſtome, blind und undurchbohrt find). Sie bilden eine jenen parallele Thier reihe, die ſich hauptſaͤchlich durch Vervielfaͤltigung der Geni⸗ talien und daraus hervorgehende Annäherung an die zuſam⸗
Am Schluſſe der Vorrede bemerkt der Verfaſſer, daß er auf die von Nitzſch gegebene Anregung die den Regeln der Grammatik nicht entſprechenden Namen Trichosoma, Distoma etc. in Trichosomum, Distomum etc, umge⸗ ändert habe. [Ich kann diefe Umaͤnderung, gegen wel fon v. Baer (N. Act. Nat. Cur. Vol. XIII. P. II. p. 547. Note) ſich erklaͤrt hat, nicht billigen. Mag auch Di- stomum ſprachrichtiger ſeyn, als Distoma, ſo iſt die Sprachunrichtigkeit des letzteren doch nicht - ſo groß, daß fie einen hinreichend dringenden Grund zu der immer moͤglichſt zu vermeidenden Abaͤnderung eines eingebuͤrgerten Namens gäbe. Hat doch ſchon Linne in feiner philosophia botani- ca (ed. 2. p. 178) die analogen Namen Melastoma, T'ri- chostemma, Dianthera für Pflanzengattungen fanctioniert, und haben wir in Glycyrrhiza, Amaranthus, Chrysoco- ma uſw. Namen des Alterthums, deren Endungen gleiche falls nicht die adjectipiſche Form angenommen haben. Wo, bemerkt v. Baer ſehr richtig, würden bey fo ſtrengem Ges richt die meiſten unſerer Gattungsnamen bleiben? Behalten wir aber Distoma etc., fo wuͤrde der Uebereinſtimmung
» Bitte an Aerzte. Da in hieſiger Gegend Bothrioce- phalus latus (Taenia lata L.) nie vorkommt, jo habe ich lei⸗ der bisher nur im Spiritus erhaͤrtete Fragmente unterſu⸗ chen koͤnnen. Dergleichen feinere Unterfuhungen find aber nur bey friſchen Wuͤrmern mit Hoffnung eines genuͤgen⸗ den Erfolgs anzuſtellen. Ich wuͤrde daher den Aerzten andrer Gegenden, welchen dieſer Grubenkopf oder ſoge⸗ nannte breitgliedrige Bandwurm in den kaͤlteren Winters monaten vorkommen ſollte, zu ſehr großem Vanke ver⸗ pflichtet werden, wenn fie die Gefaͤlligkeit haben wollten, mir das eine oder andre Exemplar, oder auch nur länge⸗ re Fragmente davon friſch und trocken in eine reichliche Menge Kohlenpulver in einem ganz gefüllten und wohl verſchloſſenen Glaſe verpackt, durch die Poſt zuzuſen⸗ den. Die Wuͤrmer halten ſich in dem leicht abzu⸗ fpülenden Kohlenpulver ſelbſt 14 Tage und daruber ganz gut.
bvegen auch beſſer Holostoma als mit Nitzsch 'Holosto- mum, und Mezöstoma' als mit Leuckart Myzosto- num, geſchrieben werden‘) I. 0BSERVATIONES DE NEMATOIDER. P. 1—58.
Trichosomum. P. 1—5. 7
R Der Verfaſſer hat in verſchiedenen Saͤugthieren und Gogeln Trichoſomen, aber immer nur Weibchen, und dieſe wohl in Dicke und Länge etwas verſchieden, jedoch Übrigens einander ſo ähnlich gefunden, daß gute ſpecifiſche Charactere . ihm unmoͤglich war.
Uunter allen Eingeweide⸗Wuͤrmern find unſtreitig die kleinern Maͤnnchen der Trichoſomen am ſchwierigſten aufzu⸗ finden. Jedoch bin ich faft jedesmal, daß ich Weibchen ſand, ſo glücklich geweſen, auch das eine oder andere Maͤnn⸗ chen zu entdecken, und ich glaube das von mir beobachtete Verfahren, das ich von Bremſer lernte, als practiſch zur Auffindung auch ſehr kleiner Helminthen empfehlen zu dürs fen Ich öffne das zu unterſuchende Darmſtuͤck in einer flachen, mit ſchwarzem Wachſe ausgegoſſenen, und in ange⸗ meſſener Höhe mit Waſſer gefüllten Schale, ſpuͤle, nachdem ich die jetzt ſchon in die Augen fallenden Helminthen hers ausgenommen, das Darmſtuͤck durch ſchnelles Hin⸗ und Her: bewegen in dem Waſſer moͤglichſt rein ab, gieße dann den größern Theil des ganz truͤbe gewordenen Waſſers langſam ab, wobey die durch die Bewegung ſchon großentheils von dem anhängenden Schleime befreyten Helminthen, ſobald man das Waſſer nur nicht in einem zu ſtarken Strome ab⸗ fließen laͤßt, als ſpeciſiſch ſchwerere Körper in der Schale zus kuͤckbleiben; gieße nun neues Waſſer hinzu, wovon ich, nach⸗ dem ich allenfalls die zurüuͤckgebliebenen zuſammenhaͤngenden Maſſen der Contenta mit einem weichen Pinfel zerdruͤckt habe, wiederum den größten Theil mit derſelben Vorſicht abs fließen laſſe; wiederhole dieß einigemal, bis das Waſſer hin⸗ reichend klar geworden iſt, und ſehe nun zu, was von Hel⸗ minthen zuruͤckgeblieben iſt, indem ich bald die Schale ruhig ſtehen laſſe, bald ſie an dem einen oder andern Ende etwas hebe, um die Wuͤrmchen in Bewegung zu bringen, bald ges rade nieder, bald ſchraͤg darauf ſehe. Nicht leicht wird bey
dieſem Verfahren ein Wurm der Aufmerkſamkeit entgehen,
und es iſt mir manchmal ſelbſt geglüdt, auch abgeriſſene
Kopfenden zarter Tänien auf dieſe Weiſe aufzufinden. Das
abgefpülte, einſtweilen zurückgelegte Darmſtuͤck iſt dann ſpaͤ⸗ ter nochmals in die Waſſerſchale zu bringen, um auch die der Schleimhaut etwa noch veſt anhaͤngenden Wuͤrmer nicht zu überſehen.
Die große Schwierigkeit, die Arten der Trichoſomen genügend gegen einander abzugraͤnzen und gute Unterſchei⸗ dungsmerkmale fuͤr ſie anzugeben, habe auch ich ſchon lan⸗ ge empfunden, ohne ſie bis jetzt loͤſen zu koͤnnen. Die von Rudolphi benutzte Form des weiblichen Schwanzendes hat mit keine hinreichend augenfaͤlligen Verſchicdenheiten darge»
Iſis 1881. Heft 1. 8
74 boten; es ſcheint jederzeit ſtumpf abgerundet zu ſeyn und iſt dieß namentlich auch bey Tr. longicolle R., bey wel,
chem ich es ſo wenig, als bey einer andern Art ausgeran⸗ det fand. Wichtiger ſcheint die gleichfalls von Rudolphi be⸗ nutzte verhältnigmäßige Lange des vordern haarfoͤrmigen Theils, oder genauer der Abſtand der Kopfſpitze von dem Anfange der Koͤrperhoͤhlung und der dieſe fuͤllenden Genita⸗ lien, beym Weibchen von der vulva; jedoch iſt bey der An⸗ wendung dieſes Merkmals Vorſicht noͤthig, da jener Abſtand bey den juͤngern, beſonders den jungfräullchen Weibchen kleiner iſt als bey den altern, indem der hintere Theil des Körpers bey der fortſchreitenden Entwickelung der Eyer fich, verlängert. Ich fand z. B. bey Tr. obtusum R. aus dem Duͤnndarme und Kropfe (nicht dem Blinddarme) der Falken, Eulen und Raben die Vulva bald um betraͤchtlich über ½, faſt ½, bald aber nur ¼ der Körperlänge von der Kopfſpitze abſtehend. Bey Tr. obtusiusculum R. zwiſchen den Magenhaͤuten des Ktanichs und Kiebitzes fand ich fie / bis ½, gemeiniglich etwa ½, bey dem faͤlſchlich ſo genannten Tr. brevicolle R. in den Blinddaͤrmen der Enten und Saͤger etwa /, bey Tr. longicolle R. in dem Duͤnndarm des Faſans ½ oder wenig darüber der Koͤrper⸗ länge von der Kopfſpitze entfernt. — Die mehr odet mins der langſam zunehmende Staͤrke des Koͤrpers gibt eben ſo wenig ein Merkmal als die Anordnung der reifen Eyer. Von größerem Belange find vielleicht die verſchieden ſtarke ſpirallge Windung des maͤnnlichen Schwanzendes, die zum Theil deutliche Ausrandung deſſelben, und beſonders dle Form der Scheide des nur leider fo ſelten vollſtaͤndig vor⸗ geſchobenen Penis. Um auf die verſchiedene Bildung der letztern aufmerkſam zu machen, habe ich in Fig. 3. und 4. ſtark vergroͤßerte Abbildungen der maͤnnlichen Glieder von Tr. obtusiusculum des Kraniche, und Tr. brevicolle der Eisente beygefuͤgt.]
Kurze Beſchreibung eines Trichoſoms aus dem Dar⸗ me eines Cyprinus, des erſten aus einem Fiſche. ( Ich kann Zweifel, ob dieſer Wurm wirklich der genannten Gat⸗ tung angehoͤre, nicht unterdruͤcken. Ich habe aͤhnliche in Pleuronectes solea und Cottus cataphractus gefunden, von welchen jedoch der letztere durch Anfüllung des ganzen Hintertheils mit ſehr kleinen Eyern ſich andererſeits den Spiropteren näherte. Die Rundwuͤrmer der Fiſche ſcheinen viel Eigenthuͤmliches zu enthalten, und bedürfen noch ſehr genauer Unterſuchung.]
Spiropter a. pag. 3—6.
Sp. crassicauda, Sp. n. s
Zwiſchen den Magenhaͤuten von Colymbus rufogu-
laris, Anas glacialis, A. clangula und Mergus serrator.
[Ich habe dieſe entſchieden ſelbſtſtaͤndige Art gleichfalls wie
derholt gefunden in Colymbus rufogularis und atrogu-
laris, Anas tadorna, fusca und clarıgula und Mer
serrator und merganser, meiſt zwiſchen den Magenhäus
ten, einige Würmer in der Höhle des Magens, wo fie an dem Uebergangt deſſelben in den Vormagen mit dem einen
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75 Ende in der innern Haut veſthiengen, und habe ſie meinen Freunden unter dem nun zurüuckzunehmenden, von der auf fallenden Abrundung des weiblichen Schwanzendes entlehn⸗ ten Namen Sp. rotundata mitgetheilt. Ich füge der tref⸗ fenden Beſchreibung hinzu, daß die Weibchen bis uͤber ein Paar Zoll lang vorkommen, daß der After dey dem Weib⸗ chen am untern Theile der Zurundung des Schwanzendes, die Vulva etwas hinter der Mitte des Koͤrpers liegt, der überaus weite Uterus doppelt iſt, ich Urſache habe, auch Duplicität des immer nur ſehr kurz vorgeſchobenen maͤnnli⸗ chen Gliedes zu vermuthen, und daß ich im Februar in ei⸗ nigen Weibchen den Ausgangstheil des Uterus mit leben⸗ den Jungen gefuͤllt gefunden habe.]
Observ. novae de Sp. obvelata Crepl,
Fernere Beobachtungen über die fehr merkwürdige Kopfdildung dieſer von dem Verfaſſer in den Observat. p. 10. 80. aufgeſtellten, ſeitdem noch in einer kleinen Moͤve, Sterna risoria Br. und Totanus fuscus gefundenen Art. [Ob die Würmer aus dem Sumpfvogel nicht andrer Art? Die Beſchreibung des Kopfs iſt im Allgemeinen treu, gibt aber kein deutliches Bild und wird beſonders dadurch dun⸗
kel, daß der Verfaſſer von einer den Kopf umhüllenden bla⸗
ſigen Membran ſpricht. Ich habe die nehmliche Art, die den Typus einer eignen Gruppe der Spiropteren bildet, in dem Magen von Larus canus und argentatus gefunden, und behalte nähere B merkungen einem Aufſatze über diefe Gattung in einem der folgenden Hefte der Iſis vor.]
Phys aloptera. p. 6—9.
Ph. megalostoma, Spec. nov.,
Aus dem Vormagen des Sperbers, angeblich von der ſonſt in den Falken vorkommenden Ph. alata R. weit ver⸗ ſchieden und ausgezeichnet durch eine ſehr weite, kreis ſoͤrmi⸗ ge, nackte, von einem ſtark aufgeſchwollnen Rande umgebene Mundoͤffnung.
[Allerdings wuͤrde dieß eine eigenthuͤmliche und hoͤchſt ausgezeichnete Art ſeyn, wenn jene Mundbildung ſich beſtaͤ⸗ tigte. Ich habe jedoch Grund, zu vermuthen, daß der Verfaſſer, der nur ein Maͤnnchen und ein Weibchen unter⸗ ſucht hat, die ſchon in Spiritus gelegen hatten und von de⸗ nen er das letztere ſelbſt minder gut erhalten nennt, ſich in der Beobachtung getaͤuſcht und nur durch Maceration vers änderte Physalopterae alatae vor ſich gehabt hat. Rus dolphi's Beſchreibung der letztern Art (Syn. 256.) bezieht ſich eben auf Exemplare aus dem Sperber, und ich ſelbſt habe dieſelde in eben dem Vogel mehrmals gefunden. — Bey wenigen andern Rundwüurmern wird die Form des Kopfs durch die Einwirkung des Waſſers und geringe Ma⸗ ceration fo unausbleiblich und bedeutend verändert, als bey dieſem. Kaum etliche Stunden nach dem Tode erhält ſich ſeine wahre Geſtalt, und es iſt nicht einmal dadurch, daß man die Würmer nur flüchtig in Waſſer reinigt und uns verzüglich in Branntwein bringt, immer Entſtellung zu vers
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9 huͤten. Rudolphi hielt den Kopf für gefluͤgelt, und entlehn⸗ te davon den Trivialnamen. Bey Würmern, die nach deln Tode einige Stunden in Waſſer oder waͤſſerigem Weingeiſt gelegen haben, hat es, zumal wenn man fie bey durchfallen dem Lichte betrachtet, auf den erſten Blick kaͤuſchend ein fols ches Anſehen. Dreht man jedoch den Wurm unter der Loupe, fo verſchwinden die ſcheinbaren Flügel in keiner La, ge, Sondern bleibt das Anſehen immer das naͤmliche, von welcher Seite man auch den Kopf ſehen moͤge, und gewinnt man leicht die Ueberzeugung, daß keine Fluͤgel vorhanden ſind, daß vielmehr die Haut im ganzen Umfange des Kopfs blaſig aufgetrieben iſt und nur die große Durchſichtigkeit der aufgequollenen Haut gegen den unveraͤndert durch ſie hin⸗ durchgehenden, opaken Koͤrper taͤuſcht. Kurze, quere Ab⸗ ſchnitte des Kopfendes, von den Schnittflaͤchen her betrach⸗ tet, geben vollends die Gewißheit des gaͤnzlichen Mangels von Flügelrändern. Anders verhält es ſich beym lebenden oder kaum erſt geſtorbenen Wurme; die Haut liegt hier an dem allmahlich und gleichmäßig verdunnten, zuletzt kurz Be gelfoͤrmig geſpitzten Kopfe eben jo dicht als an dem übrigen Körper, ſcheint kaum dort etwas lockerer zu ſeyn, und bil⸗ det nur um die kurze Kegelſpitze einen wenig vortretenden Rand, ahnlich Bremser Icon. tab. 3. fig. 3.; ſo daß als ſo offenbar jene Auftreibung erſt Folge der Waſſereinſaugung iſt. Staͤrke und Form der Anſchwellung find. nicht im⸗ mer gleich, wie denn auch Rudolphi (Syn. 646.) die veran⸗ derliche Geſtalt der ſcheinbaren Flügel nicht entgangen iſt. Bisweilen bleibt die Mundſpitze etwas vorſtehend oder in gleicher Höhe mit letztern; oͤfter aber noch wird die Haut über fie hinausgehoben, und iſt fie nun (ähnlich wie in Bremser Icon. tab. 3. fig. 9.) in eine trichter foͤrmige Vertiefung mehr oder minder tief eingeſenkt. In dem letz⸗ tern Falle iſt das Anſehen bisweilen der vom Verfaſſer in Fig. 3. gegebenen Abbildung vollig gleich und beſonders, wenn man in Weingeiſt erhärtete Würmer mit undurchſich⸗ tigerer Haut betrachtet, ganz fo, als ob eine ſehr weite, von einer wulſtigen Kreislippe umſchloſſene Mundoͤffnung da ſey. Der wahre Mund des Thiers iſt ſehr eng und von 6 veraͤnderlichen, bald kurzen und abgerundeten, bald faſt in Form kleiner Staͤchelchen länger vortretenden Papillen um⸗ geben; in Gemaͤßheit welcher Bildung man in dem zum Munde fuͤhrenden Trichter am aufgequollenen Kopfe ge⸗
© SGleiche Bewandniß dürfte es, fo weit Analogie und bie Abbildung bey Bremſer einen Schluß erlauben, mit den angeblichen Fluͤgeln der Ph. dilatata R. haben. Sehr be⸗ ſtimmt habe ich mich überzeugt, daß auch Ascaris vesicu- laris (die allerdings 3 kleine Kopfknoten zu beſitzen ſcheint und den Aſcariden in jedem Betrachte viel näher ſteht, als der Oxyuris curvula) keine wahren Flügel beſitzt, hoͤchſtens eine kaum bemerkbare Spur eines vortretenden Randes längs der Seitenlinien, und daß die ſcheinbaren großen, blaſigen Flügel, die man ihr beylegt, erſt nach ihrem Tode durch eine gleiche, ungemein ſtarke Auftrei⸗ bung der Kopfhaut in Folge der nunmehr geſchehenden Waſſereinſaugung entſtehen. Die Kopfflügel bey Ascaris depressa und nigro- venosa und bey Strongylus anricula- ris haben gleiche Entſtebung, Nehnliche Veränderung im Waſſer erleidet auch Ascaris obvelata, die jedoch wahre Fluͤgelränder von einiger Breite hat, u. a. Nat
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* glich 6 regelmäßig vertheilte, leicht einſpringende Winkel der Striche bemerken. W
Nee - u 1 . 7 Kaum minder leicht, als der Kopf, wird auch das anzende der Maͤnnchen durch Einſaugung des Waſſers entſtellt. In ſeinem naturlichen Zuſtande kommt es ſehr genau mit der Bremſer'ſchen Abbildung von Ph. clausa (I. ©. fig. 4. 5.) überein; durch das ſich infiltrierende Waſſer ber werden die vorher dicht anliegenden Hautplatten feiner aus einander gedraͤngt, und es entſteht nunmehr die iedentlich abaͤndernde Blaſenform, die Rudolphi von ‚ clausa und turgida beſchrieben hat, die auch der Ver⸗ er bey feinem Maͤnnchen, dem er alas inflatas beylegt, geſehen zu haben ſcheint, und die Veranlaſſung zu dem Na⸗ men der Gattung geweſen iſt. dieſe Blaſenform nicht urſprünglich, ſondern Folge der Ma: ion iſt, ergeben die Bremſer'ſchen Abbildungen, und es nicht zu bezweifeln, daß ſie nicht minder bey den Ru⸗ dolph hatte. er P R. bilabiata, Sp. n.
ms Aus dem Darm von Lanius minor; ein Weibchen in einem Balge außen an demſelben. Intereſſanter Zu⸗ wachs dipfer kleinen Gattung. a
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Strongylus, ge 5 P · 9—19.
Strong. cernuus, Sp. n.
Zoey Männchen und zwey Weibchen im Duͤnndarme zweyer Schafe von Lauter gefunden. Dem Str. hyposto- mus verwandt und von derſelben Groͤße, aber verſchieden durch verhaͤltnißmaͤßig kleinern Kopf, mehr nach unten ge⸗ tichtetes Maul, zweylappigen maͤnnlichen Schwanzbeutel und kegliches, ſtumpfliches Schwanzende der Weibchen.
(das würde die vierte Art dieſer Gattung aus dem
Schafe ſeyn! Die angegebenen Unterſchiede genuͤgen jedoch ſchwerlich zu dem Erweiſe fpecififchee Verſchiedenheit von Str. hypost. Den Schwanzbeutel hat der Verf. nur bey
„In Beziehung auf Rudolphi Syn. 596, wo Physaloptera ’ retusa als entſchiedenes Beyſpiel des Ausmahmsfalles eines dbeinfachen Penis bey zweyhörnigem Uterus angeführt wird, ſchließe ich die Bemerkung an, daß Ph. alata nicht bloß den letztern, ſondern auch doppelten Penis beſizt. Wenn bdepyde spicula einander dicht anliegen oder bey ungleicher Kkeuänge derſelben nur das überragende Ende des längern bdorgeſchoben iſt, iſt Taͤuſchung, wenn nicht Zergliederung gemacht wird, ſehr leicht. Wie leicht dieſe geſchehe, hat uns beſonders Cloquet gezeigt, indem er den Penis des menſchlichen Spulwurms für einfach ausgibt. Ich habe wohl bey verſchiedenen Rundwuͤrmern, denen bisher ein
©. einfacher Penis beygelegt ward, ihn doppelt gefunden,
aber noch keinen Fall gefunden, in welchem die Duplicitöt der Genitalien entſchieden nur dem einen Eeſchlechte aueıme, \ x
Daß auch bey Ph. clausa _
iſchen Exemplaren der Ph. turgida gleichen Urfprung, I h
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dem einen Männchen zweylappig gefunden, bey dem andern nicht, und er kann ſich leicht auch bey jenem getaͤuſcht ha— ben, da man völlig ſicher über feine Form nur urtheilen kann, wenn man ihn abſchneidet und von allen Seiten be trachtet. Ich ſelbſt meynte den ganzen Schwanzbeutel des Str. hypost. anfaͤnglich gelappt zu finden. Die Form des weiblichen Schwanzendes variiert, beſonders wo die Vulva, wie bey dieſer Art, dem After nahe liegt, nach Alter, Jung⸗ fraͤulichkeit und Traͤchtigkeit zu ſehr, um ohne ſehr genaue Vergleichung eine Unterſcheidung begründen zu koͤnnen.]
Observ, de Str. Rypostomo Rud.
Diefe bis dahin nur in dem Blinddarme der Gem ſe wahrgenommene Art wurde zweymal von dem Verf. ſelbſt und einmal in großer Zahl von Laurer in dem Dickdarme des Schafs gefunden. Bemerkungen über den Kopf, die Geni⸗ tolien uſw. 6 h
[Ich habe dor einigen Jahren dieſelbe Art, 9 Maͤnn⸗ chen von 7—8 und 10 Weibchen